Internet: "Gratismentalität zurückschrauben"

  • Justizministerin Beatrix Karl.
    foto: apa/pfarrhofer

    Justizministerin Beatrix Karl.

  • Verleger Hermann Petz.
    foto: standard/hendrich

    Verleger Hermann Petz.

  • Springer-Manager Christoph Keese.
    foto: apa/hochmuth

    Springer-Manager Christoph Keese.

"Unser Geschäftsmodell wackelt", sagt Moser-Holding-Chef Petz - Justizministerin Karl plädiert für Urheberrechtsnovelle

Wien - Bedroht Gratismentalität im Internet die Existenz klassischer Medien? "Wenn es keine Einnahmequellen mehr gibt, Journalismus zu finanzieren, ist klar, dass unser Geschäftsmodell wackelt", sagte Moser-Holding-Chef Hermann Petz bei einer Klubenquete der ÖVP am Donnerstag anlässlich des Welttags für geistiges Eigentum. Die Quellen drohen zu versiegen, weil digitale Marktteilnehmer wie Apple, Google, Amazon oder Facebook sie anzapfen, indem sie journalistische Inhalte übernehmen und gratis ihren Nutzern zur Verfügung stellen.

"Wir sind in einer äußerst dringlichen Situation", stimmte Filmproduzent Danny Krausz zu. Schon jetzt liegen die Zahlen illegaler Downloads mitunter über den Besucherzahlen in den Kinos. Michael Hanekes Das weiße Band wurde mehr als 80.000 Mal illegal erworben, sagte Krausz. Den Gesetzgeber gefordert sah Filmemacher Stefan Ruzowitzky: "Schutz von geistigem Eigentum ist eine Kernkompetenz des Staats." Das derzeit geltende Urheberrecht sei "Musterbeispiel eines veralteten Zugangs." Der Oscar-Preisträger brachte ein Beispiel aus der Praxis: "Mein neuer Film läuft im Herbst an. Wir zittern schon jetzt, dass er seine Premiere im Internet erlebt. Das würde den kommerziellen Erfolg an der Kinokasse dramatisch mindern." Und Chancen für künftige Projekte erheblich verschlechtern.

Zeitungsverleger Petz sieht die digitale Ökonomie aufgrund der überalteten Gesetzeslage zum Urheberrecht in einer internationalen Währungskrise: "Die Staaten haben es verabsäumt, geistiges Eigentum zu schützen."

Rechtsbrecher geschützt

Die von Regulierungsgegnern angeführten Argumente hinsichtlich Datenschutzfreiheit und Freiheit im Internet seien Scheinargumente, sagte Petz: "Verleger sind für Freiheit von Web und Meinung. Aber man darf sie nicht mit dem Schutz der Anonymität verwechseln, die gewerbsmäßige Rechtsbrecher schützt." Es sei "nicht einzusehen, dass Geschäftsmodelle zulasten von Urhebern verstärkt gefahren werden." Das Recht, Texte, Bilder und Filme zu verbreiten, könne nur der Schöpfer haben.

Die wirtschaftliche Dominanz der "großen Vier" im Web - Apple, Google, Amazon und Facebook - nehme zu, sagte Investmentberater Veit Siegenheim: Direkte Vermarktung werde für Medienhäuser schwierig. "Wir müssen schauen, dass wir die Gratismentalität im Internet zurückschrauben", sagte Petz. Weniger Umsatz bedeute weniger Möglichkeiten der Redaktion: " Wenn Sie diesen negativen Kreislauf zu Ende denken, stehen wir vor einem schwierigen demokratiepolitischen Problem."

Deutsche Verleger formierten sich Donnerstag zu einer Allianz gegen Gratiskultur. Springer-Manager Christoph Keese plädierte in Wien für "faire Suche". Schutz geistigen Eigentums stehe gar nicht zur Disposition, meinte Niko Alm, Blogger und Medienproduzent. Alm missfällt, "Kopie per se mit Diebstahl gleichzusetzen". Der Anwalt Nikolaus Kraft forderte eine Sanierung der Strafprozessordnung: " Gewerbsmäßige Urheberrechtsverletzer müssen ausgeforscht werden."

