Blinder Bauernanwalt fordert die Regierung heraus

27. April 2012, 17:29

Chen Guangcheng aus Hausarrest geflohen

Der blinde chinesische Menschenrechtsaktivist Chen Guangcheng ist aus dem Hausarrest geflohen. In einem Video, das er an Premier Wen Jiabao richtete, forderte er die Aufklärung seines Falles und ein Ende der Korruption. Chen war seit seiner Entlassung aus über vierjähriger Haft 2010 in seinem Heimatort Dongshigu in der Provinz Shandong unter Hausarrest gestellt worden.

Wo sich Chen derzeit aufhält, ist unbekannt. Menschenrechtsaktivisten der US-Organisation "ChinaAid" teilten mit, sie hätten ihn seit vergangenen Sonntag an einem "sehr sicheren Ort in China" untergebracht. Das löste Spekulationen aus, ob er Zuflucht in der US-Botschaft in Peking gefunden haben könnte. Die US-Diplomaten hüllen sich in Schweigen.

Chens Entkommen hat im chinesischen Internet eine neue Debatte über die Willkür von chinesischen Parteifunktionären ausgelöst. Am Freitag versuchten die Behörden, die Weiterverbreitung eines 16 Minuten langen Youtube-Videofilms mit Chen zu stoppen, der über Blogs und Mikroblogs vervielfältigt wurde. Chen fragt darin Premier Wen, ob die Willkür der Parteifunktionäre mit Billigung Pekings geschehe.

Er schildert darin, wie seine Frau und seine Mutter verprügelt wurden, und nennt die Namen der in Zivil auftretenden Schläger, allesamt Parteisekretäre, Polizisten, Justizmitarbeiter und ihre Familienangehörigen. Sie wurden nicht nur von oben gedeckt, sondern bekamen aus den öffentlichen Kassen 100 Yuan am Tag - fast das Doppelte, was sie mit Arbeit hätten verdienen können. (Johnny Erling aus Peking /DER STANDARD, 28.4.2012)

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21 Postings
Die Überwachungskamera half bei der Identifizierung des säumigen Bewachers

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Mir tut das ganze chinesische Volk sehr leid. Wenn man die Geschichte zurück verfolgt - was diese Menschen schon gelitten haben (ausser den wenigen korrupten natürlich), ist entsetzlich. Es wäre endlich Zeit, dass sie etwas freier leben könnten.

Hab im TV einen Bericht gesehen: selten einen so mutigen Mann.

Was ist daran lustig wenn man einen blinden Mann einsperrt der sich für Menschenrechte einsetzt?

Das ist nicht lustig.

Lustig ist, das ein blinder Mann seine sehenden Wächter überlisten konnte.
Der Witz geht auf Kosten des Wachpersonals.
Was der Mann geschafft hat, ist hingegen beeindruckend.

Der Mann hatte Helfer. Auf sich allein gestellt, hätte er wohl kaum nach Peking gefunden. Das relativiert dann den Superhelden wieder.

Ich stelle mir die Frage, wie viele Menschen leiden durch seine Flucht jetzt zusätzlich? War das das wert?

Habe dir grün gegeben.

Aber - was für einen Unterschied macht dein Satz ob die Person blind ist oder nicht?

Den Unterschied sehe ich nicht.

"Den Unterschied *sehe* ich nicht"

War das Absicht?

Wenn ein blinder Mensch seinen sehenden Wächtern entkommen kann ...

ist er sehr geschickt und/oder hat gute Helfer.

Die hatte er vermutlich ja auch, wie oben im Text steht.

...er wohl auch nicht...

kein blinder sieht den unterschied!

a geh...

wemma scho dabei san

was ham die eltern vom stevie wonder mit ihm gemacht, wenn er als kind schlimm war?

keine ahnung, ihm statt zum klavier zm herd gestellt?

na, die möbel in seinem zimmer umgestellt...

"Er zog vor allem mit Kritik an der rigiden Ein-Kind-Politik den Zorn Pekings auf sich, nachdem er zahlreiche erzwungene, späte Abtreibungen und Sterilisierungen von Frauen in seiner Provinz Shandong aufgedeckt hatte"

= vier jahre haft und anschließender hausarrest.

unglaublich!

(und dabei hat er wohl noch "glück" gehabt)

ein bisschen lustig ist das aber schon =))

chinesische behindertenpolitik

Wo sie den Unterhaltungswert sehen ist mir grundsätzlich unbegreiflich. Den Vorsitz der chinesischen Behindertenorganisation hat der Sohn des früheren Regierungschefs Deng, der einst als Vergeltung am Vater aus dem dritten Stock geworfen wurde und seither Rollstuhlnutzer ist.

der wollte sicher nur ins bad und hat sich in der tür geirrt...

...der wollte sicher noch was von der welt sehen...

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