Wie Nokia vom Marktführer zum Ramschkandidaten wurde

Zögerliche Reaktion auf iPhone-Start und Festhalten an Symbian wirkten sich negativ aus

Nokia kommt immer mehr ins Straucheln. Nachdem Samsung den finnischen Hersteller vom Smartphone-Thron gestoßen hat, stufte am Freitag nun auch Standard & Poor's Nokias Rating auf das Ramsch-Niveau BB+/B hinunter - der WebStandard berichtete

Als einstiger Pionier stellte Nokia im Jahr 2002 die Nutzerobfläche S60 vor. Im Jahr 2007, als Apples iPhone das Licht der Welt erblickte, wurde das Wesen eines Smartphones mit Touchscreen und Apps neu definiert.

Reaktion zu zögerlich

Die Symbian-Plattform verstaubte und entwickelte sich - im Gegensatz zu iOS und später auch Android - zu langsam. "Apple hat der Industrie mit dem iPhone gezeigt, wie ein Smartphone sein soll", sagte IHS-Analyst Wayne Lam gegenüber Wired. Nokias Reaktion auf das iPhone sei zu zögerlich gewesen. Die Finnen hätten schon vor 2011 auf Windows Phone setzen sollen und leiden nun am mangelnden Vertrauen.

Samsung sprang rasch auf den Smartphone-Zug auf, hatte aber auch den Vorteil, bei Null zu beginnen. Nokia hingegen wollte sich von seiner bis dato erfolgreichen Plattform nicht verabschieden, wie auch RIM mit Blackberry OS. Es sei viel schwieriger auf Veränderungen im Markt zu reagieren als neu durchzustarten, so Lam.

Beharrlicher Fokus auf Symbian

Aber nicht nur die rasche Reatkion auf das iPhone verschaffte Samsung einen gehörigen Schub. Dass der Konzern auf verschiedene Plattformen wie Android, Windows Phone und schließlich auch die hauseigene Bada setzte, machte sich bezahlt. Vor allem aber Googles Android zahlte sich aus. Und das zum richtigen Zeitpunkt, sodass Samsung zum führenden Player im Androidumfeld wurde.

Nokia hingegen beharrte weiterhin auf einer Weiterentwicklung von Symbian und ging schließlich eine Kooperation mit Microsoft ein. Von den Lumia Windows Phones hat Nokia allerdings noch nicht großartig profitiert, wie die Zahlen des ersten Geschäftsquartals belegen. Experten zufolge ist es eine gute Partnerschaft, die aber viel zu spät erfolgte.

Überholt

Auch im Low-End-Markt hat es der finnische Hersteller verabsäumt, sich gegen Konkurrenten wie HTC, Huawei und ZTE durchzusetzen, die sich unter anderem auf den China-Markt stürzten. Im High-End-Markt schickte Samsung mit seiner Flaggschiff-Linie der Galaxy S Android-Smartphones ins Rennen und dem iPhone respektable Wettbewerber zur Seite. Ähnlich wie Apple hat auch der südkoreanische Konzern seine Smartphones geschickt vermarktet und lässt die Konsumenten jedes Jahr in großer Spannung auf einen Nachfolger warten.

Das klassische Nokia-Handy löst bei vielen Konsumenten eher nostalgische Gefühle aus. Nostalgie ist aber mehr ein Problem als ein Pluspunkt - zumindest in innovativen Märkten. Die Marke wird mit einer anderen Technologie-Ära assoziiert, hat zu wenig Elan und verblasst in einer Gegenüberstellung mit der Konkurrenz.

Harte Zeiten

Es ist nicht gesagt, dass Nokia beim Comeback mit Microsofts Windows Phone scheitert. Langfristig können beide Unternehmen von der Partnerschaft profitieren. Momentan stehen Nokia aber harte Zeiten bevor. (ez, derStandard.at, 28.4.2012)

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