Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
vergrößern 800x296"Wenn der reden könnte", sagt Peter Coeln über diesen Tisch, der einst als Konferenztisch im Wiener Haus der Industrie seinen Dienst tat.
Der Foto-Enthusiast und WestLicht-Museumschef Peter Coeln bewohnt den ersten Stock einer ehemaligen Fabrik im 7. Wiener Bezirk. Michael Hausenblas besuchte ihn.
"Ich wohne jetzt seit 18 Jahren hier. Hier, das heißt in einer ehemaligen Glasfabrik aus dem Jahre 1954. Das Gebäude steht in einem, sagen wir Hinter-Hinter-Hof, wo es extrem ruhig ist. Unter der Wohnung liegt das Fotomuseum WestLicht und daneben der Leica-Shop. Das heißt, ich fahre nicht mit dem Auto, sondern mit dem Lift zur Arbeit. Klar fällt das Abschalten schwerer, wenn man es so nahe zur Arbeit hat. Aber vielleicht will ich auch gar nicht abschalten.
Apropos runterkommen: Direkt an die Wohnung schließt ein 400 Quadratmeter großer, selbst angelegter Dachgarten an. Das entspricht auch ungefähr der Größe der Wohnung. Der Garten mit seinem Wintergarten, den ein altes Industrie-Glashaus überdacht, ist das Herzstück von all dem hier. Der Garten ist wie die Wohnung: wild. Zweimal pro Jahr kommt eine Gärtnerin, das war's. Er muss nur bewässert werden. Den Rest besorgt sich die Natur selbst. Das ist gut so. Nichts würde mich mehr belasten als etwas, das viel Pflege braucht.
Natürlich ist so viel Platz mitten in der Stadt ein wunderbarer Luxus. Den Platz brauche ich auch für all mein Klumpert. Außerdem ist es nicht so, dass ich hier nur wohne. Erstens sind meine beiden schon großen Kinder immer wieder hier, zweitens bewirte ich sehr gern viele Gäste, und drittens finden hier oft Besprechungen mit Mitarbeitern statt. Also ich sperre mich hier nicht ein, und penibel bin ich auch nicht. Dieser Open-house-Gedanke ist mir sehr wichtig. Das ist Teil meines Lebens. Gäste zu haben, also die Kommunikation in einem privaten Raum, ist anders als im Wirtshaus, wobei ich auch ein leidenschaftlicher Wirtshausgeher bin. Außerdem fische ich sehr gern, und wenn ich einen wirklich großen Fisch gefangen habe, gibt's gleich ein Essen für Freunde.
In der Wohnung herrscht kein architektonisches Konzept. Der braune, alte Schiffsboden war ursprünglich Schwarz. Den haben wir 16-mal abgeschliffen. Von den Wänden haben wir den Putz entfernt, und der Rest ist mit der Zeit hereingewachsen. Das war auch alles nicht teuer.
Der wilde Mix aus all den Dingen, der hier herrscht, entspricht meinem Leben. Vieles hab ich ganz zufällig gefunden. Da gibt es zum Beispiel diesen riesigen Tisch mit seinen 22 Sesseln, der einst als Besprechungstisch im Haus der Industrie diente. Ein Freund hat mich angerufen und gemeint, er hätte den perfekten Tisch für mich. Der hätte vielleicht was zu erzählen, wenn er reden könnte! Das englische Motorrad vor dem Bücherregal hab ich aus dem Polytechnischen Museum in Moskau. Völlig absurd. Es ist Baujahr 1914 und war für das russische Grüne Kreuz im Einsatz. Das Bücherregal dahinter musste extra mit einem Kran in die Wohnung gehievt werden. Als Arbeitstisch nütze ich den Vorstandstisch einer schottischen Flugzeugfirma von 1946. Dabei suche ich diese Dinge gar nicht. Sie fliegen mir zu.
Meine Leidenschaft für das Sammeln von Fotografie begann auch auf diese Weise. Genauer gesagt mit einem großen Bild von Tracey Moffatt, das ebenfalls hier hängt. Wir haben es auf der Kunstmesse in Basel entdeckt. Das ist jetzt 18 Jahre her - mein erstes Foto. Mittlerweile ist es eine Ikone der Fotografie, die ich damals für gerade einmal 1500 Dollar gekauft habe. Dabei hab ich Kunst oder Fotos nie spekulativ gekauft. Fotos müssen mich einfach anspringen, so wie all die anderen Dinge. Bei diesem Bild hat sich auch meine Wahrnehmung nie verändert. Das spricht für das Foto. Es ist ein absoluter Fixstern, keine Sternschnuppe.
Ich finde nicht, dass Besitz belastet - nicht in meinem Fall. Diese Dinge sind ja nur Einrichtung, und die Wohnung ist gemietet." (Michael Hausenblas, DER STANDARD, 28./29.4.2012)
Peter Coeln wurde 1954 in Linz geboren. Er studierte Fotografie an der Graphischen Bundes Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Unter anderem eröffnete er 1991 den ersten Leica Shop in Wien, gründete 1994 die Rare Camera Company in London und eröffnete 2001 das Fotomuseum Westlicht in Wien. Er führt das weltweit größte Auktionshaus für Kameras. Am 4. Juni eröffnet die Galerie Ostlicht in der ehemaligen Ankerbrotfabrik und für Ende Juni ist die Eröffnung des Leica-Stores in der Wiener Walfischgasse 1 geplant.
