AUA-Mitarbeiter blasen Abstimmung ab

29. April 2012, 17:41
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Mitarbeiter wollen mehr Infos zur Gehaltsreform. Bord-Betriebsrats­chef Minhard: "Vereinbarung hängt an seidenem Faden"

Wien - Seit Sonntagnachmittag ist im Streit um eine umfassende Gehalts- und Pensionsreform bei der AUA (Austrian Airlines) wieder alles offen. Bis Montagnachmittag wird in der Belegschaft nun doch nicht über das Personalkosten-Sparpaket abgestimmt. Das sagte Bord-Betriebsratschef Karl Minhard am Sonntagabend. Vorstand und Belegschaftsvertretung verhandeln also weiter.

Minhard bestätigte, dass das Votum der Piloten und Flugbegleiterinnen zum jetzigen Stand negativ ausgegangen wäre.

Mitarbeiter sind skeptisch

"Das Ganze hängt sowieso am seidenen Faden", sagte der Bord-Betriebsratschef. Er hofft weiter, dass ein Zwangsumstieg auf Tyrolean vermieden wird. "Mir ist eine Verhandlungslösung die liebere". Dazu müsse das Paket aber passen. Jetzt aber sei es sozial unausgewogen, enthalte zu viele Ungerechtigkeiten.

In den Informationsveranstaltungen, die den Charakter von Betriebsversammlungen hatten, haben die Piloten und Kabinenmitarbeiter ihre Skepsis deponiert. Die bisher letzte war heute Nachmittag. "Viele sagen, ein Betriebsübergang auf Tyrolean kann auch nicht schlechter sein", berichtete Minhard.

Steuerfrage bei Abfertigungen

Er hofft, diese Härten noch herausverhandeln zu können. Und er glaubt, dass dazu noch Zeit sein muss. "Wir sehen den Zeitdruck, den das Management sieht, nicht", sagte Minhard. Er hält das vorige Woche ausgemachte Grundsatzpaket auch nicht für tot. In der vorliegenden Form könne über die Papiere aber nicht im Detail abgestimmt werden.

Dem Vernehmen nach fühlten sich viele Copiloten vergleichsweise schlechter gestellt, verlangten, dass die Kapitäne mehr der künftigen Lasten tragen sollten. Auch die offene Besteuerungsfrage bei den Abfertigungen müsse zweifelsfrei sein, bevor es ein Okay der Belegschaft geben kann. Wie der STANDARD berichtete, ist nicht klar, ob die vereinbarte kollektivvertragliche Abfertigung tatsächlich nur mit sechs Prozent zu versteuern ist. Das wäre an sich der übliche Satz. Die AUA ist aber ein Spezialfall, weil das Dienstverhältnis nicht beendet wird. Für Roland Gerlach, den Anwalt des Betriebsrates, ist es ein Skandal, dass es nicht ausgemacht ist, ob die Mitarbeiter die Abfertigung mit sechs, 35 oder 50 Prozent versteuern müssen.

Besser kein Votum, als ein negatives

Das am vorigen Dienstag binnen Wochenfrist ausgehandelte Grundsatzpapier (dem die Details ja folgen sollten) sah vor, dass die AUA-Piloten (KV alt) bis zu 30 Prozent ihrer Bruttogehälter einbüßen würden, allerdings gegen zum Teil saftige Abschlagszahlungen. Allen Piloten würde der Inflationsausgleich in Form von automatischen Vorrückungen gestrichen, auch mit der bisherigen Überstundenpraxis würde Schluss gemacht, die Flug-Einsatzzeiten würden erweitert.

Die AUA braucht auf Druck von der Mutter Lufthansa eine dauerhafte Senkung der Personalkosten. Das ist ein Teil eines vom Vorstand als überlebenswichtig bezeichneten Sparpakets. Seit Monaten wird darum gestritten.

In der vom Betriebsrat und vom Vorstand vorigen Dienstag fixierten und unterschriebenen Grundsatzeinigung war man zum bisher geplanten Procedere übereingekommen: "Ein positives Abstimmungsergebnis würde eine gemeinsame Lösung bedeuten. Ein negatives Abstimmungsergebnis hätte aus Sicht des Vorstands den geplanten und dann notwendigen Betriebsübergang zur Folge." Jetzt gibt es zunächst einmal kein negatives Votum, sondern gar keines.

Auch bei "Niki" wird verhandelt

Bei "Niki" geht es diese Woche übrigens gerade auch um KV-Fragen. Die Belegschaft der von Niki Lauda gegründeten und mittlerweile ganz der deutschen Air Berlin gehörenden Billigfluggesellschaft hat sich mit dem 1. Mai einen symbolträchtigen Tag für die Wahl ihres ersten Betriebsrates ausgesucht. Eines der Hauptziele der Neo-Betriebsräte bei Niki: Fixanstellungen für die bisherigen Leiharbeiter. Die bisherige Leasingkonstruktion gehörte aufgelöst, findet die Gewerkschaft. Der Niki-Vorstand hingegen will daran festhalten. (APA/red, derStandard.at, 29.4.2012)

  • Am Sonntag lief die achte und letzte Informationsveranstaltung für die AUA-Bordleute. Jetzt geht es ans unterschreiben.
    foto: derstandard.at/sussitz

    Am Sonntag lief die achte und letzte Informationsveranstaltung für die AUA-Bordleute. Jetzt geht es ans unterschreiben.

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