Der Dalai Lama und die gemischten Gefühle der Politik

Julia Herrnböck/Elisabeth Steiner
28. April 2012, 18:51

Für einige Politiker fällt der Österreich-Besuch des Dalai Lama etwas unpassend mit einer China-Reise zusammen - Der Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) überschlägt sich hingegen vor Vorfreude

Wien/Klagenfurt - Ab Mitte Mai wird Friedensnobelpreisträger Tendzin Gyatsho, besser bekannt als Dalai Lama, Österreich einen fast zweiwöchigen Besuch abstatten. Mit offenen Armen empfängt das geistige Oberhaupt der buddhistischen Tibeter allerdings nicht jeder.

So hat Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) partout an jenem Tag, für den sie eine Einladung zu einem Treffen erhalten hat, schon einen anderen Termin. Eine weitere Anfrage gebe es nicht, daher auch kein Treffen. Ob vielleicht demnächst eine Reise nach China anstehe? " Könnte sein", erinnert sich Prammers Sprecher nicht ohne Zögern. Eine offizielle Einladung von Chinas Staatspräsident Hu Jintao liege vor, allerdings gebe es noch keinen Termin.

In Salzburg, wo der Dalai Lama am 21. Mai zum Thema "Weltfrieden und universelle Verantwortung" referieren soll, wird es keinen offiziellen Empfang geben. Es handle sich schließlich um den Besuch eines Religionsführers, nicht eines Staatsoberhauptes. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) wird ihn jedenfalls am Flughafen begrüßen und die Veranstaltung eröffnen. Burgstaller hat es eventuell auch leichter als Prammer: Ihr China-Besuch liegt schon ein paar Wochen zurück.

Feuer und Flamme ist hingegen Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK), der anlässlich des Besuchs seiner Heiligkeit gleich eine Pressekonferenz in Wien abhielt, gemeinsam mit dem Direktor des Kärntner Tibetzen-trums Geshe Tenzin Dhargye.

Über das Parteiprogramm der FPK, etwa zu ihrer umstrittenen Haltung in Fragen der Asylpolitik, will sich der Mönch, 2012 noch Ehrengast Dörflers am "Ball des Kärntner Landeshauptmannes", nicht äußern. Dörfler umgekehrt sagt, er wisse sehr viel über den tibetischen Buddhismus und las während der Pressekonferenz immer wieder aus dem Dalai-Lama-Kalender vor. Er selbst sei "allen Menschen und Religionen gegenüber offen", wolle aber keine Kreuzzüge in seinem Land.

Wer den Dalai Lama live erleben möchte, muss tief in die Tasche greifen: Bis zu 200 Euro kostet eine Karte für seinen Auftritt in Wien. Das Land Kärnten und die Stadt Klagenfurt fördern den Organisator, das Tibetzentrum, mit weiteren 90.000 Euro.

Skandale um Tibetzentrum

Das mittlerweile skandalträchtige Zentrum in Hüttenberg sollte nach dem Willen des verunfallten freiheitlichen Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider ein "Leuchtturm-Projekt" Kärntens werden. Ursprünglich waren eine tibetische Medizin-Universität samt Klosterhotel geplant. Als Errichter und Betreiber war zunächst der Kärntner Tycoon Robert Rogner vorgesehen.

2006 legten der Dalai Lama und Haider den Grundstein. Mehrmals zuvor hatte der Dalai Lama in Hüttenberg seinen "Jugendfreund", den umstrittenen Bergsteiger Heinrich Harrer, besucht, der das Tibet-Projekt mit dem damaligen SPÖ-Bürgermeister Rudolf Schrat-ter unterstützte. Doch Haider hatte andere Pläne: Rogner wurde ausgebootet, Schratter abgewählt.

Endgültig in die Negativschlagzeilen geriet das Tibetzentrum, nach dem bekannt wurde, dass Kärntens FPK-Chef Uwe Scheuch den russischen Investoren des 20-Millionen-Euro-Projekts rasche Einbürgerungen gegen eine saftige Parteispende angetragen hatte. Nachdem es mit der Einbürgerung doch nicht so klappte, tauchten die Russen ab und drohten saftige Schadenersatzklagen an. Übrig blieb vorerst eine Tibet-Hotel GmbH.

Jetzt will der Jugend- und Familiengästehaus-Betreiber Jufa ein "Ersatz-Tibetzentrum" mit rund 150 Betten bauen. Jufa und das Land Kärnten wollen dafür 8,5 Millionen Euro investieren.

Von der tibetischen Medizin-Uni, an der uraltes Kräuterwissen der Tibeter gelehrt werden sollte, blieben nur einige Lehrgänge übrig. (Julia Herrnböck/Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 28./29.4.2012)

WISSEN

"Das Nichtwahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nichtexistenz", ist sich Tenzin Gyatso sicher.

