Mut statt Konserve

  • Vikings Kicker Sebastian Daum tanzt mit Philipp Magreiter (36) und Florian Hueter (2) den neuen Wiener "Fake Punt-Tango". Die Tiroler rutschten am glatten Parkett der Hohen Warte aus. Der Erzfeind führt das Feld nun an.
    foto: herbert kratky/photokratky.com

    Vikings Kicker Sebastian Daum tanzt mit Philipp Magreiter (36) und Florian Hueter (2) den neuen Wiener "Fake Punt-Tango". Die Tiroler rutschten am glatten Parkett der Hohen Warte aus. Der Erzfeind führt das Feld nun an.

Während die Vikings in der Bundesliga mit Risiko die Spitze eroberten, geht es am kommenden Wochenende in Innsbruck um Platz zwei und in Wien um Doppelt oder Nichts

Dass das Spitzenspiel der letzten Runde - Vikings vs. Raiders - sich heute seine Bezeichnung mit der Partie in Prag teilen muss, das war so nicht zu erwarten. Die Prague Panthers brachten die JCL Giants Graz an den Rand einer Niederlage, bevor, wie in Wien, den Mutigen dann wieder einmal die Welt gehörte.

Im Spiel der beiden ungeschlagenen Mannschaften taten sich die Raiffeisen Vikings gegen die Swarco Raiders als am Ende verdienter Sieger hervor. 17:15 schlugen die Wiener die Tiroler, ein Ergebnis, welches den Gästen doch ein wenig schmeichelt. Zumindest nach Betrachtung der Wiederholung des Spiels Montagnacht drängt sich mir diese Erkenntnis auf. Die Raiders profitierten nicht nur von einer Reihe böser Drops der Vikings Receiver, sondern auch von der ein oder anderen Entscheidung der Referee-Crew, deren Kette immer nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied.

Mit entschieden hat das Spiel dann u.a. aber der Mut der Vikings. Bei einem Stand von 0:0 und 4th & 8 an der eigenen 35 einen Punt Fake zu spielen, das ist vor allem für die als Konservativlinge verschrienen Vikings doch eher ungewöhnlich. Vikings Headcoach Chris Calacay ist in der Rolle des Hasardeurs für mich neu, er gefällt mir in dieser aber, was wiederum opportun ist, weil es ja geklappt hat. Bei einem Turnover On Downs würde hier die Frage stehen, was er sich dabei eigentlich gedacht hat. So sind wir Schreibtischtäter halt. Immer gescheiter am Ende als die anderen.

Sebastian Daum lief jedenfalls zur Freude der 3.200 Zuschauer zum 1st Down an die 47, Runningback Dusty Thornhill im Play danach 53 Yards in die Raiders Endzone. Zwar konterten die Raiders mit einem Touchdown von Talib Wise und einer 2-Point Conversion auf Florian Grein als Gegenstatement zum 8:7 aus ihrer Sicht (eine Nachricht von Raiders Headcoach Shuan Fatah an Calaycay zum Punt Fake?), die Offensive der Wiener blieb aber über den Rest des Spiels gefährlicher und mit 341 zu 231 Yards auch deutlich effektiver als jene der Raiders. Daum und Thornhill spielten nach der Pause in der Regenpartie einen Vorsprung von zwei Possessions heraus, der bis anderthalb Minuten vor Ende hielt. Der zweite Touchdown von Wise konnte das Ergebnis für die Tiroler nur mehr kosmetisch korrigieren, da den darauf folgenden Onside Kick die Hausherren eroberten und sich damit den Sieg und die Tabellenführung holten.

Bitte positiv bleiben

Auch in Prag hieß der Sieger Mut. Die Giants fuhren als klare Favoriten in die tschechische Metropole und wurden dort von einer hochmotivierten Panthers Mannschaft empfangen, welche sich den Frust von der 0:55 Heimschlappe gegen die Vikings in der Vorwoche von der Seele lief. Runningback Amos Allen (vier Touchdowns) tat dies vor allem und sein kongenialer Partner Quarterback Justin Walz steuerte einen Passing Touchdown auf den einmal mehr herausragenden Receiver Jan Dundacek (zehn Receptions für 138 Yards) bei.

