Israels Armeechef widerspricht Netanyahu

Benny Gantz: Bau einer Atombombe unwahrscheinlich

Jerusalem- Israels Armeechef General Benny Gantz rechnet nach eigenen Worten nicht damit, dass der Iran eine Atomwaffe bauen wird. "Der Iran nähert sich schrittweise dem Punkt, wo er eine Entscheidung darüber treffen kann, ob er eine Atombombe bauen will", sagte der General in einem Interview mit der Zeitung "Haaretz", das am Mittwoch veröffentlicht wurde. Teheran habe aber noch nicht entschieden, ob es diesen zusätzlichen Schritt gehen werde. Der oberste politische und geistliche Führer, Ayatollah Ali Khamenei, würde einen großen Fehler machen, wenn er so weit ginge, sagte Gantz. Er glaube aber nicht, dass Khamenei diesen Weg beschreiten werde. Er gehe davon aus, dass die iranische Führung aus rational denkenden Menschen bestehe.

Mit seiner Ansicht steht Gantz offenbar im Widerspruch zu Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Dieser warnte mehrfach, dass die iranischen Führer zur Atomwaffe greifen könnten, auch unter dem Risiko eines vernichtenden Vergeltungsschlages. Netanyahu hatte in einem CNN-Interview kürzlich erklärt, er würde, wenn es um die Sicherheit der Welt gehe, nicht auf ein vernünftiges Verhalten des Iran wetten. Ein militant islamisches Regime könne seine Ideologie vor sein Überleben stellen. Gantz hatte zuletzt eine Ausweitung geheimer Militäreinsätze in feindlichen Staaten angekündigt. Der 53-jährige General, der die erfolglose Libanon-Offensive im Sommer 2006 befehligt hatte, löste 2011 Generalstabschef Gaby Ashkenazi ab. Zu seinen prominenten Vorgängern gehören neben Moshe Dayan die ehemaligen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin und Ehud Barak. (APA/Reuters, 26.4.2012)

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