Unterstützung kam von der Justizministerin: "Das Urheberrecht darf nicht ab-, sondern muss neu geschaffen werden", sagte Beatrix Karl (VP). Sie will eine Urheberrechtsnovelle und mehr Sensibilisierung für das Thema. Die SPÖ signalisiert Diskussionsbereitschaft: "Zeitgemäße Adaptionen" seien notwendig, sagt SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim. (prie, DER STANDARD, 27.4.2012)

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"Der Supermarkt muss verboten werden!" rief der Greißler "Er gefährdet mein Geschäftsmodell!"

"Dann musst Du es umstellen und Investieren, sonst wirst Du sterben!" antwortete der Gesetzgeber und die Bank.

Nicht viel anders verhält es sich wohl mit unseren "Greißler Verlagen" die ein Konkurrenzproblem mit internationalen "Informationssupermarktketten" haben.

Anstatt zu investieren, als es noch ging, sparte man sich, vor allem bei den Personalkosten, die letzten 10 Jahre kaputt. Bravo! Durch Verbote wird das Produkt auch nicht attraktiver und die "Gratis-Zeitung" zeigt dem Konsumenten, dass es auch ganz ohne Bezahlen im Print geht.

Paywall einführen? Warum nicht! Aber man weiss gut genug, dass niemand für "APA/REUTERS" bereit sein wird zu bezahlen und "Selbermachen" hat man bereits verlernt.

Es blieben Medienmarken ohne Produkt.

Schon jetzt liegen die Zahlen illegaler Downloads mitunter über den Besucherzahlen in den Kinos.

und das gibt dem herrn noch immer nicht zu denken? viele dieser illegalen haetten sicherlich gerne ein paar euro bezahlt, nur im mieckrigen kino saal fuer 10-12€ zu sitzen will eben niemand. und moeglicherweise mieses 3D aufgezwungen zu bekommen.

D.

Lächerlich!

Die Zeitungen waren die Ersten, die im internet ihre
Inhalte gratis zur Verfügung gestellt haben und jetzt kriegen sie die Türe nicht mehr zu. Larmoyanz pur. Mir kommen die Tränen.

Lächerlich

Bezahlen die Zeitungen das Ihren JournalistInnen und PhotografInnen auch? Petz: Das Recht, Texte, Bilder und Filme zu verbreiten, könne nur der Schöpfer haben.

Da fragt man sich doch, ob die Zeitungen des Herausgeberverbands VOEZ den SchoepferInnen ihrer Inhalte (angestellten und freien JournalistInnen und FotografInnen) die Weiterverweitung ihrer Werke auch ordentlich vergueten. Bislang koennte man meinen, sie haetten Herrn Petz nicht zugehoert ... Noch nicht?

Das in Verkehr bringen ..

.. digitaler inhalte und die forderung, diese seien vom staat vor unrechtmäßigem konsum zu schützen, ähnelt dem auf dem ungesichert auf dem gehsteig abstellen eines koffers voll geld und der forderung, die gesellschaft müsse diesen koffer bewachen.
sowohl das stehlen des geldkoffers als auch das herunterladen eines films ist zweifelsohne illegal. aber wenn ich meine schätze infach herumliegen lasse, kann ich schwer verlangen, daß sie mit öffentlichen mitteln bewacht werden.

"Wir müssen schauen, dass wir die Gratismentalität im Internet zurückschrauben"

Der gute Mann hat recht!

Die Gratismentalität der großen Medien- und Verlagshäuser nämlich, die einen Großteil der Kunstschaffenden mit einem Hungerlohn abfertigt.

Die Umsätze brauchen diese Unternehmen nämlich um ihre Medienmonopole gegen den technischen Fortschritt abzusichern und um ihre mächtigen PR- und Werbekampagnen zu fahren. Die Abmahnindustrie verlangt auch ihren Teil ...

