BEWAG-Vorstand Schweifer tritt zurück

Rücktritt kein Schuldeingeständnis. BEWAG-Chef Gerbavsits übernimmt bis zur Fusion Vorstandsjobs

Eisenstadt - Die laufende Sonderprüfung aller BEGAS-Manager der vergangenen zehn Jahre hat am Donnerstag zu einer weiteren Personalentscheidung geführt: Nachdem BEGAS-Vorstand Rudolf Simandl am Montag fristlos entlassen worden war, hat dessen früherer Kollege Reinhard Schweifer nun sein Vorstandsmandat beim Landesenergieversorger BEWAG zurückgelegt. Das teilten der Ex-Vorstand selbst und BEWAG-Aufsichtsratschef Josef Kaltenbacher in einer Aussendung mit. Über die Nachfolge Schweifers soll "möglichst rasch" entschieden werden, so ein BEWAG-Sprecher zur APA.

"Nachdem die Prüfung auch auf ehemalige Vorstandsdirektoren der BEGAS ausgeweitet wurde, ist in den vergangenen Tagen auch Vorstandsdirektor Reinhard Schweifer miteinbezogen worden. Nachdem Schweifer den Fusionsprozess nicht gefährden will, hat er dem Aufsichtsrat angeboten, sein Vorstandsmandat nieder zu legen. Wir begrüßen diese Entscheidung und nehmen den Vorschlag an", so Kaltenbacher. Schweifer sei "mit sofortiger Wirkung" nicht mehr Vorstandsdirektor der mehrheitlich in Landesbesitz stehenden BEWAG.

Rücktritt kein Schuldeingeständnis

Schweifer, der nun nach gerade einmal 482 Tagen den Chefsessel räumte, meinte dazu: "Es tut mir leid, dass während meiner Tätigkeit als Vorstand Unregelmäßigkeiten im Unternehmen passiert sind. Ich möchte aber ausdrücklich darauf hinweisen, dass meine Entschuldigung nicht bedeutet, dass ich eine persönliche Schuld trage."

Vielmehr gehe es darum, das große Projekt der Zusammenführung von BEGAS und BEWAG nicht zu gefährden. "Ich bin bereits lange mit der Energiewirtschaft verbunden, weshalb es mir ein Anliegen ist, diesen Schritt zu setzen, um den Weg für eine rasche und unbehinderte Fusion frei zu machen", so Schweifer.

Kurz vor Weihnachten 2010 hatte der Aufsichtsrat, nachdem die Mandate von Hans Lukits und Josef Münzenrieder vorzeitig beendet worden waren, das neue BEWAG-Vorstandsduo bekanntgegeben: Michael Gerbavsits, der damals noch als Landesdirektor der Bank Austria im Burgenland tätig war, und Schweifer, der von der Vorstandsetage der BEGAS in jene der BEWAG wechselte.

Gerbavsits und Schweifer übernahmen schließlich mit 1. Jänner 2011 die Führung des Stromproduzenten. Das größte Projekt des neuen Vorstandsduos war die Fusionierung der beiden Energieversorger BEWAG und BEGAS, die bis Ende des Jahres über die Bühne gehen soll.

Zwei Vorstandsposten weniger

Binnen weniger Tage sind durch die Rücktritte von Simandl und Schweifer nun gleich zwei Vorstandsposten frei geworden: Jenen von Simandl wird Gerbavsits bis zur Fusionierung ausüben. "Zusammen mit meinem Vorstandskollegen Leopold Buchmayer werde ich dafür sorgen, dass eine lückenlose Aufklärung der Ereignisse aus der Vergangenheit passiert", erklärte der zweifache Vorstand in einer Pressemitteilung der BEGAS. Zur Nachfolge Schweifers gab es zunächst keine Informationen.

Von den Oppositionsparteien hagelte es nach Bekanntwerden Kritik bzw. Rücktrittsforderungen: Die Freiheitlichen verlangten den Abgang des gesamten BEGAS-Aufsichtsrates. Der Rücktritt Schweifers könne "nur der Anfang sein", erklärte FP-Chef Johann Tschürtz. Liste Burgenland-Obmann Wolfgang Rauter forderte eine Hausdurchsuchung bei der BEGAS und die Beschlagnahme der Finanzunterlagen der letzten zehn Jahre durch die Finanzbehörden. (APA, 26.4.2012)

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