Tourismus in Griechenland bricht ein

26. April 2012, 14:31
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Streiks, Krawalle und negative Presse haben in den ersten zwei Monaten des Jahres zu einem dramatischen Rückgang im Tourismus Griechenlands geführt

Athen - Wie die griechische Notenbank (Bank of Greece) berichtet, sind die Einnahmen im Jänner und Februar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 44,7 Prozent geschrumpft. Vor allem die Deutschen blieben weg.

Hatten deutsche Touristen im Februar 2011 in Griechenland noch 26,7 Millionen Euro ausgegeben, so waren es im Februar diesen Jahres nur noch 10,3 Millionen Euro.

Nächtigungsrückgang um 50 Prozent

Insgesamt seien in den ersten zwei Monaten des Jahres 618.400 Touristen nach Griechenland gereist. Im entsprechenden Zeitraum 2011 waren es 695.700 Touristen. Die Touristen gaben zudem weniger Geld aus als in den vergangenen Jahren. Sie blieben auch kürzer im Land. Daraus ergebe sich der starke Rückgang der Einnahmen, erklärte Hoteldirektor Christos Pilatakis. Vor allem leide die Branche in Athen. In vielen Hotels seien die Übernachtungen um mehr als 50 Prozent gesunken.

Dagegen sei die Lage auf der Touristeninsel Rhodos besser, hieß es. In den Provinzen hat es kaum Ausschreitungen gegeben.

Die griechische Zentrale für Fremdenverkehr bemüht sich seit Monaten um Schadensbegrenzung. Die Streiks gehen aber weiter: Am 1. Mai wollen die Seeleute in Griechenland wieder streiken. Die Fähren sollen für 24 Stunden in den Häfen bleiben. Hoteliers aus verschiedenen Regionen des Landes warnten davor, dass eine neue Streikwelle verheerende Auswirkungen auf dem Tourismus haben könnte. In Griechenland sind fast eine Million Menschen direkt oder indirekt in der Tourismusbranche beschäftigt.

Bosch-Chef fordert 100-Prozent-Schuldenschnitt

Abseits des Tourismus hat Bosch-Chef Franz Fehrenbach unkonventionelle Lösungen für die Griechenland-Misere. Er sieht den kriselnden Staat dauerhaft im Sumpf der Verschuldung feststecken. "Ich bin auch heute noch überzeugt, dass Griechenland niemals auch nur einen einzigen Cent zurückzahlen wird", sagte Fehrenbach. "Sie brauchen einen Schuldenschnitt von 100 Prozent", warb er für einen kompletten Verzicht auf die milliardenschweren Forderungen.

Die Geldgeber, darunter etwa deutsche Banken, hatten Griechenland schrittweise immer mehr Schulden erlassen. Fehrenbach ist für seine politischen Aussagen bekannt. Aus seiner Sicht ist in Griechenland eine Kette von Fehlern passiert. Das Land habe erwiesenermaßen Angaben manipuliert, um in den Kreis der Eurozone zu gelangen und das günstige Geld in der Währungsgemeinschaft nicht für Investitionen genutzt. Stattdessen habe die Politik Schulden angehäuft, die Arbeit verteuert und kein solides Steuersystem entwickelt. (APA, 26.4.2012)

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    Der Tourismus ist eine der Haupteinnahmequellen für die griechische Wirtschaft.

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