Lass es brummen!

Gregor Fauma, 30. April 2012, 17:16
  • Bienen sind zurzeit ja maßlos en vogue.
    foto: apa/karl-josef hildenbrand

    Bienen sind zurzeit ja maßlos en vogue.

Bienen sind en vogue - Das Halten und Pflegen eines Bienenstocks ist ein Trend, der aus den USA kommt - Wer es nicht ernst meint: Hände weg!

Im Höhenrausch schnallt sie sich gleich ein paar Männchen um, im Schnitt um die zwölf Stück. Da kennt sie nichts. Eines nach dem anderen, ganz nach dem Prinzip "Der nächste Herr, dieselbe Dame". Sie achtet aber penibel darauf, dass die Herren unterschiedlicher Abstammung sind, Reinrassiges kommt ihr nicht in die, äh, Tüte. So richtig vollgepumpt mit unterschiedlichem Sperma, die Ladung muss für das ganze Leben reichen, geht es dann rasch wieder abwärts, genug vom "gang bang among the flowers and trees with a lot of bees. Die wahrlich notgeilen Herren leiden jedoch unter dem Phänomen der Ejaculatio letalis - Spritz und aus, wie der Lateiner sagen würde. Sie sterben mit der Besamung und fallen tot vom Himmel. Ob glücklich oder nicht, konnte noch keiner der Herren mit Nahtoderfahrung berichten. So ist das mit den Bienen, das sollte man beim Aufklären der eigenen Brut nicht vergessen.

Bienen sind zurzeit ja maßlos en vogue. Alles Bäuerliche boomt, wir bauen Knollen und Rüben selber an, backen das Brot in selbstgetöpferten Formen und tragen Kleidung aus ungewirktem Flachs am Leib. Also halten wir auch Bienen in der Stadt, das passt ins Bild. Wer den ersten Schritt wagt und sich für dieses Hobby zu interessieren beginnt, ist schnell fasziniert, frisst Literatur in sich hinein und findet sich bald in einem Imkereifachgeschäft wieder, um sich Equipment für das Besiedeln durch ein eigenes Bienenvolk zuzulegen.

Alle Höhen und Tiefen

Ab dann ist man wieder mit dabei, kann am Karmelitermarkt bewusst Fachbegriffe einfließen lassen ("... wie schaut's aus mit deinen Afterweiseln?") oder gar dort seine selbstgedrehten Bienenwachskerzen verkaufen. Immer schön lächeln.

Das Halten und Pflegen eines Bienenstocks ist ein Trend, der wie so oft aus den Vereinigten Staaten von Amerika kommt. Wahrscheinlich aus Dankbarkeit, dass wir Europäer ihnen vor Jahrhunderten die Biene rübergebracht haben. Als in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts jedoch ein Massensterben unter den Bienenstaaten ausbrach, brach Massenpanik unter den Menschenstaaten aus, denn wo keine Biene fliegt, landet der Hunger. Quasi als Notwendigkeit begannen nun Menschen mit Tagesfreizeit, sich um Bienen zu kümmern, sie zu pflegen, zu züchten und dadurch rasch zu vermehren, auf dass die pflanzliche Natur sich schnell erhole. Das ist gelungen, und geblieben ist die Leidenschaft, mit einem Bienenvolk alle Höhen und Tiefen mitzuleben.

Die Stadtbienen

Und der Lebenszyklus eines Bienenvolks ist tatsächlich hochdramatisch, atemberaubend komplex und hinterlässt jeden, der hier Einblicke gewinnt, staunend zurück. Für viele Grund genug, in der Stadt Bienen selber zu pflegen. Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe (mehr als 30.000 Lebewesen), das muss man lernen, dazu gibt es Imkerschulen. Es ist nichts, das man lässig einfach so nebenbei macht, mit ein paar Tipps von Freunden ausgestattet. Hände weg!

Wer es trotzdem versuchen möchte, dem lege ich das Buch von Erika Mayr, Die Stadtbienen, ans Herz: Mit leichter Hand beschreibt sie ihren Weg zur Stadtimkerin in Berlin und verschafft einen liebenswerten, gesamtheitlichen Einblick in die Stadtimkerei. Wer ohne eigenen Bienenstock dem Treiben der Apis mellifera carnica zusehen möchte, braucht nur Schneeglöckchen, Ehrenpreis, Lavendel und Wildrosen zu pflanzen - sie kommen dann schon von selbst. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 27.4.2012)

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Eh nett geschrieben - der Trend wieder Bienen zu halten

kommt aber - zumindest hierzulande - nicht aus Amerika.
Viel dringender als ein launiger Artikel über's Bienenhalten wären aber konkrete Protestmaßnahmen gegen die Saatgutbeizmittel, die in Österreich immer noch erlaubt sind.

Bienen-Neuheit?

Fauma tut gerade so, als würde man erst seit den 90ern Imkern. Da ist ihm wohl etwas entgangen...