Wenn der Konsument nicht kaufen will, muss man ihn eben dazu verklagen.

Wie lange wir uns das noch gefallen lassen, ist nur eine Frage der Zeit.

das foto von karl ist ein toller beweis dafür, dass eine mitgliedschaft bei der övp den alterungsprozess optisch und geistig extrem beschleunigt.

Ich befürchte, dass die Dame ziemlich krank ist...

Doppelmoral

?"Deutsche Verleger formierten sich Donnerstag zu einer Allianz gegen Gratiskultur. Springer-Manager Christoph Keese plädierte in Wien für "faire Suche"." Die sieht wohl so aus (das Heft erscheint im Springer-Verlag...): http://twitpic.com/xk1ng

"Wir müssen schauen, dass wir die Gratismentalität im Internet zurückschrauben"

das hätten's ja in der hand. sollen's halt ihre medien nur mehr gegen bezahlung anbieten. wird man ja sehen, wer für die derzeit gebotene "qualität" bereit ist, zu zahlen. wenn wieder echter qualitätsjournalismus geboten würde, wäre ich schon bereit, auch für elektronische abos zu bezahlen, allerdings ist der zur zeit so gar nicht zu entdecken ...

An alle nach den "Piraten" Rufern:

Ich war gestern Zuhörer bei der Enquete
Allen nach den "Piraten" Rufern möchte ich nur sagen, daß diese dort nicht einmal fähig waren, ihre Position abzusetzen. Mitten in der Rede den Faden verloren... - ein mehr als jämmerlicher Auftritt!
Kein Programm, keine wirklichen Ideen....außer der Ruf nach "Freiheit des WWW" !! Wer zukünftig ohne Kostenersatz die Inhalte dort erstellen kann, ist denen völlig wurscht.

Derzeit einfach ein "Partei" oder besser "Partie" ohne jeglichem Inhalt. Sobald es an "sachliche Diskussionen" gehen steigen sie schon "aus".

Also keine Alternative für die Wähler.

PS: Was soll an dem Artikel hier nicht stimmen??

an dem artikel stimmt nicht, dass hier behauptungen ohne jegliche recherche und überprüfung wiedergegeben werden - das ist mmn niveau der krone oder von heute, aber nicht im standard.

beispiel: der meist-kopierte film aller zeiten im internet - avatar - ist "zufällig" auch der kommerziell erfolgreichste film. vielleicht stimmt die annahme, dass viel-geladene filme dadurch an umsatz verlieren gar nicht. und siehe da: es gibt auch unabhängige studien, die das bestätigen.

trotzdem wird das gegenteil immer wieder ohne nachzudenken und ohne hinterfragen abgedruckt.

avatar ist das denkbar schlechteste beispiel

ein durchschnittsfilm der die gesamte aufmerksamkeit nur hatte weil er der erste 3d-film im kino war.
etwas das man daham am pc-monitor oder flachbildschirm nicht geniesen konnte - nur deshalb haben ihn trotzdem soviele im kino angsehen.

außerdem - warum kommen leute wie du immer mit den topbeispielen? vielleicht weil die filme, die relativ viele gesehen haben aber die ein reinfall waren wegen der illegalen downloads garnciht in den medien auftauchen?
der film von dem rukowitzky spricht zb...wenn den 100.000 menschen runterladen ist das für die mitarbeiter schlimmer als wenn avatar 1.000.000.000 runtergeladen wird.

aber nur dann, wenn die 100.000 bezahlende kinogeher wären, die dann nicht gehen - was genau die oben angesprochenen studien klar zeigen. runterladen bedeutet nicht automatisch verdienstentgang, im gegenteil. viele schauen sich filme im kino an, die sie sonst nie sehen würden, weil freunde ihn empfehlen.

je mehr ein film gesehen wird, desto mehr nimmt er auch ein. dieses getue um ein download == verlust eines kinotickets ist lächerlich! zwischen den top 100 pirated movies und top 100 im kino-umsatz besteht eine klare korrelation!!

welcher war denn deiner meinung nach der erste 3d film?

und ich meine hier weder welche mit rot-grün brille noch irgendwelche naturdokus die in diesem spezialkino in wien schon vor 15 jahren gezeigt wurden.

ich spreche von kino-unterhaltungsfilmen.

welcher war denn hier vor avatar dran?
vorher konnten ja solche filme in 99% der kinos nichtmal gezeigt werden weil sie die ausrüstung nicht hatten.

