Sexismus in der Tech-Branche nimmt zu

  • Der "Brogrammer" ist geekig und cool.
    foto: screenshot, derstandard.at

    Der "Brogrammer" ist geekig und cool.

US-Start-ups werben mit sexistischen Sujets - "Alles nur ein Scherz"

Matt Van Horn, Gründer des Social-Media-Start-ups Path, beginnt seinen Vortrag, indem er über seinen Job bei der Bookmarking-Seite Digg erzählt. Überzeugen konnte er die Firmengründer mit "Bikini-Fotos" in einem "Nackedei-Kalender", den er aus Bildern seiner Kommilitoninnen zusammengestellt hatte. Der Titel seines Vortrags, den er auf der SXSW hält, lautet "Adding Value as a Non-Technical No Talent Ass-Clown". Wo also der Wert eines nicht technikbegeisterten und untalentierten Clowns liegt.

Bewertung von 250 Millionen Dollar

Erst vor einigen Tagen hatte Van Horn mit Path 30 Millionen US-Dollar Venture-Kapital aufgestellt. Das Unternehmen hat über zwei Millionen Mitglieder und wurde mit stolzen 250 Millionen US-Dollar bewertet. 

"Gangbang-Interviews"

Unternehmer, die auf der Suche nach Personal sind, sollten sich vor "Gangbang-Interviews" hüten, bei denen potenzielle Mitarbeiter von einer Gruppe von Leuten ausgefragt werden, so der gutgemeinte Tipp des 28-jährigen Path-Chefs. Dann witzelte Van Horn über die Aufnahme-Strategien von Fraternitys, männlichen Studentenverbindungen, die darauf ausgelegt seien, bei den "heißesten Mädchen" am Campus zu landen, berichtet die Vortragsteilnehmerin Tasneem Raja in ihrem Artikel auf Motherjones.

"Bro" trifft "Programmierer"

Matt Van Horns anzügliche Witze und unpassende Bemerkungen über Mitarbeiter-Rekrutierung verbreiteten sich via Twitter im Netz. Bis schließlich unter anderem die "New York Times" die Geschichte der sogenannten "Brogrammer" aufgriff. Der Begriff ist eine Verschmelzung von "Programmer" und "Bro" und bezeichnet geekige Programmier, die eine Spur mehr Coolness von "Bros" aus dem Verbindungshaus abbekommen haben. Der Frage, wie man das schafft, geht auch die Quora-Community nach. Hier geben sich Macho-Allüren und frauenfeindliche Witzeleien die Hand.

Alles nur ein Scherz

Das Phänomen hat bereits eine Facebook-Seite, eine satirische Twitter-Figur und Youtube-Videos zutage gefördert, die den Look von Männern mit Sonnenbrille und hochgeschlagenem Poloshirt-Kragen vor dem Laptop propagieren. Einige in der Szene betonen, dass doch alles nur ein Scherz sei und sich keine aktuelle Modeerscheinung in der Tech-Kultur abzeichne. Für Branchenbeobachter und Analysten ist der "Trend" in den USA aber real genug. So kam das Start-up Klout für ein Werbeposter am Campus der Stanford-Universität unter Beschuss, auf dem zu lesen war: "Want to bro down and crush code? Klout is hiring."

Frauenkampagnen

Auch Tech-Entrepreneur Dan Shapiro hat in einem Blogeintrag sexistische Vortragende mit Testosteron-Überschüssen bei Tech-Konferenzen kritisiert. Dass der Anteil von Männern in der IT-Branche deutlich überwiegt, ist bekannt. Vor allem sind Frauen in hochrangigen Positionen immer noch sehr selten zu finden. Die Methoden von jungen Unternehmen wie Path werden kaum zu einer Verbesserung in diesem Bereich beitragen, so die Kritik. Und das Image von technikaffinen Männern wird durch Bierkonsum, Sonnenbräune und Muskeln nicht unbedingt aufpoliert. Ein halbnackter Frauenhintern hat in einer Stellenanzeige für einen IT-Job genauso wenig verloren wie die Fritteuse in sogennanten "Frauenkampagnen". (ez, derStandard.at, 27.4.2012)

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