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Wien - Der angekündigte Machtwechsel via außerordentlicher Aktionärsversammlung blieb bis dato aus. Auch der avisierte Rausschmiss von Kapitalvertretern ist verschoben. Nun nimmt die dem Investor Ronny Pecik zurechenbare RPR Privatstiftung und ihr Investmentvehikel " Marathon Zwei" den ganz gewöhnlichen Weg in die Telekom Austria (TA).
Sie beansprucht gemäß Größe ihres Aktienpakets (offiziell gemeldet sind 20,119 Prozent) zwei Aufsichtsratsmandate: eines für Pecik, eines für den Telekom-Magnaten Naguib Sawiris.
Da der mit Abstand größte TA-Aktionär, die Staatsholding ÖIAG (28,24 Prozent), keine Anstalten machte, eines der von ihr nominierten acht Mandate freizugeben, wird der Aufsichtsrat auf zehn Kapitalvertreter vergrößert. Das ist laut Satzung der Telekom Formsache. Lässt aber auch andere Interpretationen zu. Etwa jene, dass die doch recht forsch auftretende neue Investorengemeinschaft es (noch) nicht geschafft hat, ausreichend Unterstützer für den angestrebten scharfen Kurswechsel in der TA zu finden.
Österreichische Lösung
Gut möglich aber auch, dass der Einzug in die TA in knapp vier Wochen schlicht eine typisch österreichische Lösung ist. Denn da die Großaktionäre ÖIAG und RPR abgestimmtes Verhalten strikt vermeiden müssen - selbst der Anschein kann ein Übernahmeangebot an alle TA-Aktionäre auslösen -, ist die am Freitag offiziell beantragte Aufstockung des TA-Aufsichtsrats der Weg des geringeren Widerstands. Beide Seiten können ihr Gesicht wahren, die Anwältin Edith Hlawati und Wilfried Stadler (ehemals Investkredit) dürfen im Gremium bleiben - sofern bis nächsten Mittwoch nicht weitere Anträge kommen.
Wie es in der vom Korruptionsskandal gezeichneten TA weiter gehen könnte, wenn Pecik und der ehemalige Orascom-Eigner Sawiris im TA-Aufsichtsrat sitzen: Das beschäftigt vor allem die politischen Eigentümervertreter im bürgerlichen Lager (die Sozialdemokraten sind sowieso gegen jeden weiteren Schritt Richtung Vollprivatisierung). Selbst in den Privatisierungen grundsätzlich positiv gegenüberstehenden Wirtschaftsverbänden herrscht Betriebsamkeit. Sie sind über ihre Abgesandten in Telekom- und ÖIAG-Aufsichtsrat präsent und loten - über Boten - mögliche nächste Schritte des Neo-Aktionärs aus. Das erklärte Ziel: Der Weiterverkauf des Viertelanteils soll nicht gegen die Interessen der Republik Österreich erfolgen.
Heißt auf gut Deutsch: Ein strategischer Investor muss her. Entriert wurde Telenor aus Norwegen. Auch Sawiris, sagen Kenner, wolle letztlich " die ganze Telekom". Russische Investoren wiederum hätten im ÖIAG-Aufsichtsrat prominente Fürsprecher, heißt es. Der ist freilich nicht zuständig, für den Staatsanteil gibt es weder Privatisierungsauftrag noch Verkaufslust. Mit einem Kurs von 8,3 Euro wäre ein Verkauf auch nicht attraktiv. "Verschenken wie einst die VA Tech sollten wir die Telekom keinesfalls", sagt ein ÖVP-Banker. Es gehe jetzt um Wertorientierung. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 28./29.4.2012)
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Doch zu allererst schützen sie wohl ihre eigenen, höchst lukrativen Positionen. MitarbeiterInnen und KundInnen kommen in diesen Debatten gar nicht vor. Wo sind eigentlich die sonst so lautstarken Verfechter der direkten Demokratie geblieben? Der Ausverkauf des Eigentums des österreichischen Volkes wäre einer Volksabstimmung wert. Aber hier verstummen sie genauso wie bei allen anderen Privatisierungskatastrophen -Austria Tabak, VA-Tech, BUWOG usw usw. Die angeblichen Saubermänner hoffen wahrscheinlich wieder auf fette Provisionen. Dafür kann das Volk schon auf der Strecke bleiben.
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