Der erste 3D-Film? Wie kommst denn darauf?

was soll das denn bitte?

was ist denn das bitte für ein artikel? von ausgewogenheit keine spur? soll das die journalistische qualität sein, die geschützt werden muss???

dieser artikel strotzt vor nicht-überprüfter fehlinformation, klar widerlegbaren aussagen und fehlinterpretierten fakten. dass soetwas kommentarlos gedruckt (bzw. online gestellt) wird, ist mmn. ein armutszeugnis für den standard. es wundert mich doch sehr, wenn eine zeitung, die internet-vorreiter war und davon auch sehr profitiert hat, so etwas offenbar ohne recherche und hinterfragen druckt.

f7u12!

Wenn Gratis Mentalität außerhalb des Internet abgeschafft würde, gäbe es auch von den Herren einen Aufschrei. Weil dann Politiker verboten würden, deren Handaufhalter - und In den Allerwertesten Kriecher, die alle von meiner Hand mit Ausgehalten werden. Und das sogar ganz ohne Urheberrecht.

Einmal eine ganz dumme Frage:

Wann wurde denn das geltende Urheberrechtsgesetz erfunden?
Steht es schon in den 10 Geboten oder doch in Genesis 1, 1.0?

"Verleger sind für Freiheit von Web und Meinung. Aber man darf sie nicht mit dem Schutz der Anonymität verwechseln, die gewerbsmäßige Rechtsbrecher schützt."

Geh bitte, wer ist denn da noch gewerbsmäßig unterwegs? Die Leute die haufenweise CDs und DVDs brennen gibt's vielleicht noch in Russland und China, aber sicher nicht mehr bei uns.
Da wird einfach wieder das "gewerbsmäßige Kopieren" als fadenscheinige Ausrede für die Beeinträchtigung und Einschränkung Privatpersonen benutzt. Der Bullshit ist nicht neu, den Bullshit könnt's euch gleich wieder sonstwohin stecken.

natürlich gibts die

die ganzen downloadportalle im internet finanzieren ihre portale zu großen teilen auf illegalen downloads....dennn ohne diese würden vielleicht 10% die zig-werbebanner auf jeder seite ansehen wofür die firmen zahlen.

natürlich gibts die cd/dvd-brenner nicht mehr weil das seit napster vor 15 jahren nicht mehr notwendig ist.
man bekommt eh alles rein digital.

Tja, aber dass dieses Argument zumindest bei Gericht nicht wirklich zieht, sieht man ja beim idiotischen Kampf der Amis gegen MegaUpload.

Ich verstehe ganz generell nicht warum Verlage und Musikbranche nicht einfach das Gleiche macht wie jede Downloadseite. Werbung schalten und die Sache hat sich.
Statt auf YouTube rumzuheulen und DMCAs zu verteilen, lieber Musikvideos in HD Qualität hochladen und kräftig ad revenue abkassieren. Vielleicht wird man dann mit einer "Single" nicht zum Multimilionär, aber wer sagt dass das Schreiben und/oder performen eines einzigen Liedes das rechtfertigen würde? Verdienen kann man auf YouTube sehr, sehr gut.

Weniger heulen und sich einfach mal an die Zeiten anpassen.

komisch

ich finde bei youtube zb. von videos von universal in HD-Qualität. die tun doch eh genau das was du verlangst.

http://www.youtube.com/user/univ... musicgroup
6.911.124.917 videoaufrufe bisher

Passt doch, dann sollen sie aber auch nicht heulen.

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