Danekrae: Geschützte "dänische Geschöpfe"

Dänemark verfügt über eine vorbildliche Gesetzgebung zum Schutz paläontologischer Funde - Das bedingt eine Zusammenarbeit zwischen Sammlern und der Wissenschaft

Vor mehr als zwei Jahrzehnten führte Dänemark den sogenannten Danekrae ein, ein Gesetz zum Schutz einzigartiger geologischer und paläontologischer Funde. Wir berichten über unsere seither zum Danekrae ernannten Funde und stellen unsere Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Museumspersonal dar.

Im Sommer 1985 erhielt der Leiter des Fur-Museums auf der Insel Fur im Limfjord in Dänemark eine Postkarte. Ein Sammler aus Norddeutschland teilte ihm mit, dass er am Knudeklint einen Zementsteinblock mit einem riesigen Fisch gefunden und anschließend eingegraben habe. Die genaue Fundstelle hatte der Finder auf der Luftaufnahme auf der Vorderseite der Postkarte mit einem kleinen Kreis markiert. So konnte der Block schnell lokalisiert und ausgegraben werden. Er enthielt den Kopf und einen Teil des Körpers eines Knochenzünglers, der insgesamt zirka zwei Meter lang gewesen sein dürfte. Die etwa sieben Zentimeter dicke obere Platte hatte der Finder fachgerecht abgespalten und mit nach Hause genommen. Die Gegenplatte konnte er jedoch wegen ihres Gewichts von etwa 200 Kilogramm nicht transportieren.

Der Finder hatte sich völlig gesetzeskonform verhalten, als er die obere Platte mit nach Deutschland nahm. Das Museum nahm Kontakt zu ihm auf und bot an, seine Platte zu kaufen. Man einigte sich darauf, dass das Fur-Museum sie zur Präparation geben und für fünf Jahre als Leihgabe ausstellen konnte. Die Kosten für die sehr aufwändige Präparation wurden im Wesentlichen vom Carlsberg-Fonds getragen (also: Bier trinken für die Wissenschaft). Nach Ablauf der Ausleihfrist war der Finder zu einem Verkauf bereit. Der Fisch kann nun im Fur-Museum besichtigt werden und so fand die Geschichte letztlich einen glücklichen Abschluss.

Gesetzesnovelle

Der damalige Leiter des Fur-Museums - der leider inzwischen verstorbene Erik Fjeldsö Christensen - nahm diese Begebenheit zum Anlass, für künftige Fälle eine gesetzliche Regelung zu initiieren, wie mit derart wertvollen paläontologischen Funden umzugehen ist.

Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern und lokalen Politikern erreichte er, dass in das dänische Museumsgesetz ein Passus über fossile Funde aufgenommen wurde. Danach sind in Dänemark gefundene Fossilien "von einzigartigem wissenschaftlichen oder ausstellungsmäßigen Wert" dem dänischen Staat vorzulegen. Gleiches gilt auch für seltene Minerale und alle Meteoritenfunde. Sofern der Staat diese Objekte erwerben möchte, steht dem Finder ein angemessener Finderlohn zu.

Außergewöhnliche Funde

Um es deutlich zu machen: es geht hier wegen der vorausgesetzten außergewöhnlichen Seltenheit oder exzellenten Qualität um einen verschwindend geringen Anteil aller Funde (mehr als 99 Prozent aller Fossilien dürfen die Finder behalten).

Um dem Kinde einen einprägsamen Namen zu geben, wählte man die Bezeichnung DANEKRAE (sinngemäß übersetzt: "dänisches Geschöpf") in Anlehnung an die seit Jahrhunderten geläufige Bezeichnung DANEFAE (etwa: "dänischer Schatz"). Der Danefae-Begriff hat seine Wurzeln im 17. Jahrhundert, wonach archäologische Funde "dem König allein gehören und niemand anderem".

Danekrae-Status

Bisher erhielten über 500 Fossilien den Danekrae-Status. Alle registrierten Eingänge sind laufend durchnummeriert. Das gilt auch für die abgelieferten Funde, die nicht als Danekrae anerkannt wurden. So ist zu erklären, dass die höchste bisher vergebene Danekrae-Nummer bei etwa 600 liegt.

Etwa 60 Prozent aller Danekraes stammen vom Limfjord. Auf den nächsten Plätzen liegen Bornholm, Stevns Klint und Fakse.
Die Palette der zum Danekrae ernannten Funde umfasst Fische, Insekten, Saurier, Seeigel-Verwandte, Säuger, Zehnfußkrebse, Nautiliden, Vögel, Bernstein(-inklusen) und Pflanzen. Vom Kambrium bis zum Quartär sind alle Erdzeitalter vertreten. Die Finder sind naturgemäß hauptsächlich Dänen; aber auch einige deutsche und niederländische Sammler meldeten Funde ihrer Exkursionen nach Dänemark.

