Grazer Designmonat: Mai, in Form gebracht

Michael Hausenblas, 26. April 2012, 18:06
  • Bei der Kupferleuchte Limited Moths spielt das Designer-Duo mischer'traxler mit dem Editionen-Hype im Design.
    foto: mischer'traxler

    Bei der Kupferleuchte Limited Moths spielt das Designer-Duo mischer'traxler mit dem Editionen-Hype im Design.

  • Eine vom Aussterben bedrohte Mottenart bestimmt die Stückzahl der Edition. Die beiden sind in Graz in der Veranstaltungsreihe "selectet: sustainable design" vertreten.
    foto: mischer'traxler

    Eine vom Aussterben bedrohte Mottenart bestimmt die Stückzahl der Edition. Die beiden sind in Graz in der Veranstaltungsreihe "selectet: sustainable design" vertreten.

Ab Freitag heißt es in Graz für einen Monat lang "alles Design" - Mehr als 50 Veranstaltungen locken

So fix wie die Vienna Design Week mittlerweile zum Herbstfest der Kreativszene zählt, so sicher ist mittlerweile der Grazer Designmonat Teil des Frühlingserwachens in Sachen Gestaltung. Die Designsause findet mittlerweile auch schon zum vierten Male statt und soll die Stadt an der Mur auch heuer wieder in eine große Bühne verwandeln, auf der eine ganze Menge Design gespielt wird. Der Begriff wird breit und bunt gefahren, was das Publikum der Creative Industries Styria, die das Projekt koordiniert, danken wird.

Mehr als 50 Ausstellungen, Diskussionen, Vorträge und andere Aktionen lassen sich vom 27. April bis 27. Mai erleben. Aber nicht nur den Grazern und zum Spektakel Angereisten, auch dem Titel "Unesco City of Design" will man nichts schuldig bleiben. So darf sich Graz nämlich seit einem guten Jahr nennen. Diese Auszeichnung teilt man sich unter anderem mit Berlin, Buenos Aires oder dem japanischen Kobe, und allein schon deshalb treten beim Designmonat nicht nur die üblichen Verdächtigen der Designszene, Projektpartner und andere Lokalgrößen auf.

Strickkurse

Das Programm stärkt zum Beispiel auch die nachbarschaftlichen Bande zur Schweiz. Vom 10. bis zum 27. Mai zeigt man im Kunsthaus Graz eine Werkschau von Siegerprojekten des Schweizer Designpreises. Unter anderem zu sehen ist die Senior Design Factory, eine Art Kreativwerkstatt, die sich mit dem Zusammenleben von Jung und Alt beschäftigt. Ein Ergebnis dieser Auseinandersetzung sind zum Beispiel regelmäßige Strickkurse im Hinterzimmer des Designbüros, wo auch an anderen Produkten getüftelt wird, die es im Shop der Senior Design Factory zu erwerben gibt.

Der Designmonat nimmt aber nicht nur die paar läppischen Kilometer bis in die Eidgenossenschaft auf sich, auch Design aus dem fernen Argentinien reist in die Steiermark. Dass dieses Land nicht nur für Tango, Steak und Maradona steht, will man ab 27. April mit der Ausstellung "Buenos Aires meets Graz" in der sogenannten designHalle gegenüber des Cityparks am Lazarettgürtel zeigen, der zu einer Art Zentrum des Festivals wird. 

Elektronische Kunst und Musik

Argentinisches gibt's aber noch mehr, so will zum Beispiel der Grafikdesigner Hernán Berdichevsky bei einem Druck-Workshop mit Studierenden der FH Joanneum steirische Icons erarbeiten, die nicht nur nach Kernöl schmecken. Mode, Musik und Visuals aus Buenos Aires, das übrigens seit 2005 als erste Stadt den Titel Unesco City of Design tragen darf, werden aber auch beim Designfestival Assembly bzw. beim Springfestival für elektronische Kunst und Musik zu erleben sein.

Als Highlights und weiterer inhaltlicher Schwerpunkt werden von den Machern des Design-Halligalli aber auch die fünftägige Veranstaltungsreihe "selectet:sustainable design" sowie die Ausstellung "Skin - Future Materials" angekündigt, schließlich kommt ohne diese Themen so gut wie kein Designfestival mehr aus - und das ist gut so. Bei ersterem Programmpunkt treffen Design-Interessierte auf Experten, die anhand von Arbeiten von zwölf Designerlabels deren Nachhaltigkeitszugang erläutern, darunter Arbeiten des Designers Robert Rüf, des Duos mischer'traxler oder Produkte des international umtriebigen Teppichproduzenten Jan Kath.

In der Ausstellung Skin, ebenfalls in der designHalle, soll vermittelt werden, wie aus innovativen und nachhaltigen Materialien und Verfahren reale und marktfähige Produkte entwickelt werden können. Zu sehen ist zum Beispiel, was herauskommt, wenn man feingemahlene, biogene Materialien wie Gräser oder Holzabfälle mit natürlichen Bindemitteln auf individuell gestaltbare Formen aufspritzt und mittels einer ganz speziellen Technik aushärten lässt.

Emotion im Design

Im Sinne eines personellen Highlights darf auf den Vortrag des aus New York eingeflogenen Großmeister des Grafikdesigns, Stefan Sagmeister, hingewiesen werden, der Gescheites zum Thema "Design und Happiness" erzählen wird. Die Vorträge des aus Bregenz stammenden Gestalters werden in der Regel mehr zu Auftritten, die zeigen, wie viel Emotion im Thema Design steckt, denn zu bloßen Ansprachen. Karten für den 17. Mai sollte man sich also besser schon heute als morgen unter www.spielstaetten.at sichern.

Im Rahmen der "design@FH Joanneum Lecture Days" werden ferner der Künstler und Kurator Mark Allen aus Los Angeles und Bart Tunissen von der niederländischen Waag Society sprechen. Letztere entwickelt und erforscht Konzepte im Spannungsfeld von Kunst, Wissenschaft und Medien. So viel Design macht hungrig, dabei gäbe es noch einige Punkte und Namen mehr zu nennen. Es empfiehlt sich, mit dem Programmpunkt "Foodline" zu schließen bei dem der Frage nachgegangen wird, inwiefern Food Design urbane Räume beeinflusst. Die diesjährigen Projekte modeln zum Beispiel die Murbrücke zum Fischmarkt um, stellen den Haubenkoch Tom Riederer in einen Würstelstand und catern Mahlzeiten in Parkgaragen. (Michael Hausenblas, Rondo, DER STANDARD, 27.4.2012)

Designmonat Graz, 27. April bis 27. Mai

Detailliertes Programm unter designmonat.at

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