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Was sagt ein Leed-Zertifikat in Gold aus? Im Fall des Bureau am Belvedere, dass der Energieverbrauch des Gebäudes durch eine Renovierung um 75 Prozent gesenkt wurde. Dafür gab es nun auch den Green Building Annual Award 2012 der Europäischen Kommission.

Gunther Maier: Labels machen Begriffe operabel.
Wie sich die Nachhaltigkeit einer Immobilie definiert, hängt auch davon ab, welcher Gebäudezertifizierer misst. Die Messlatte ist aber dieselbe, meint Gunther Maier von der WU Wien. Sascha Aumüller stellte die Fragen.
STANDARD: Was ist mit "nachhaltigen Immobilien" gemeint? Neue Shoppingcenter, die nicht nach zwei Jahren wieder leer stehen oder umweltfreundliches Bauen?
Maier: Wirtschaftliche Aspekte wie die Nutzungsdauer gehören sicher dazu, wie Gebäude in eine Stadt eingebunden werden auch. Aber wir am Forschungsinstitut beschäftigen uns primär mit der Frage der Energieeffizienz.
STANDARD: Die Energieeffizienz von Gewerbeimmobilien wird von der Branche oft als "wichtiges Thema der Zukunft" beschrieben. Heißt das, derzeit ist sie noch keines?
Maier: Es ist jedenfalls kein kurzes thematisches Strohfeuer, denn der Klimawandel bleibt uns erhalten. Ich war in der Gründungsphase der ÖGNI (Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft, Anm.) eher überrascht, wie groß das Interesse der Branche ist. Es gibt bereits einen Nachfragedruck: Ich höre immer öfter von Developern, dass sie großen Firmen, die Büroraum nachfragen, etwas anbieten müssen in diesem Segment. Große Firmen erstellen ja häufig einen Nachhaltigkeitsbericht - neue Büros mieten sie nur, wenn diese ein Label haben.
STANDARD: Ist dabei das Label wichtiger als die Energieeffizienz selbst?
Maier: Das Label als solches ist wichtig. Allerdings sprechen wir von einem relativ kleinen Segment des Neubaus. Untersuchungen aus den USA zeigen, dass da sowohl höhere Bewertungen als auch Mieten dahinterstehen. Der Markt honoriert das also. Die Labels gibt es aber wohl auch, weil ein fundamentales Informationsdefizit besteht. Es ist für Investoren schwer, die thermische Qualität von Gebäuden abzuschätzen. Developer wiederum überlegen die Erhöhung der Energieeffizienz nur dann, wenn sie das auch kommunizieren können. Die Labels machen als externe Stelle vorhandene Qualitäten transparenter.
STANDARD: Kritische Stimmen vergleichen die Gebäudezertifizierer aber bereits mit Ratingagenturen.
Maier: Zutreffender ist: Diese Labels sind freiwillig und ein Anreizsystem. Sie alle machen den schwammigen Begriff der Nachhaltigkeit von Gebäuden zumindest einmal operabel.
STANDARD: Sind die Bewertungskriterien für die Labels nicht zu unterschiedlich für einen Vergleich?
Maier: Ein Paradebeispiel: In China werden dabei auch Fahrradstellplätze berücksichtigt, und der Faktor Wasser ist in Dubai ein ganz anderer als bei uns. Nationale Anpassungen sind also nötig. Ich denke aber, dass diese Unterschiede nicht so gravierend sind. Wird ein Gebäude von einem Zertifizierer besonders gut bewertet, fällt es wohl kaum bei einem anderen durch. Wenn Sie mich als Kassier der ÖNGI fragen, welches Zertifikat mir lieber ist, ist die Antwort klar. Wenn Sie mich als Wissenschafter fragen: Es geht in jedem Fall in die richtige Richtung.
STANDARD: Garantiert die höhere Energieeffizienz von Gewerbeobjekten immer bessere Erträge?
Maier: Wir wollten den gewerblichen Sektor genauer untersuchen, sind aber an der Datenlage gescheitert. Die Bestandshalter haben gesagt: "Da dürft ihr uns nicht fragen - unseren Energieverbrauch kennen die Stadtwerke." Würden wir nun dort nachfragen, gäbe es Probleme mit dem Datenschutz. Die Statistik Austria erhebt solche Zusammenhänge aber immerhin fürs Wohnen. Daraufhin haben wir die Frage gestellt: "Ist die Miete niedriger, wenn die Heizkosten höher sind?" Die Antwort darauf ist ein klares Nein. Es fehlen also ökonomische Anreize für Investitionen in die Energieeffizienz. (Sascha Aumüller, DER STANDARD, 28./29.4.2012)
Gunther Maier, Jg. 1954, ist Leiter des Forschungsinstituts für Raum- und Immobilienwirtschaft an der WU Wien. Gemeinsam mit Philipp Kaufmann initiierte er 2009 die Gründung der ÖGNI.
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