Finderlohn

Die Belohnung beträgt nach unserer Kenntnis meist zwischen 2.000 bis 10.000 Kronen. Man munkelt, dass in einem Ausnahmefall (ein Meteorit) auch weit über 100.000 Kronen gezahlt wurden. Nach dem aktuellen Wechselkurs entsprechen 7,5 dänische Kronen etwa einem Euro.

Danekrae in der Praxis

Um es gleich voranzustellen: alles hat seine Sonnen- und Schattenseiten - so auch das Danekrae-Verfahren. Aber wir sind (zugegebenermaßen) positiv voreingenommen, weil wir durchweg beste Erfahrungen gemacht haben.

Von den Wissenschaftlern in Kopenhagen wird der Finder mit Aufmerksamkeit und Anerkennung geradezu überschüttet. Das gilt für die Museen in Fur und Mors in gleichem Maße. Inzwischen haben sich persönliche, ja geradezu freundschaftliche Kontakte entwickelt.

Die wenigen unerfreulichen Dinge, die wir mit dem Verwaltungspersonal in Kopenhagen erlebt oder über die wir von anderen Sammlern erfahren haben, lassen wir beiseite, zumal die Probleme nach einiger Zeit stets ausgeräumt werden konnten. Das Danekrae-Verfahren - wie wir es persönlich erlebt haben - soll hier kurz geschildert werden:

Die Funde gaben wir meist im örtlichen Museum (in unserem Fall: Fur oder Mors) ab. Dort erhielten wir eine Bestätigung über den abgelieferten Fund. Das Fossil kam dann vom Museum aus nach Kopenhagen.

In anderen Fällen konnten wir erst nach der Präparation feststellen, dass der Fund eine Meldung wert war. Dann schickten wir per E-Mail ein Foto zum "Statens Naturhistoriske Museum" in Kopenhagen (Betreff: "Spörgesten" = Fragestein) und erhielten umgehend Antwort. Das Fossil schickten wir in diesen Fällen per eingeschriebenem Postpaket dorthin.

Der Fund wurde dort zunächst durch einen Experten gesichtet und schriftlich begutachtet. Dieses Gutachten wurde dann der Naturhistorischen Referenzgruppe vorgelegt. Diese tritt sporadisch, meist mehrmals im Jahr, zusammen und entscheidet über den Danekrae-Status der vorgelegten Funde.

Wissenschaftliches Gutachten

Nach der Anerkennung eines Fossils als Danekrae erhält der Finder ein Schreiben, das diese bestätigt und zusätzlich ein ausführliches wissenschaftliches Gutachten. Die Überweisung der Belohnung ging manchmal nicht ganz so zügig, aber wir Freunde der Paläontologie denken immer in größeren Zeiträumen.

Nicht jedem Sammler fällt es leicht, gerade seine besten Fossilien einem Museum zu überlassen. Aber auch aus dem Steinkern.de-Forum wissen wir, dass viele leidenschaftliche Sammler sich dennoch - sicherlich oft schweren Herzens - von besonderen Funden trennen und diese an Wissenschaftler oder Museen übergeben.

Zusammenarbeit mit der Wissenschaft

Auch wir beide sehen in unserem schönen Hobby die Möglichkeit als Privatsammler auch der Wissenschaft zu dienen. Gerade die bedeutsamen Funde sind besser im Museum aufgehoben, wo sie der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, als in unserer privaten Sammlung.
Eine Sternstunde in unserem Sammlerleben erfuhren wir im Zusammenhang mit dem Bericht der Yale-Universität über die Farberhaltung auf "unserem" Vogelkopf (siehe Ansichtssache). Diese Freude hätten wir nie verspürt, wenn dieses nur drei Zentimeter große Fossil in einer unserer Vitrinen schlummern würde. (Der Steinkern, Heft 9, gekürzte Fassung für derStandard.at, 5.5.2012)

Solveig und Karsten Witteck, Jahrgang 1945 und 1944, pflegen ihr gemeinsames Hobby seit über 25 Jahren. Sie sammeln hauptsächlich am Limfjord, aber auch an anderen dänischen Fundorten. Daneben gilt ihr Interesse dem Geschiebe und der Kreide Norddeutschlands. Weitere Exkursionen führen sie zu Fundstellen in England und Schweden. Sie sind seit einigen Jahren im Ruhestand und haben so ausreichend Zeit, ihrer Sammelleidenschaft nachzugehen.


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2 Postings
Echt cool wäre

ein gut erhaltenes Fossil in einem Meteoriten zu finden

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