Die Tschechen führten Sekunden vor Ende der Partie mit 35:28, bevor Chris Gunn zuerst die Endzone der Tschechen zum 34:35 aus seiner Sicht besuchte und im Anschluss die Conversion auf Armando Ponce de Leon zum 36:35 Sieg warf. Ein Call von Giants Headcoach Nick Johansen, wie er auch von seinem Vorgänger Rick Rhoades hätte kommen können. Mit dem Unterschied, dass PdL den Ball dann wohl hätte fallen lassen. Johansen wurde in der Vorwoche nach dem Spielen in Stadlau von Kollegen gefragt, wie das denn nun so sei mit der Defense der Grazer, die gegen die nicht allzu berühmte Dragons Offense damals schon 35 Punkte kassierte und gab eine überraschende Antwort. Der Gegner spielt immerhin auch Football und man solle ihm bitte positiv formulierte Fragen stellen. Also welche zur Offense am besten. Das wird angesichts des Prag Spiels wohl ein frommer Wunsch bleiben. Die Panthers haben 63 ihrer bisher insgesamt 106 Punkte gegen Graz gemacht, die Dragons erzielten gegen das Tabellenschlusslicht Rangers gerade einen Touchdown mehr als gegen die Giants. Wenn Defense wirklich Championships gewinnt, dann wird das Jahr für Graz erneut eines ohne Titel.

Nächste Woche geht es für die Giants am Tivoli gegen die Swarco Raiders um den zweiten Tabellenplatz und da wird es die Offense alleine nicht mehr richten können. Step Up Defense, oder am Tivoli jubelt das Heimteam.

Verbessert, wieder einmal

Die Rangers erzielten auch in ihrem fünften Spiel in Folge in der Bundesliga keine Punkte. Die Danube Dragons nutzten den Ausflug nach Wiener Neudorf später auch zum Test vor dem Ernstfall am kommenden Wochenende gegen Prag. Runningback Tunde Ogun fand südlich von Wien endlich eine Defense, die ihm das Langlaufen ermöglichte und wurde dann auch noch als Cornerback gebracht. Die Rangers sahen nach dem 0:41 erneut Verbesserungen bei sich. Erstmals heuer in der generischen Redzone, kickte man ein Fieldgoal in die Hände der Dragons und war damit Punkten so nah wie noch nie. Allerdings habe man jetzt auf Grund der Ausfälle ein Problem mit der Defense.

Die größte Gefahr, die derzeit von Mödling ausgeht, ist aber wohl, dass irgendwem ein Textbaustein auf den Kopf fällt. Nächste Woche besuchen die Vikings das Stadion in Wiener Neudorf. Es besteht die Aussicht auf grandioses Wetter (Sonne, 28 Grad), damit gleichzeitig auf viele Zuschauer aus Wien. Ob es allerdings gegen diese Vikings Defense viel Redzone Action auf Seiten der Rangers Offense zu sehen gibt, das darf bezweifelt werden. Möglich ist allerdings, dass die Wiener vor der Bye Week bereits ihre Starter früh vom Feld nehmen. Vielleicht wird es dann doch noch was mit dem ersten Bundesliga-Score der Mödlinger.

Next up

Für die Dragons und Panthers geht es nächste Woche in einem einzigen Spiel um die Qualifikation für das EFL Viertelfinale und womöglich auch schon um den Einzug in das Playoff der Austrian Football League. Die Wiener gewannen das Hinspiel in Prag nach einem 10:33-Rückstand zur Pause noch mit 37:33. Die Konstellation ist jedenfalls interessant. Bei einem Sieg der Dragons sind sie im EFL Viertelfinale und zu 99 Prozent auch im Playoff der AFL. Sollten die Panthers mit weniger als fünf Punkten Unterschied gewinnen, dann stünden sie zwar im Viertelfinale der EFL, würden aber vermutlich die Post Season der AFL verpassen.

Warum dieses eine Spiel überhaupt für zwei, genau gesagt eigentlich für drei Spiele zählt, plus andere Ungereimtheiten auf internationaler Ebene, das erfahren Sie hier am Donnerstag.(Walter Reiterer, 25.4.2012)

AFL WOCHE 6
Statistik

Swarco Raiders Tirol vs. JCL Giants Graz
28. April 2012 14:15 Uhr, Tivoli Stadion Innsbruck
LIVE auf ORF SPORT + Samstag 28 April 14:15 Uhr

Danube Dragons vs. Prague Panthers
29. April 2012 15:00 Uhr, Stadion Stadlau Wien

Kornmesser Rangers vs. Raiffeisen Vikings Vienna
29. April 2012 16:00 Uhr, Stadion Wiener Neudorf

Ergebnisse Woche 5:

Raiffeisen Vikings Vienna vs. Swarco Raiders Tirol 17:15

Prague Panthers vs. JCL Giants Graz 35:36

Kornmesser Rangers vs. Danube Dragons 0:41

Tabelle:
1. Raiffeisen Vikings Vienna 5-0
2. Swarco Raiders Tirol 4-1
3. JCL Giants Graz 4-1
4. Danube Dragons 2-3
5. Prague Panthers 0-4
6. Kornmesser Rangers 0-5

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