Der Sieger trägt Weiß

27. April 2012, 17:56
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Sehenswert: Im Wiener Theater Scala inszeniert Regisseur Bruno Max Shakespeares Klassiker "Antonius und Kleopatra"

Wien - Die Macht hat keine Farbe. Zumindest nicht in Bruno Max' Inszenierung von Shakespeares Antonius und Kleopatra im Theater Scala. Diese Tragödie handelt von der leidenschaftlichen Liebe zwischen der ägyptischen Königin und dem römischen Triumvir sowie den politischen Machtspielchen zwischen Marc Anton und seinem Triumvirats-Kollegen Octavius Caesar.

Das Stück ist quasi ein Medley aus Shakespeares Liebesthemen: Liebe und Leidenschaft hier, Macht und kühle Berechnung dort. Bruno Max bemächtigt sich der Inhaltsfülle durch eine klare Zeichnung der Räume: Ägypten, das Liebesnest, ist in seiner Inszenierung in schummriges, warmes Licht getaucht, die Farben sind krachend und bunt. Rom, die Machtzentrale, kennt nur Schwarz und Weiß: Vertikale Lichtstreifen tauchen das Dunkel der restlichen Bühne in ein gleißendes Licht (Bühne: Bruno Max, Marcus Ganser). Octavius Caesar, der am Ende als Sieger hervorgehen wird, trägt einen strahlend weißen Anzug (Kostüme: Alexandra Fitzinger).

Thomas Groß' Caesar ist eine Schau. Sein Gesicht, sein Körper zeigen nur wenig, genau abgemessene Bewegung. Immer aber meint man einen maliziösen Zug um seine Lippen spielen zu sehen, als arbeite er im Kopf pausenlos an irgendeiner Taktik. Alexander Rossi gibt neben diesem berechnenden Polit-Psychopathen den virilen Lebemann. Bei diesem Marc Anton ist der Kopf nicht Herr über den Körper, und während Caesar beängstigend undurchschaubar bleibt, spiegelt sich bei ihm jede Empfindung, jede Überlegung am Körper wider.

Kleopatra (Melanie Waldbauer) steht ihm an Leidenschaft nicht nach und verliert in divenhafter Wankelmütigkeit bisweilen völlig den Verstand. Gemeinsam mit dem großen, durchwegs starken Ensemble (zu nennen sei hier noch Michael Reiter) machen diese drei aus den etwas mehr als zwei Stunden einen absolut sehenswerten Abend. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 28./29.4.2012)

Bis 16. 5.

  • Eine alte Polit- und Liebesgeschichte, interessant erzählt - Shakespeares 
"Antonius und Kleopatra".
    foto: bettina frenzel

    Eine alte Polit- und Liebesgeschichte, interessant erzählt - Shakespeares "Antonius und Kleopatra".

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