Nicht nur Nutella täuscht

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Die Werbung für ungesunde Lebensmittel gehört streng geregelt – und vielleicht überhaupt verboten

Was immer man von amerikanischen Sammelklagen hält – das erfolgreiche Verfahren gegen Nutella in Kalifornien ist ein Meilenstein im Kampf gegen Übergewicht und Diabetes, der auch in Europa Schule machen sollte.

Eine kalifornische Mutter hat Nutella-Hersteller Ferrero verklagt, weil sie sich durch die Werbung irrgeführt gefühlt hat, dass der Schoko-Haselnussaufstrich ein gesundes Frühstück für ihre Kinder ist.

Nun könnte man sagen, jeder halbwegs intelligente Mensch müsste eigentlich wissen, dass Nutella aus einer reinen Fett- und Zuckermischung besteht und zwar verlockend süß, aber sicher nicht gesund ist.

Allerdings: Mit seiner Werbung und seinen Aufschriften versucht Ferrero genau den gegenteiligen Eindruck zu vermitteln, und verfügt dafür über ein millionenschweres Werbebudget.

Deshalb wurde Ferrero auch in einem typischen amerikanischen „Class Action Suit“ zu Recht zu einer Zahlung von bis zu drei Millionen Dollar verurteilt – vier Dollar pro gekauftem Nutella-Glas und bis zu 20 Dollar pro Kläger.

Nun: Dieses Urteil wird keinen Nutella-Konsumenten reich machen und Ferrero auch nicht arm. Aber es hat bereits zu einer Änderung der Werbelinie in den USA beigetragen.

Das ist ein erster Schritt, aber nicht genug. Fast die gesamte Lebensmittelbranche bedient sich einer einzigen großen Täuschung: dass ihre Produkte grundsätzlich besonders gesund und wertvoll sind. Doch fast alle verarbeiteten Lebensmittel haben einen viel zu hohen Anteil von Zucker, Salz und gesättigte Fettsäuren oder gar die besonders schädlichen Transfette.

Es gibt hier eine einfache Faustregel: Das, was im Fernsehen beworben wird, ist grundsätzlich nicht gesund – und das gilt auch für viele Bioprodukte. Und was sich an Kinder richtet, schon gar nicht. Denn diese greifen besonders leicht von ungesunden Produkten angezogen.

In Österreich wirbt Nutella auf witzige Weise damit, dass ÖFB-Fußballer sich beim Frühstück darum reißen. Auch das richtet sich an Jugendliche – und ist ganz offensichtlich irreführend: Das süße Zeug baut weder Muskel auf noch hält es lange satt. Es ist einfach ungesund und zumindest psychologisch süchtig machend.  

Nun ist Übergewicht und Diabetes II eines der großen und rasch wachsenden Gesundheitsprobleme unserer Zeit – vor allem bei Kindern. Es liegt an Eltern zu entscheiden, was sie ihren Kindern zu Essen geben, und je älter die Kinder werden, desto mehr entscheiden sie es selbst.

Auch wenn es für die Volksgesundheit nützlich wäre, kann der Staat hier nur wenig eingreifen. Informationskampagnen sind, selbst wenn sie gut gemacht sind, meist nutzlos.

Und auch eine Fettsteuer, wie sie in Dänemark eingeführt und in anderen Ländern erwogen wird, ist ein wenig effektives Mittel. Denn selbst wenn Süßigkeiten, Soft Drinks und andere Junk Food teurer werden, wird die Jugend nicht zu Äpfel und Brokkoli greifen.

Aber eines kann der Staat tun: Irreführende Werbung rigoros untersagen. Da darf es nicht nur um falsche Gesundheitsversprechen gehen, wie sie etwa von Jogurt-Herstellern gemacht werden.

Die ganze Vermarktungskultur von fettmachenden Süßigkeiten gehört streng reguliert, mit strikten Auflagen für die Kennzeichnung bis hin zu Warnaufschriften wie bei Zigaretten.

Und möglicherweise sollte Werbung für ungesunde Lebensmittelprodukte überhaupt verboten werden, denn diese ist per Definition irreführend, so wie es Tabakwerbung einst war.

Dies wäre ein maßvoller Eingriff in wirtschaftliche und persönliche Freiheiten. Niemand kann gezwungen werden, gesund zu essen. Aber jeder hat das Recht zu erfahren, was er – und seine Kinder – wirklich zu sich nehmen.   

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