Alle für einen, einer für viele

Papst mahnt in Deutschland Messänderung ein

Bonn/Rom - Papst Benedikt XVI. hat die Deutsche Bischofskonferenz angewiesen, die deutsche Übersetzung der Messworte in einem theologisch zentralen Punkt zu ändern. So soll es in den Wandlungsworten der Eucharistie nicht mehr heißen, dass Jesus "für alle" Menschen gestorben ist, sondern "für viele". Der Papst begründete dies mit einer möglichst wörtlichen Übersetzung der in der Bibel überlieferten Worte "pro multis".

In seinem diese Woche von der Bischofskonferenz veröffentlichten Schreiben vom 14. April räumte Benedikt ein, dass seine Anweisung für den normalen Besucher des Gottesdienstes "fast unvermeidlich als Bruch mitten im Zentrum des Heiligen" erscheinen werde. Der Papst hielt in seinem Brief trotz der geänderten Übersetzung an der bisherigen theologischen Deutung fest, dass sich Jesus Christus für alle Menschen hingegeben hat.

Nicht umgesetzt

Bereits im Jahr 2006 hatte Rom die Bischofskonferenzen in aller Welt aufgefordert, die Messworte entsprechend zu ändern. Die Deutsche Bischofskonferenz setzte diese Aufforderung bisher jedoch nicht um.

Papst Benedikt trete für eine "größere Treue zu den biblisch überlieferten Worten Jesu Christi bei der Messfeier ein", begrüßt Kardinal Schönborn die päpstlichen Änderungswünsche. Der Papst bekräftige "die Treue zum Wort Jesu", sagte Schönborn. Er lege erneut fest, "dass künftig die Kelchworte Jesu aus dem griechischen Originaltext ,hyper pollon' (im Lateinischen ,pro multis') auf Deutsch mit ,für viele' (bisher: ,für alle')" zu übersetzen seien. (red, DER STANDARD, 27.4.2012)

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