Wegwerfbienen

sind der neueste Trend aus den USA:

"Teilweise wird bereits Bestäubung mit „Package-Bees“, Wegwerf-Bienenvölker im Pappkarton, eingesetzt. Nach erfolgter Bestäubung werden
sie abgeschwefelt oder verbrannt."

http://www.arche-noah.at/etomite/a... 12_web.pdf

nett

sehr netter und erfrischender artikel, gratuliere

Wer sich für solitäre Bienen interessiert...

...findet sie derzeit en masse auf den Grünstreifen der Ringstrasse Höhe Burggarten beim Bau ihrer Erdnester (Sandbienen).

Solitäre Wildbienen sind äußerst anspruchslos, eine hat die Löcher in einem meiner Lautsprecher (rund ein Meter von nicht immer geöffneten Fenster entfernt) zu ihrer Niststätte erhoben. Wo sie übernachtet, ist mir allerdings unbekannt.

Vorsicht

bei Verallgemeinerungen. Es gibt hunderte verschiedener solitaerer Wildbienen und davon sind nur sehr wenige "anspruchslos". Die meisten sind mehr oder weniger grosse Spezialisten, die sowohl was die Nistmoeglichkeit als auch was das Nahrugnsangebot angeht, recht heikel sind. "Wildbienen" von Paul Westrich ist eines von vielen recht guten und informativen Buechern zum Thema...

"Es ist nichts, das man lässig einfach so nebenbei macht"

Ich wuenschte Herr F. wuerde selbiges vom Kolumnenschreiben sagen und endlich damit aufhoeren.

Warum dieses?

Ich erklaer's Ihnen am Beispiel der aktuellen Kolumne:

Diese beginnt diesmal schluepfrigst fad. Es geht dann bald ueber in einen frei erfundenen (faden) Teil ("Das Halten und Pflegen eines Bienenstocks ist ein Trend, der wie so oft aus den Vereinigten Staaten von Amerika kommt."). Und zu guter letzt verstrickt sich der Autor schliesslich noch in einen unglaublichen Widerspruch indem er einerseits (zurecht) behauptet, dass Imkerei in Imkerschulen erlernt werden muss, andererseits die Werbetrommel ruehrt und meint, wer es trotzdem versuchen moechte, soll sich ein Buechlein zulegen...

Da stimme ich Ihnen nicht zu. Ich bin selbst mit Bienen groß geworden (Großeltern) und es ist absolut richtig, daß sich Anfänger erst ein Buch besorgen und wenn dann noch immer Interesse besteht eine Imkerschule besuchen.

so ist es, aber für den preger zu schwierig -

ausserdem würde es ihm die grundlage für das allwöchentliche gekläffe hier entziehen und das wäre nicht in seinem sinne.

Und ich kläffe (leider) zurecht!

Der Autor impliziert allerdings, dass das Buch eine Alternative zur Imkerschule sei... Das lese zumindest ich.

Stadtbienen leben ja angeblich gesünder. Da sind keine vergifteten Maisfelder in der Nähe...

Jedenfalls wird in der Stadt viel geimkert, hätte das auch nicht gedacht aber die Bienen finden gerade im Stadtgebiet recht viel.

"Fauma"

fauma und floma

das m bringts!!

Es ist nichts, das man lässig einfach so nebenbei macht...

Was man aber sehr wohl so ganz nebenbei machen kann ist sich Wildbienen und Hummeln "zu halten".

Dafür reichen ein oder zwei Hummelkästen und ein sog. Insektenhaus.
Kein Honig - aber eben auch keine Arbeit.
Und für Natur und Garten dennoch nützlich.

Nebenbei...

Abgesehen davon, daß Erdbienen aller Art, Hummeln etc ohnehin viel fleißiger sind als die Melliferens, ich hab was fast schon lustiges festgestellt: Seit ich die Erde zwischen den Weinstöcken nicht mehr störe und - ich schäme mich ja so: stattdessen RoundUp super ultra forte sonstnochwas spritze, ist diese Erde von Erdbienen und Hummeln (und Zieseln) durchlöchert. Schon Anfang März sind die Immen unterwegs und laben sich am austretenden Saft der frischen Wunden der geschnittenen Weinstöcke.
Und im Garten, meist neben Rasenkantensteinen, Betonwänden, Brunnenringen etc. sind sie auch.
Man braucht sie nur in Ruhe zu lassen.

Da gibt es ja wohl überhaupt nix zum schämen, düngen gehört seit Urzeiten zum Handwerk des Gärtners. Ohne 15/15/15 3S+Zn Volldünger gibts nichtmal ordentlichen Rasen.

round up ist ein totalherbizid und kein dünger. Mußt dich wirklich schämen, sowas tut man heut nimma.

Ja, fällt mir in den Bergen auf dass Almweiden und Wälder ohne NPK kaum wachsen...

Ehem,

RoundUp ist aber alles andere als ein Duenger...

Aber hallo! RoundUp ist das überdrüberultraböse Glyphosat von Monsanto, das von der Firma, die ohnehin verboten g'hört....

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