Links
Barbara Schlachter, Obfrau des Vereins Famos, lebt mit Lebensgefährtin und Sohn in ihrer umgebauten ehemaligen Studenten-WG
Nicolaus Schafhausen, Direktor der Kunsthalle Wien, hat seine Wohnung im 2. Bezirk gemietet, ohne sie vorher gesehen zu haben
Der Wiener Künstler Lois Weinberger besitzt eine Loftwohnung im siebten Bezirk, sieht darin aber hauptsächlich eine finanzielle Absicherung
Die Malerin Ursula Hübner lebte früher in einer partyfreudigen Künstler-WG in Wien-Mariahilf. Heute wohnt sie hier alleine und findet das mittlerweile herrlich
Martin Kotal, künstlerischer Leiter der Roten Nasen, wohnt auf 56 m² in der Martinstraße, liebt Koffer und hat bei Ikea Hausverbot
Kunstpfeifer Stefan Fleischhacker wohnt im dritten Wiener Bezirk auf 220 Quadratemetern, hätte aber gerne "ein altes Haus in einem Park mit einer Mauer drumherum"
Peter Pakesch, Geschäftsführer und künstlerischer Leiter des Grazer Universalmuseums Joanneum, bewohnt mit seiner Familie ein umgebautes Kellerstöckl
Beate Ermacora, die Direktorin der Galerie im Taxispalais, lebt nach vielen Jahren im Ausland nun wieder in ihrer Heimatstadt Innsbruck
Annette Beaufaÿs, Chefkostümbildnerin an der Wiener Staatsoper, ist viel unterwegs. Ihre Homebase ist eine Mietwohnung im Servitenviertel
Ari Rath hat gerne "zweckmäßige, nicht zu moderne" Möbel. Im zweiten Wiener Bezirk fühlt er sich manchmal "wie auf einem Friedhof"
Erika Pluhar zog vor 45 Jahren als Mieterin in ein Haus in Grinzing. Heute gehört es ihr - und sie will es im Leben nicht mehr hergeben
Modedesignerin Annette Lutz wohnt mit ihrer Familie in einem Wohn- und Atelierhaus hoch über dem Bodensee. Einige Tiere des Waldes sind quasi Mitbewohner
Miguel Herz-Kestranek ist es bewusst, dass er privilegiert wohnt - "aber ich weiß nie, wie lange ich es mir leisten kann", sagt er im Wohngespräch
Florian Kloidt, der erste Probebewohner der Seestadt Aspern, kann sich das zukünftige Stadtviertel noch nicht so richtig vorstellen
Der französische Künstler Sébastien de Ganay lebt mit seiner Familie in einer aufgelassenen Radiostation in Bad Deutsch-Altenburg
Dragqueen Miss Candy alias Holger Thor mag es, "wenn's ein bissl patiniert und abgefuckt ist, wenn die Tapeten Geschichte erzählen"
Für den Wiener Filmemacher und Schauspieler Peter Kern ist Wien "die schlimmste Stadt auf Erden überhaupt"
Der Musiker George Nussbaumer ist von Geburt an blind. Die Dinge in seinem Bregenzerwälder Haus müssen deshalb immer am selben Platz sein
Theodor Vanicek, Geschäftsführer des Heimtextilausstatters "Zur schwäbischen Jungfrau", kannte Transdanubien gar nicht, bevor er nach Wien-Aspern zog
Schauspielerin Dorothee Hartinger lebt ohne Radio und Fernsehgerät in einer Erbpachtwohnung im achten Wiener Bezirk
Verfassungsjurist Heinz Mayer wohnt mit seiner Frau am Stadtrand von Mödling. Auf dem Grundstück hatte er einst schon als Kind gespielt
Die Zukunftsforscher Matthias Horx und Oona Strathern lieben Hightech-Geräte - aber nur, wenn sie sinnvoll sind
Autorin und Zeichnerin Andrea Maria Dusl wohnt in einer Wiener Biedermeier-Wohnung, hätte aber gerne eine Flugzeughalle
Die Schriftstellerin Vea Kaiser wohnt in einer kleinen Wohnung in Wien-Neubau, wo ihr langsam der Platz ausgeht. In der Gegend fühlt sie sich wie in einem kleinen Dorf
Kidane Wodajo Korabza, Priester im Seelsorgeraum Weer in Tirol, hat im Gemeindehaus eine "fixfertig möblierte" Wohnung samt "Bibel-Eck"
Ist die Maschine ev. eine New Hudson?
http://www.flickr.com/photos/59... 860085288/
Herr Coeln, Sie wohnen wirklich lässig, ganz große Klasse.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.