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Kolumne | Florian Scheuba, 25. April 2012, 19:35

Das leidige Problem der Parteienfinanzierung könnte gelöst werden, wenn das in den Mandataren schlummernde Potenzial versilbert wird

Norbert Darabos und Dorothea Schittenhelm. Man muss selbst im tiefen Tal der österreichischen Innenpolitik lange suchen, um zwei Namen und Persönlichkeiten mit vergleichbarer Strahlkraft zu finden. Ein gemeinsames Anliegen hat die beiden nun endlich zusammen finden lassen. Der SPÖ-Verteidigungsminister und die Vorsitzende der ÖVP-Frauen machen sich Sorgen um den guten Ruf heimischer Politiker. Ein Schulterschluss über die Parteigrenzen hinweg, der so wirkt, als würden Fußballer von Kapfenberg und Wiener Neustadt vor einem Verlust der spielerischen Qualität in der österreichischen Bundesliga warnen.

Als Gegenmaßnahme verkündet das neue Power-Couple der großen Koalition jedoch nicht seinen Rückzug aus der Politik, sondern fordert ein rasches Ende des parlamentarischen Korruptions-Untersuchungsausschusses. Eine verblüffende Idee, vergleichbar mit dem Vorschlag, ein hartes Ei durch langes Sieden wieder weich zu kochen.

Natürlich kann man über Sinn und Nutzen des Ausschusses geteilter Meinung sein, doch auch seine schärfsten Kritiker müssen zugeben, dass er neue Erkenntnisse gebracht hat. Zum Beispiel im kommunikationswissenschaftlichen Forschungsbereich "Kreative Ausreden": " Alle meine Leistungen waren mündlich", "Ich finde meine Unterlagen nicht mehr", "Ich habe mir einen neuen Computer gekauft und die Dateien vom alten nicht überspielt", "Die Polizei hat die Unterlagen von meinem Laptop gelöscht".

Das muss einem erst einmal einfallen. Und sogar der Universal-Klassiker " Ich kann mich nicht mehr erinnern" wurde sprachartistisch zu "Ich habe keine Wahrnehmung" verfeinert - eine Aussage, deren prinzipiellen Wahrheitsgehalt man ihrem Urheber Hubert Gorbach sogar abnimmt.

Doch möglicherweise wird sich die Suche nach fantasievollen Ausflüchten in Zukunft erübrigen. Die ultimative Ausrede für korruptionsverdächtige Politiker ist nämlich bereits gefunden. Wir verdanken sie Martin Himmelbauer, Sprecher der Casinos Austria, der Zahlungen seines Unternehmens für eine Wahlveranstaltung Willi Molterers mit dem dadurch erzielten "Werbewert" rechtfertigte.

Politiker sind also in Wahrheit Werbeträger! Das erklärt alles. EADS hat sich offensichtlich den ehemaligen Notstandshilfeempfänger Herbert Scheibner als Testimonial ausgesucht um zu zeigen, dass auch ein Rüstungskonzern soziale Kompetenz haben kann. Die Telekom setzte mit Hubert Gorbach scheinbar ganz bewusst auf durch ihn evozierte Festnetz-Assoziationen wie "lange Leitung" oder auch auf selbiger zu stehen. Und Novomatic wollte vermutlich eine zielgruppenorientierte Kampagne zum Thema "Der Dumme hat's Glück" mit Walter Meischberger schmücken.