Und anders als bei seinem aktuellen Besuch, wurde der Dalai Lama in der Vergangenheit auch von Österreichischen Politikern wahrgenommen. 1992 etwa hat ihn der damalige Salzburger Landeshauptmann Hans Katschthaler (ÖVP) persönlich vom Flughafen abgeholt. Treffen mit Bundespräsident Thomas Klestil, Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) und weiteren Regierungsmitgliedern folgten. 2002 trafen ihn die steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic und die frühere Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (beide ÖVP) in Graz, der ehemalige Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (damals noch FPÖ) posierte in Hüttenberg vor den Kameras.

2006 erfolgte dann ebendort die Grundsteinlegung für das Tibet-Zentrum unter der Anwesenheit von Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach, Ex-Justizministerin Karin Gastinger (beide BZÖ) und Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP).

Der Dalai Lama lebt seit der blutigen Niederschlagung des tibetischen Volksaufstandes im Jahr 1959 mit mehr als 100.000 Landsleuten im indischen Exil. Er wirft China schwere Menschenrechtsverstöße wie Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen vor und fordert echte Autonomie. (riss, DER STANDARD, 28./29.4.2012)

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"Das Nichtwahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nichtexistenz"

...bin neugierig, ob der Lama das auch noch sagt, wenn ihm der Scheuch eine gescheuert hat...denke, die Tachtel von Uwe wird er wohl wahrnehmen...

Zum Beispiel die Aussenwelt,

deren Existenz geleugnet wird, weil nicht aus sich selbst heraus existierend.D.h. Was man erfolgreich kaputt gemacht hat , hat auch nie existiert....
Und "Tetschn" gehören bei den Tibetern zu den karmologisch höchst wertvollen Erziehungs- Methoden. Um schlechtes Karma aus dem früheren Leben abzubauen und vorallem der Ansammlung schlechten Karmas bei den Kindern vorzubeugen. Die abenländischen Lamas haben da doch z.T. ein bischen Mühe mit dieser "schwarzen Pädagogik"

Der Spiegel der Geschichte

Gott, Fürst und Vater-Land und "die Nudelsuppe des Kaisers". Wer nur hält das für "die andere Demokratie"?
Dalai Lama mirror , an error

Ein Mensch, der sich als Gottheit behandeln lässt

und das nicht selbst zutiefst lächerlich findet, sollte keine Führungsrolle bekommen.
Aber vielleicht ist das genau der Grund, warum er immer so selig grinst.

es zeigt sich wieder mal: verfolg zu werden allein ist noch kein qualitätsmerkmal

Lama-Sex mit Schülerinnen...

... ist in mehrer Hinsicht sehr wohl als Problem zu betrachten, auch im tibetischen Buddhismus. Wenn zölibatere Yogis geheime tantrische Praktiken vollziehen müssen, um die höchste Form der Realisierung ( vollkommene Buddhaschaft) erlangen zu können, wie es heißt, und sie dazu sexuelle Beziehungen zu geheimen Gefährtinnen haben, so ist das zumindestens eine Vortäuschung falscher Tatsachen. Wie es June Campbell , die zuerst die Übersetzerin von verschiedenen Lamas war, als geheimen Gefährtin des über 70 jährigen hoch angesehen Mönchs Kalu Rinpoche ergangen ist, ist in einem interessanten Interview mit Tricycle ( tibetische Zeitschrift) nachzulesen.

http://buddhismandcriticism.blogspot.com/2012/04/e... -with.html

Der Tibetische Buddhismus wird auch Tantrayana Buddhismus genannt

Was weiß man eigentlich über den tantrischen Buddhismus? Der Kern dieses religiösen Kultes sind die sexualmagischen Rituale der Yogis. Die Mönchselite aus dem Schneeland praktizieren Frauenopferrituale im Imaginären. Was sie im übrigen auch gar nicht bestreiten..
Aber was genau sind diese Rituale?
Nachzulesen in dem Buch von Bruno Waldvogel-Frei, Und der Dalai Lama lächelte,
Wie auch im Buch Der Schatten des Dalai Lama, Sexualität, Magie und Politik im tibetischen Buddhismus,
http://www.trimondi.de/front.html
oder in June Campbell's Buch , Von Göttinnen, Dakinis und ganz normalen Frauen, auf der Suche nach weiblicher Identität im tibetischen Buddhismus

Das ist sicher wahr, was sie schreiben, nur, es ist nur ein Teil der Wahrheit, ein kleiner Teil.
Sexuellen Mißbrauch gibt es auch bei buddhistischen Lehrern, wie bei fast allen Religionen und Institutionen. Das soll man zwar ernst nehmen und bekämpfen, aber auch nicht so überbewerten, in dem man alles andere, die guten Seiten, gar nicht mehr zu sehen will.

Seit den 70er Jahren ist der tibetische Buddhismus im Westen missionarisch aktiv und in einem Zeitraum von über 40 Jahren hat sich erstaunlicherweise kein nennenswerter kritischer Diskurs entwickelt.
Wenn man allerdings weiß wie die Lamaisten mit Kritik und Kritikern umzugehen pflegen, wundert einen das gleich viel weniger.
Einige kritische Bücher und Websites gibt es dennoch!!!
http://buddhismandcriticism.blogspot.com/

@http://buddhismandcriticism.blogspot.com/

Aha, Lama Ole Nydahl hat also Sex mit vielen seiner Schülerinnen. Naja, das ist aber wahrlich kein Geheimnis. Und weder illegal noch sonst irgendwie ein Problem.

stimmt, es gibt ja auch keinerlei machtgefälle zwischen "spirituellen meistern" und schüler/innen. die stehen sicher alle auf ihn weil er als 71-jähriger so attraktiv ist als lover.

