Der Dalai Lama und die gemischten Gefühle der Politik

Für einige Politiker fällt der Österreich-Besuch des Dalai Lama etwas unpassend mit einer China-Reise zusammen - Der Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) überschlägt sich hingegen vor Vorfreude

Wien/Klagenfurt - Ab Mitte Mai wird Friedensnobelpreisträger Tendzin Gyatsho, besser bekannt als Dalai Lama, Österreich einen fast zweiwöchigen Besuch abstatten. Mit offenen Armen empfängt das geistige Oberhaupt der buddhistischen Tibeter allerdings nicht jeder.

So hat Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) partout an jenem Tag, für den sie eine Einladung zu einem Treffen erhalten hat, schon einen anderen Termin. Eine weitere Anfrage gebe es nicht, daher auch kein Treffen. Ob vielleicht demnächst eine Reise nach China anstehe? " Könnte sein", erinnert sich Prammers Sprecher nicht ohne Zögern. Eine offizielle Einladung von Chinas Staatspräsident Hu Jintao liege vor, allerdings gebe es noch keinen Termin.

In Salzburg, wo der Dalai Lama am 21. Mai zum Thema "Weltfrieden und universelle Verantwortung" referieren soll, wird es keinen offiziellen Empfang geben. Es handle sich schließlich um den Besuch eines Religionsführers, nicht eines Staatsoberhauptes. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) wird ihn jedenfalls am Flughafen begrüßen und die Veranstaltung eröffnen. Burgstaller hat es eventuell auch leichter als Prammer: Ihr China-Besuch liegt schon ein paar Wochen zurück.

Feuer und Flamme ist hingegen Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK), der anlässlich des Besuchs seiner Heiligkeit gleich eine Pressekonferenz in Wien abhielt, gemeinsam mit dem Direktor des Kärntner Tibetzen-trums Geshe Tenzin Dhargye.

Über das Parteiprogramm der FPK, etwa zu ihrer umstrittenen Haltung in Fragen der Asylpolitik, will sich der Mönch, 2012 noch Ehrengast Dörflers am "Ball des Kärntner Landeshauptmannes", nicht äußern. Dörfler umgekehrt sagt, er wisse sehr viel über den tibetischen Buddhismus und las während der Pressekonferenz immer wieder aus dem Dalai-Lama-Kalender vor. Er selbst sei "allen Menschen und Religionen gegenüber offen", wolle aber keine Kreuzzüge in seinem Land.

Wer den Dalai Lama live erleben möchte, muss tief in die Tasche greifen: Bis zu 200 Euro kostet eine Karte für seinen Auftritt in Wien. Das Land Kärnten und die Stadt Klagenfurt fördern den Organisator, das Tibetzentrum, mit weiteren 90.000 Euro.

Skandale um Tibetzentrum

Das mittlerweile skandalträchtige Zentrum in Hüttenberg sollte nach dem Willen des verunfallten freiheitlichen Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider ein "Leuchtturm-Projekt" Kärntens werden. Ursprünglich waren eine tibetische Medizin-Universität samt Klosterhotel geplant. Als Errichter und Betreiber war zunächst der Kärntner Tycoon Robert Rogner vorgesehen.

2006 legten der Dalai Lama und Haider den Grundstein. Mehrmals zuvor hatte der Dalai Lama in Hüttenberg seinen "Jugendfreund", den umstrittenen Bergsteiger Heinrich Harrer, besucht, der das Tibet-Projekt mit dem damaligen SPÖ-Bürgermeister Rudolf Schrat-ter unterstützte. Doch Haider hatte andere Pläne: Rogner wurde ausgebootet, Schratter abgewählt.

Endgültig in die Negativschlagzeilen geriet das Tibetzentrum, nach dem bekannt wurde, dass Kärntens FPK-Chef Uwe Scheuch den russischen Investoren des 20-Millionen-Euro-Projekts rasche Einbürgerungen gegen eine saftige Parteispende angetragen hatte. Nachdem es mit der Einbürgerung doch nicht so klappte, tauchten die Russen ab und drohten saftige Schadenersatzklagen an. Übrig blieb vorerst eine Tibet-Hotel GmbH.

Jetzt will der Jugend- und Familiengästehaus-Betreiber Jufa ein "Ersatz-Tibetzentrum" mit rund 150 Betten bauen. Jufa und das Land Kärnten wollen dafür 8,5 Millionen Euro investieren.

Von der tibetischen Medizin-Uni, an der uraltes Kräuterwissen der Tibeter gelehrt werden sollte, blieben nur einige Lehrgänge übrig. (Julia Herrnböck/Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 28./29.4.2012)

WISSEN

"Das Nichtwahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nichtexistenz", ist sich Tenzin Gyatso sicher.

Und anders als bei seinem aktuellen Besuch, wurde der Dalai Lama in der Vergangenheit auch von Österreichischen Politikern wahrgenommen. 1992 etwa hat ihn der damalige Salzburger Landeshauptmann Hans Katschthaler (ÖVP) persönlich vom Flughafen abgeholt. Treffen mit Bundespräsident Thomas Klestil, Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) und weiteren Regierungsmitgliedern folgten. 2002 trafen ihn die steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic und die frühere Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (beide ÖVP) in Graz, der ehemalige Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (damals noch FPÖ) posierte in Hüttenberg vor den Kameras.

2006 erfolgte dann ebendort die Grundsteinlegung für das Tibet-Zentrum unter der Anwesenheit von Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach, Ex-Justizministerin Karin Gastinger (beide BZÖ) und Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP).

Der Dalai Lama lebt seit der blutigen Niederschlagung des tibetischen Volksaufstandes im Jahr 1959 mit mehr als 100.000 Landsleuten im indischen Exil. Er wirft China schwere Menschenrechtsverstöße wie Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen vor und fordert echte Autonomie. (riss, DER STANDARD, 28./29.4.2012)

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