Konsequent wiedervereint

26. April 2012, 18:53
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Eine beklemmende Atmosphäre, die den Spruch, die Provinz gebiert Monster, schaurig illustrierte

Deutscher Krimi und Rechtsextremismus, das ergibt oft sehr bemühte Resultate. Immerhin erkennt das Fach diese Realität an und sucht die Auseinandersetzung damit. Am Mittwoch ermittelte Hauptkommissar Stubbe im ZDF den Fall "Sonnenwende", darin ging es um einen rassistisch motivierten Mord.

Das Thema markiert einen weiten Weg, wenn man sich an die Anfänge dieser Krimireihe erinnert. Damals schienen die Fälle noch wie für die ganze Familie gemacht, Stubbe war bloß ein biederer Vororte-Ermittler, der zwischen Thujen und Hecken nach Bösewichten suchte.

In "Sonnenwende" wird in Hamburg ein Vietnamese tot aus dem Wasser gefischt. Den Verletzungen nach wurde er Opfer der Mafia, doch ein ehemaliger Kollege Stubbes glaubt nicht daran, sondern vermutet die Neonazis in seinem Ort als die dafür verantwortlichen Täter. In diesem Ort, in Elbermünde, hatte das Opfer ein Lokal betrieben.

Stubbe reist in nämliches Kaff, das sich als von Nazis buchstäblich kontaminiert erweist. Die Polizei ist auf dem rechten Auge blind, lässt sich bei Notrufen reichlich Zeit und verlangt lieber den Ausweis eines Opfers anstatt jene der Täter. Der Bürgermeister ist selbstredend auch ein Nazi.

Aus dieser Situation entwickelte sich eine beklemmende Atmosphäre, die den Spruch, die Provinz gebiert Monster, schaurig illustrierte. Stubbes Ermittlungen bringen den Ort in Aufruhr, es gibt einen zweiten Toten, am Ende wird der Fall natürlich gelöst, die Beklemmung bleibt. Auch wegen der im Film gefallenen Diagnose, dass nur die Nazis die deutsche Wiedervereinigung konsequent leben würden. (Karl Fluch, DER STANDARD, 27.4.2012)

  • Stubbe.
    foto: zdf

    Stubbe.

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