Studiengebühren: Gebt die Unis frei!

Kommentar | Lisa Nimmervoll
26. April 2012, 19:29

Höchste Zeit, die Unis aus der Geiselhaft dieser Regierung zu befreien

Es reicht jetzt wirklich. Die Universität Wien, schon größenmäßig quasi das Flaggschiff der österreichischen Uni-Flotte, hat als erste Uni im Senat die Frage der autonomen Einhebung von Studiengebühren zur Abstimmung vorgelegt. Das war keine Juhu-wir-holen-uns-Studiengebühren-Aktion, sondern juristische Notwehr - und finanziell vorerst ein Durchlaufposten, der für etwaige Klagen als Rücklage gebunkert werden muss, bis Gerichte Recht sprechen, wenn die Politik schon kein Recht schafft.

Die SPÖ-ÖVP-Regierung suhlt sich seit Juli 2011, als der Verfassungsgerichtshof den rot-blau-grünen De-facto-Abschaffungsschnellschuss vom Herbst 2008 aufhob und eine Reparatur bis Februar 2012 forderte, im Ideologie-Patt. Nicht einmal an diesem unipolitischen Nebenschauplatz ist diese marode Koalition noch zu einer politischen Lösung in der Lage. Von ihr ist da nichts mehr zu erwarten.

Höchste Zeit, die Unis aus der Geiselhaft dieser Regierung zu befreien. Der Gesetzgeber ist immer noch das Parlament. Wenn es in der Regierung noch einen Rest an politischem Verantwortungsgefühl gibt, dann müssen SPÖ und ÖVP wenigstens dieses eine Thema freigeben und den Abgeordneten anvertrauen. Die SPÖ soll einen Gesetzesentwurf vorlegen, die ÖVP ihren - und dann: Freies Mandat!

Welche Entscheidung auch immer - besser als keine. Möge sich diese Koalition an der bis 2013 verliehenen Macht festkrallen, die Unis darf sie nicht mit in den Abgrund reißen. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 27.4.2012)

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Für 33 Milliarden werden riesige Tunnelprojekte

gebaut. Das Parlament hat das Projekt durchgewunken. Aber für die Universitäten haben wir nicht genug Geld!
Da kann irgendwas nicht stimmen.

Frage

Ich bin zwar nicht aus Österreich, aber meines Wissens gibt es de facto keinen Unterschied zwischen Regierung und Mehrheit im Parlament.
Was soll das mit dem freien Mandat sein?

Naja, laut Gewaltenteilung gäbe es mit emanzipierten, mündigen Abgeordneten sehr wohl einen Unterschied zwischen Regierung und Parlament. Realiter, da haben Sie recht, sind die Fraktionen der Regierungsparteien reine Marionetten der Regierungsbank.

Freies Mandat!

selten so gelacht. eigentlich sind wir durch den klubzwang eine scheindemokratie.

und studengebuehren dem parlament vorzuklegen rettet die unis auch nicht. das ist nur ein tropfen auf dem heissen stein.

Universität Wien, schon größenmäßig quasi das Flaggschiff der österreichischen Uni-Flotte

Aus internationaler Sicht eher ein leckgeschlagenes Ruderboot mit erschoepfter Mannschaft.

ohne Kübel, um das Wasser auszuschöpfen, geschweige denn Mittel zur Reparatur

...

die regierung handelt im auftrag der buerger - diese wuenschen sich weniger zwangsarbeit in der sie die arbeit der akademiker unbezahlt erledigen und wenn sie dann auf die unis gehen und es erzaehlen oder aufschreiben werden sie mit 5 benotet. es ist strafbar (es ist kennzeichen eines nazistaates, das war schon vor den demos so, man sieht daran, dass sich die studierenden fernsteuern lassen - daher sind die vergebenen titel ungueltig).

Was ist denn das für eine Freiheit, wenn eine Universität gesellschaftliche Aufgaben erfüllen soll - aber finanziell ''frei'' ist?

Ein rohstoffarmes Land wie Österreich sollte nicht nur Banken als ''systemrelevant'' betrachten.
(Von Kunst und Kultur wage ich gar nicht erst zu reden, es gibt ein sehr schönes Video-Interview mit der Nuschin Vossoughin heute im Standard)

Alternativvorschlag

Anstatt Studiengebühren einzuführen, könnte man die Prüfungen abschaffen. Die Studenten lernen eh freiwillig.

Das spart eine Menge an Kosten und Ärger.

Prüfen werden dann die zukünftigen Arbeitgeber, im Assessment Center. Und zahlen auch, ebenfalls freiwillig.

Ich fürchte nur ...

...

dass wenn 2013 die Effen mehr mitreden werden es für die Unis noch schlimmer wird ...

...

Feststellung:

Die FPÖ hat doch gemeinsam mit Sozis und Grünen
die Studiengebühren in unverantwortlicher Weise
abgeschafft. Es war das eine typische Vorwahlaktion,
die den Unis Mittel entzogen hat.

Eine stille Mehrheit vernünftiger Sozialdemokraten
hat längst eingesehen, dass dies ein Fehler war.
Aber der Initiator dieser Aktion war der Kanzler.

Jawoll!
Und die Jahre davor haben gezeigt: Die Einhebung von Studiengebühren fördert die soziale Durchlässigkeit im tertiären Sektor, hat sämtliche logistisch-infrastrukturelle Probleme verschwinden lassen - UND: die Qualität der universitären Lehre hat sich erheblich verbessert.

Ja, klar.

das wäre ja zu schön wenn €9mil alle probleme der hauptuni lösen würde.

sie wollen ein neuen mercedes, aber sie sind nur bereit €100,- zu zahlen

Und bezogen auf die Kostendeckung: Ja, genau da liegt der Knackpunkt. Wenn man die Probleme der Studienfinanzierung in erster Linie durch eingehobene Gebühren lösen will, ist man früher oder später an einem Betrag angelangt, der den Großteil der befähigten und interessierten jungen Leute von einer weiterführenden Bildung ausschließt und genau das bring mMn weder dem Individuum noch gesamtgesellschaftlich was.

D.h. das, was in der hiesigen Debatte so oft unter "moderate Studiengebühren" läuft, dient einzig und allein als Steuerungselement.

Nein, was ich mir wünschen würde ist eine Politik bzw. ein gesellschaftlicher Grundkonsens, der Bildung nicht NUR aber AUCH als Wert an sich begreift und darauf aufbauend im Stande ist, entsprechende Wege zu einer allgemein zugänglichen höheren Bildung finden.

Die "Freigabe" der Universitäten (Teilrechtsfähigkeit) hat dazu geführt, das die TU Wien kurz vor dem Konkurs steht !

Und Sie wissen das seit vielen Wochen, Frau Nimmervoll ! VerTUscht ?

?

Hast diese Entwicklung verschlafen? Das ist doch schon längst bekannt!

Dies ist bereits seit mehr als einem Jahr bekannt...

"Die SPÖ soll einen Gesetzesentwurf vorlegen, die ÖVP ihren - und dann: Freies Mandat!"

In Österreich hat man kein freies Mandat sondern einen Listenplatz.

Und den Klubzwang gibt's ja auch noch.

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