AUA-Vereinbarung droht am Veto der Mitarbeiter zu scheitern

Bei negativem Ausgang kommt der Betriebsübergang

Wien - Die Freude über die Beilegung des Streits zwischen AUA und Bord-Personal und der Verhinderung des Betriebsübergangs auf die billigere Tyrolean dauerte nicht lang. Denn wie es nach den ersten Informationsveranstaltungen aussieht, könnte die Abstimmung am Wochenende über die vorliegende Verhandlungslösung zwischen AUA und Betriebsrat negativ ausfallen. Ist das der Fall, leitet die AUA den (mit vielen rechtlichen Problemen behafteten) Betriebsübergang ein.

Die Abstimmungsmodalitäten für 2300 betroffenen Mitarbeiter sehen eine 75-prozentige Annahme bei den Kollektivvertrag-Alt-Mitarbeitern vor. Bei jenen in KV-Neu genügt eine einfache Mehrheit. Das Voting erfolgt im Internet mit Unterstützung von Ifes. Das Ergebnis soll am Montag bekannt gegeben werden. Es sei denn, die Abstimmung wird wegen des Zeitdrucks verschoben. Die AUA bestätigte, dass diese Option besteht, um mehr Zeit für die Information der Mitarbeiter zu haben.

Offene Details

Es geht wie so häufig um offene Details, die noch nicht bekannt sind. So sie u. a. die Teilzeitregelung für Mütter nicht akzeptabel, hieß es. Knackpunkt aber ist die Frage, ob die vereinbarte kollektivvertragliche Abfertigung tatsächlich nur mit sechs Prozent zu versteuern ist. Das wäre an sich der übliche Satz für eine Abfertigung, aber die AUA ist es ein Spezialfall, weil das Dienstverhältnis nicht beendet wird. Für den Anwalt der Betriebsrates, Roland Gerlach, ist es blamabel, dass es der Vorstand bisher nicht geschafft hat, den Mitarbeitern zu sagen, ob sie diese Abfertigung mit sechs, 35 oder 50 Prozent versteuern müssen. Vom Vorstand hieße es lediglich, "höchst wahrscheinlich sind es sechs Prozent", sagte Gerlach zum Standard. Da die Abfertigungszahlungen im Einzelfall bei KV-Alt bis zu 250.000 Euro ausmachen können, ist die Steuerhöhe eine zentrale Frage.

Unmut gibt es auch ob dem Wegfall der Überstundenbezahlung. Da sei es schon besser bei FlyNiki zu fliegen, klagen Piloten. Am vergangenen Mittwoch haben sich AUA und Betriebsrat auf ein Maßnahmenpaket geeinigt, dass zunächst nur in groben Zügen vorliegt. Wegen des Zeitdrucks wäre für viele eine Verschiebung der Abstimmung wünschenswert. Tyrolean hat für kommenden Mittwoch um 10 Uhr zu einer Betriebsversammlung am Flughafen Wien eingeladen. Mit Flugverspätungen muss gerechnet werden.

Die Lufthansa will 2013 mit einer neuen Airline starten, die aus der Fusion ihrer Töchter Germanwings und Eurowings entstehen soll. Bis 2015 sollten bis zu 90 Flieger in die neue Gesellschaft integriert werden. Für die Mitarbeiter im Cockpit, in den Kabinen und am Boden bedeutet die geplante Zusammenlegung von Germanwings und Eurowings schlechtere Tarifbedingungen bis hin zu Kündigungen. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 28./29.4.2012)

Share if you care