Antrag auf Vermarktung der ORF-TVthek "sehr wahrscheinlich"

Dürfte bei der Medienbehörde beantragt werden - ORF bietet TVthek vor Sommer als Fernseh-App an - Prantner sieht sich "als politischen Versorgungsfall denunziert"

Wien  - Rechtzeitig vor den sportlichen Großereignissen im Sommer will der ORF seine Videoabrufplattform TVthek auf allen neuen Samsung-TV-Geräten als erste TV-App anbieten können. "Das ist das erste konkrete Projekt, das im Rahmen unserer Smart-TV-Aktivitäten umgesetzt wird", sagte ORF-Online-Leiter Thomas Prantner in einem Interview mit Werbeplanung.at.

Derzeit werden in der TVthek mehr als 100 TV-Sendungen on Demand und rund 50 Livestreams des ORF offeriert. Das Angebot soll heuer um zeit- und kulturgeschichtliche Archive sowie um ergänzende Angebote wie Langfassungen spannender "ZiB 2"-Interviews erweitert werden, so Prantner. "Großereignisse wie Fußball-EM, die Olympischen Spiele und die US-Präsidentenwahl werden ebenfalls auf der TVthek live und als Themenschwerpunkt on Demand umfassend wahrgenommen." Daneben wird an der Entwicklung einer ORF-Radiothek gearbeitet. "Der erste Schritt in Richtung einer zentralen Live- und Audio-on-Demand-Abrufplattform aller ORF-Radios wird noch heuer in Form eines Radiothek-Pilotprojekts für FM 4 umgesetzt."

300.000 Downloads

Die ORF-TVthek hatte im ersten Quartal 2012 mehr als zwölf Millionen Abrufe, pro Monat nutzten zuletzt rund 660.000 User die ORF-Videoplattform. Laut Prantner eine Reichweite von 11,5 Prozent. 13 Prozent aller Sichtungen auf der TVthek würden inzwischen über mobile Endgeräte generiert. "Insgesamt können die TVthek-Apps im ersten Quartal 2012 schon knapp 300.000 Downloads auf iPhones, iPads und Androids verzeichnen", so Prantner.

Im ORF gibt es denn auch Überlegungen für eine Vermarktung der TVthek. Es sei "sehr wahrscheinlich, dass wir bei der Medienbehörde ein entsprechendes Angebotskonzept für eine Auftragsvorprüfung beantragen". Und: "Es muss dem ORF möglich sein, an der Weiterentwicklung des Online-Werbemarktes teilzuhaben und auch neue Onlineangebote kommerziell verwerten zu dürfen." Die endgültige Entscheidung über einen Antrag bei der Medienbehörde werde ORF-Chef Alexander Wrabetz treffen, so Prantner.

"Ich bin ja kein Neuling oder Quereinsteiger"

Die Kritik an seiner Bestellung wies Prantner einmal mehr zurück. Der ORF-Redakteursrat hat ja bei der Medienbehörde KommAustria eine Beschwerde gegen die Eingliederung des Bereichs Teletext und Online in die ORF-Technik sowie die Bestellung des neuen Hauptabteilungsleiters Online und neue Medien eingebracht. Die ORF-Journalisten sehen in der Organisationsänderung eine Verletzung des ORF-Gesetzes sowie des Redakteursstatuts. Prantner: "Ich verstehe die ganze Aufregung eigentlich nicht. Ich bin ja kein Neuling oder Quereinsteiger im ORF, sondern seit Jahrzehnten in verschiedenen leitenden Managementfunktionen tätig. Als politischer Versorgungsfall denunziert zu werden ist rufschädigend und beleidigend. Meine Antwort auf solche Vorhaltungen ist aber nicht Gegenangriff, sondern Qualitätsarbeit, Leistung und Erfolg."

Prantner gilt neben ORF-Finanzchef Richard Grasl für den Fall einer FPÖ-ÖVP-Koalition nach der nächsten Nationalratswahl als Kandidat für Spitzenfunktionen im ORF-Direktorium. (APA/red, derStandard.at, 26.4.2012)

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