Fesch für Daisy

  • Als Ralph Lauren 1974 Robert Redford für die Verfilmung von "Der große Gatsby" in einen weißen Anzug steckte, kannten seinen Namen nur wenige. Das sollte sich bald ändern.
    foto: corbis/steve schapiro

    Als Ralph Lauren 1974 Robert Redford für die Verfilmung von "Der große Gatsby" in einen weißen Anzug steckte, kannten seinen Namen nur wenige. Das sollte sich bald ändern.

  • Mit seiner jetzigen Frühjahrskollektion lässt Lauren den Chic der Zwanzigerjahre wieder aufleben.
    foto: hersteller

    Mit seiner jetzigen Frühjahrskollektion lässt Lauren den Chic der Zwanzigerjahre wieder aufleben.

Die Neuverfilmung von "Der große Gatsby" kommt zwar erst Ende des Jahres in die Kinos, die Mode hat sich aber schon jetzt auf den Flapper-Chic der Zwanzigerjahre eingestellt

Fließende weite Pyjamahosen aus Satin, pastellblumig bedruckte Halstücher und dazu weiße Federboas - Ralph Lauren ließ in New Yorks Skylight Soho Studios im vergangenen Herbst Mia Farrow alias Daisy in "Der große Gatsby" wiederauferstehen. Man könnte auch sagen: Die Entwürfe der aktuellen Sommerkollektion knüpften an die Anfänge des Designers an.

An der Seite von Kostümdesignerin Theoni Aldredge realisierte Lauren 1974 die Garderobe für Robert Redford und eben Mia Farrow - sehr zum Missfallen der Kostümdesignerin: Die Modepresse sprach plötzlich nur noch über Ralph Lauren, diesen US-amerikanischen Designer, der Redford im weißen Leinenanzug so unwiderstehlich gut aussehen ließ und rasant zum Liebling des Ostküsten-Jetsets aufstieg. Dabei habe der doch nur ihre Entwürfe umgesetzt, so die Frau vom Film.

Was tat also Aldredge? Sie ließ den Designer kurzerhand im Abspann in die zweite Zeile verschieben. Geschadet hat dem heutigen Selfmade-Milliardär Ralph Lauren dieses Intermezzo wenig, noch immer wird sein Name mit den Kostümen in "The Great Gatsby" in Zusammenhang gebracht. Und nun, fast 40 Jahre später, gießt er den Flapperchic der "Roaring Twenties" in eine tragbare amerikanisch-sportliche Version.

Das passt ja auch zu gut: Die neueste Hollywoodverfilmung des Literaturklassikers von Francis Scott Fitzgerald durch Regisseur Baz Luhrmann startet dieses Jahr im Dezember ganz groß in den US-Kinos. Wie das Kostümbild aussehen wird, ist allerdings kein so großes Geheimnis mehr.

DiCaprio im weißen Dreiteiler

Schon Ende letzten Jahres kursierten erste Bilder vom Set der neuesten "Gatsby"-Verfilmung im Internet: Schnappschüsse von umherfahrenden Oldtimern, darin - braungebrannt - Leonardo DiCaprio als der undurchsichtige neureiche Jay Gatsby im weißen Dreiteiler, mit gestreifter Krawatte, Einstecktuch und Strohhut. Daneben Carey Mulligan mit kinnlangem blonden Bob und tief gelegter Haarspange in einem flatterigen Hauch Zwanziger-Jahre-Textils.

Die Kleider der Daisy Buchanan sollen tatsächlich Vintage-Stücke sein und aus der Kleidersammlung der Ashley Olsen stammen, bekannt als internationale Fashionista und die eine Hälfte der Olsen-Twins. Diamanten und Perlenketten hingegen werden nach Archivvorlagen von Tiffany und Co gefertigt.

Warum das alles erwähnenswert ist? Die Mode- und die Filmindustrie setzen nur zu gerne auf Synergieeffekte. Bevor 1975 das Kostüm in der Jack-Clayton-Verfilmung des "Großen Gatsby" mit einem Oscar bedacht wurde, setzte die Produktionsfirma Paramount eine perfekte Promotion-Maschinerie in Gang. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" titelte im Frühjahr 1974: "Ausverkauf der Goldenen Zwanziger". Man analysierte: "Von dem US-Modefachblatt 'Women's Wear Daily' vor mehr als einem Jahr hochgetrommelt, rollen jetzt 'Gatsby'-Kollektionen massiv in die amerikanischen Kaufhäuser."

Anstehender Kostümreigen

Und heute? Scheint die Modeindustrie just angesichts des anstehenden Kostümreigens von Catherine Martin ebenfalls für die Zwanzigerjahre anfällig zu sein. Dabei ist der immer wiederkehrende modische Aufguss der emanzipierten Flapper, der "flatterhaften" Mädchen, in der Regel nicht viel mehr als ein nostalgisch angehauchtes Revival eines glorifizierten Jahrzehnts.

Eleganz und Dekadenz gingen damals Hand in Hand, heute begnügt man sich damit, modische Versatzstücke der Zwanziger beliebig zusammenzuwürfeln: Bei Etro sieht man Kleider mit tiefen V-Ausschnitten, Sonia Rykiel stylte die Models mit seitlich gescheiteltem Haar und tief sitzenden Haarklammern und kombinierte dazu wadenlange Tenniskleider, Alberta Feretti zeigte Flapperdresses aus transparenter Spitze, und Frida Giannini nimmt für die Sommerkollektion von Gucci Anleihe am geometrischen Formenvokabular des Art déco: Die golden und schwarz schwingenden Fransen an den Cocktailkleidern mit tief sitzender Taille mögen elegant und verdammt teuer sein - die Dekadenz der Zwanziger, die lässt sich aber nicht so leicht auf den Laufsteg hieven.