Jammerschade

Das die Nationalratspräsidentin so gar keine Zeit hat.
Ansonsten ist sie ja überall, wo es um Menschenrechte, Demokratie und politische Correctness geht.

Aber Tibet ist ein bißchen zu heiß, wenn ein Chinabesuch bevorsteht.

Heinrich Harrer wird als umstritten bezeichnet. Was hat er eigentlich angestellt ? Daß poliischer Charakter eine sehr relative Sache ist, wird durch den Terminkalender von Frau Prammer deutlich

Wenn ich diesen

Dalai-koffer seh rollts mir die Zehennägel ein ...

Dabei hat der unter den saturierten und wohlstandsverwahrlosten Europäern viele Anhänger!

Ab einer gewissen Länge rollen sich alle Zehnnägel ein.

Schneiden hilft!

Der war gut :-)

"...den umstrittenen Bergsteiger Heinrich Harrer,..."

Was bitte ist am Hrn. Harrer so groß umstritten.? Es gibt da seine bergsteigerischen Leistungen und dann gibt's noch seine Mitgliedschaft bei div. NS Organisationen, wobei er da anscheinend nicht wirklich aktiv und die er als Fehler bezeichnet hat. Er wurde von allen Vorwürfen freigesprochen und selbst Simon Wiesenthal hat dies später unterstützt.
Das ist alles bekannt und inzwischen alles andere als umstritten, aßer vllt. in gewissen Kreisen selbstgefälliger PC Aposteln, die alle nach 45 geboren wurden.

Seine bersteigerischen Leistungen in allen Ehren... - Soll man jetzt nur, weil er als einer der wenigen offen bekannt hat, das seine NS-Vergangenheit nicht so toll war, behaupten seine Taten für das NS-Regime wären großartig gewesen?
Vielleicht hat er, im Unterschied zur breiten Masse, das NSDAP-Parteibuch nicht unter eine Schachtel gelegt, wo sich die SPÖ-Parteibücher befanden. - Er hat es vielleicht passenderweise verschwinden lassen - Toll... - Das macht aber seinen Verrat an Österreich und allen aufrechten Menschen in diesem Land nicht so einfach wieder wett. Er hat mit den Nazis kollaboriert und damit mit dem Feind.

Wie eine Religion, deren oberste Vorgabe "Mitgefühl mit allen Lebewesen" ist, und falls dies nicht möglich ist, ihnen wenigstens nicht zu schaden, die weder missioniert noch blinden Glauben verlangt, Leute zu derartigen Hasspostings veranlassen kann, ist nicht ganz einfach nachvollziehbar.

Wir haben seit den Hexenverbrennungen des Mittelalters offensichtlich wirklich wenig dazugelernt.

Zumindest scheint es Menschen zu geben, die nichts lernen möchten. Sonst könnte man manche Aussagen nicht verstehen.
Jene, die da laut sagen, dass China die Menschenrechte bringt, sollen das in Peking auf der Strasse sagen. Oder noch besser: In Tibet.
Dann sehen sie, wie viel Freiheit China gebracht hat.
Ich wünsche mir, dass in China und Tibet alle Menschen ihre Meinung sagen können, ohne um ihr Leben fürchten zu müssen.

Unterscheide mal zwischen dem was der tibetanische Buddhismus in seiner Geschichte getan hat, bzw. was er tut und zwischen dem was er in seiner Öffentlichkeitsarbeit erzählt.

Es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass an den hier wohl angesprochenen Fehltritten, der Buddhismus schuld ist. Es handelt sich eher um eine instrumentalisierte Abart davon.

Als Tatsache kann aber wohl gelten, dass mit der "Befreiung" durch China, in diesen Belangen nichts besser wurde. Ich bezweifle auch, dass die Menschenrechtssituation in Tibet im Fokus der chinesischen Regierung lag, als die Entscheidung für eine Annektierung viel.

Danke für den interesanten und informativen Film.
Allerdings, egal ob Tibet jetzt ein Teil von China ist, oder nicht, das allerwichtigste ist es, dass dort Menschenrechte eingeführt werden und die tibetische Kultur gelebt werden kann, so wie die Tibeter es möchten.

Ja Menschenrechte wären schon toll, die tibetische Kultur soll auch erhalten und gelebt werden... - Blos wenn dies eine barbarische theokratische Diktatur beinhaltet, dann muss man das halt ablehnen (so wie vor dem Einmarsch der Volksarmee). Wenn man sich halt ansieht, wie die Herrschaft der Lamas in Tibet vor dem Einmarsch der Volksarmee ausgesehen hat, so hat das weit weniger mit Menschenrechten zu tun, als das momentane chinesische Regierungssystem.

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