Das leidige Problem der Parteienfinanzierung könnte mit einem Schlag gelöst sein, wenn die Fraktionen sich endlich offiziell dazu bekennen würden, das diesbezüglich in ihren Mandataren schlummernde Potenzial zu versilbern. Dass dabei jemand übrig bleibt, ist nicht zu befürchten. Wenn sogar Willi Molterer einen "Werbewert" hatte, braucht man sich um eventuelle Ladenhüter keine Sorgen zu machen. Nicht einmal um Norbert Darabos und Dorothea Schittenhelm. (Florian Scheuba, DER STANDARD, 26.4.2012)

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30.000 Euro Belohnung

Für Hinweise und/oder Beweise, die im Fall Novomatic im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität zu einer rechtskräftigen gerichtlichen Verurteilung wegen einer Vorsatztat führen, ist eine Belohnung von 30.000 Euro ausgesetzt.
www.organisierte-kriminalitaet.at

es ist immer wieder eine Freude ihre Kolumne zu lesen Hr. Scheuba.
uns aber nur alle zwei Wochen mit Nachschub zu versorgen, grenzt fast schon an Grausamkeit...

das hätten die gerne

und ohne Gerichte und den Richterberuf wären alle Korruptions und Kriminalitätsfälle aus den Statistiken.

putziger Satire, die das Leben schreibt

Für

meinen geschmack etwas plumpe satire....das sind einfach namen, nach dem zufallsprinzip ausgewählt...oder krampfiger text, rundum ein paar namen, welche kein zufall, sondern ausgewählt sind....es ist dann der kontext eher mühsam hergestellt worden....

Lesen

und verstehen lernen. Vgl. Pisa Test.

ein auszug aus dem wahren leben..

aber leider nur ein auszug, wo politiker vorkommen.
ganz leicht gestreift wird die wirtschaft.
und ganz ausser acht gelassen werden die bürger.

doch das eine geht nicht ohne das andere, das sind die berühmten kommunzierenden röhren: je höher der wasserstand in der einen, desto höher auch in den anderen. und je tiefer oder mieser die moral in der einen röhre, desto mieser auch in den anderen.

ich kann ja verstehen, dass sie gern die einen (die politiker) bashen und den anderen (den lesern hier) das goderl kratzen. aber es ist genau so sinnlos wie ein schaas im wald.
die politik wird sich nämlich erst dann ändern, wenn sich auch die bürger zu akzeptablen menschen rückentwickeln!

wirklich gut gelungen

bitte mehr davon :D

Vom ersten Satz an köstlich bis zum lezten!

Hihihi :)

köstlicher Artikel

Danke Herr Scheuba!!!

Wo bitte bleibt die Bewertungsmöglichkeit für Artikel? Scheuba würde einen neuen Grün-Rekord aufstellen!!

Ich würde mir zwar wieder einmal ein andere Thema

wünschen, aber ich hab herzhaft lachen müssen. Und das tue ich selten alleine vor dem Computer...
Und schon gar bei einem so grauslichen Thema!
Danke.

Die Fekter wäre für die Frolic-Werbung interessant. Erinnert mich an einen kleinen Kläffer der immer stänkert.

Böse... wirklich böse.

Aber wahr - und guuut!

Hr. Scheuba, bitte mehr davon ;)

Meine Verehrung Herr Scheuba.

Dieser Text ist brillant!

scheint als müßten kolumnen nicht den beschwerlichen weg durch die zensur gehen.

die ewige

Zensurjammerei ist langweilig und nervig!

ausgezeichneter artikel, wie immer

allein dass der unendlich dumme unternehmenssprecher von casinos austria zitiert wird, ist ausdruck, dass in diesem artikel ausschließlich dummheit im zentrum steht. was noch fehlt: ostermayer, rudas und noch viele andere namen.

Großartig wie immer

Ja

da waren ja richtige Wuchtln dabei :-)

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Das ist doch der Spruch, der manchmal über der Pissmuschel zu finden ist ;-)

Im Artikel steht, Scheibner wäre ein ehemaliger Notstandshilfeempfänger.

Ist das wahr oder Satire?

Meiner Erinnerung nach: Ja
Er war als Arbeitsloser nicht vermittelbar da er immer wieder von parteinahen Firmenchefs Einstelungszusagen vorweisen konnte. Gearbeitet hat er aber nie.

Erst als ein ein Mandat im Nationalrat erreichte begann das süsse Leben!

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