Ob Baz Luhrmann mehr als einen verschwenderischen Kostümschinken hinbekommt, wird sich dann in einigen Monaten zeigen. (Anne Feldkamp, Rondo, DER STANDARD, 27.4.2012)

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Zum Teil

wunderbar schöne Kleider, besonders die beiden bodenlangen in "nude" Farbe.
Ich halte DiCaprio (außer in dem unsäglichen Kitschschinken TITANIC) für einen ganz exzellenten Schauspieler, aber ob er diese herablassende Arroganz, diese Dekadenz, diese überhebliche Distance so spielen kann, wie Redford...? Es bleibt zu erwarten, wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich dieses Remake überhaupt anschaue, da ich den Original Gatsby liebte, dieser episch breit angelegte Langweiler, der aber mit jeder Einstellung wunderbar war. Außerdem hatte ich mir den Film, nach lesen des Buches annähernd so vorgestellt gehabt. Und Redford und Farrow verkörperten meine Phantasie total.

:) ich seh

das aehnlich, fuerchte aber, es ist vor allem eine Altersfrage. Di Caprio ist Jhg 74; Redford ein 37er. Er ist also das aelter, was ich aelter als Di Caprio bin ( keinen Exkurs hier ueber das woertchen "was", wenn ich bitten darf). Als 18jaehriger kannst dir einen Enddreisziger zum Vorbild nehmen, aber umgekehrt ?

Witzigerweise

waren/sind beide Schauspieler 38, die Figur des Gatsbys darstellend.
Ich verstehe was Sie meinen. Auf einen Nenner gebracht, Sie sind ein zu alter Dackel, um Leo DiCaprio als Vorbild zu nehmen, was ich sehr gut nachvollziehen kann. ;o)

:) ja

so ungefaehr, auch wenn man es sich schoen rechnen kann u. sagen ein +/- 40jaehrgier in den 1920ern ist mit einem Mittfuenfziger 2012 vergleichbar, musz man doch fest "nachkalkulieren", dasz das hinkommt

Da scheiden sich einmal unsere Geister.
Ich fand sowohl den Film wie auch den Redford überhaupt und erst recht jetzt den Di Caprio einfach nur langweilig.
Aber OK, das ist Geschmackssache.
Ich muß diese Bilderbogenfilme überhaupt nicht haben.
Allerdings verstehe ich jetzt, was den Herrn Poldi geprägt hat.;-)

Die mag ich ja eh auch

sehr gerne, sowie auch z.B. Sean Penn.

...ich wußte, ich hab einen meiner Lieblinge vergessen...

Ich weiß,

drum habe ich ihn ja auch als Gemeinsamkeit genannt.

P.S. Gab VOR der unsäglichen Titanic

ganz ausgezeichnete Filme mit DiCaprio, "What's eating Gilbert Grape", in dem er einen geistig zurückgebliebenen Buben gespenstisch gut und überzeugend darstellte, in "This boy's life", mit einem unglaublich sadistischen De Niro, "Romeo und Julia" in moderner Fassung mit den Shakespear'schen Originaltexten - in all diesen Filmen war er ganz besonders gut. Man konnte erkennen, daß er einmal zu den Großen zählen wird. Natürlich hat er auch Mist gemacht (Titanic, die Insel) - aber wer machte das nicht?

Das ist sicher richtig, er ist für mich trotzdem dieser Buberltyp, wie auch z.B.der Brad Pitt, den ich erst in "Babel" zum ersten Mal ernst nehmen konnte.

Babel

war ganz allgemein ein großartiger Film, schon alleine die unterschiedlichen Erzählungsstränge, die dann letztlich zusammenlaufen.

Immer nur Gleichklang ist fad,

erst die Friktion machts spannend. ;o)

Ja eh, ich gönne Ihnen den Redford und den Di Caprio und bleib lieber bei De Niro und Nicholson.;-)

hoffentlich ist die neuverfilmung etwas prickelnder als die alte mit robert redford. die habe ich nämlich als NUR schön in erinnerung. und schön alleine kann leider sehr langweilig sein.

ja, a bissi fad war die alte Verfilmung schon. aber die Kostüme und sonst alles optische waren dermassen schön, dass mir eigentlich nicht langweilig war (habe mir kürzlich wieder mal die alte version angeschaut ...also, nur ein mann wie robert retford kann einen baby-rosa-anzug tragen ohne lächerlich zu wirken.

babyrosa anzug ist mein stichwort:
hat wer gestern willkommen österreich gesehen? gast alexander marcus, den ich nicht kannte, er parodiert den schlagermusikstil. jedenfalls trug er eine zuckerlrosa hose im aktuellen stil und eine blaue kapitänsjacke mit riesenepauletten und rosa applikationen. sehr witzig und ziemlich durchgeknallt!

übrigens, vor dem 1. WK war rosa eine bubenfarbe ('kleines rot'). so ändert sich die wahrnehmung.

habe ich nicht gesehen... worauf ich mich beziehe, ist dieser anzug:
http://thefashioneaste.files.wordpress.com/2012/03/g... tsby54.png

wow! der fliederfarbene links daneben ist aber auch nicht ohne. nicht zu vergessen die schuhe, chic!

:) naja

wohl eine Altersfrage

geist- und modemäßig ist gegen die goldenen zwanziger nichts einzuwenden. auf den schwarzen freitag und dem tanz auf dem vulkan will ich allerdings gerne verzichten.

ich denke

so ein tänzchen auf einem vulkan kann ganz schön heiß sein.

könnten sie vielleicht etwas konkreter werden, wir warten gespannt!

"wir"?

wollen sie eine polonaise tanzen? ich dachte bisher, sie sind nur eine.

wir, pluralis majestatis ... aber das lenkt von meiner frage ab.

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