Kraftwerksbau in Steyr droht Aus

25. April 2012, 18:51
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Die Aussicht auf Erfolg schwindet für die Ennskraftwerke. Für ein neues Wasserkraftwerk in Steyr will ein Eigentümer seine Insel nicht verkaufen. Zudem wurde beim Land Oberösterreich ein Gegenprojekt angemeldet

Steyr - Schriftlich hat die Besitzerfamilie Hrad jetzt die Ennskraftwerke ersucht, "die Sachlage bei Kontakt mit Medien richtig darzulegen". Das Unternehmen will, wie im Standard berichtet, an der Rederbrücke in Steyr ein Kleinwasserkraftwerk errichten. Dafür benötigt es Gründe der Rederinsel. Die Insel gehört jedoch den Hrads, die nicht daran denken, sich von ihr zu trennen. Somit droht dem Bauvorhaben das Aus.

"Ich weise Sie ausdrücklich noch ein Mal darauf hin, dass die Rederinsel keinesfalls, weder als Ganzes noch in Teilabschnitten, für einen Verkauf zur Verfügung steht", heißt es in dem Schreiben. Auch nach zwei Verhandlungsgesprächen habe sich daran nichts geändert, will die Besitzerfamilie nochmal in aller Deutlichkeit klarstellen.

"Nur weil die Familie Hrad Nein gesagt hat, können wir das Projekt nicht einfach stoppen", erklärt Unternehmenssprecherin Michaela Steinparz. So laufen die Vorarbeiten weiter, denn im Herbst soll das Projekt zur Umweltverträglichkeitsprüfung beim Land Oberösterreich eingereiht werden. Dass die Situation jetzt "ernst" sei, streitet Steinparz aber nicht ab. Man suche deshalb weiter das Gespräch mit der Familie, die wiederum betont, ihre "Einstellung" nicht ändern zu wollen. Damit bliebe nur noch der Weg der Zwangsenteignung, den aber die Ennskraftwerke nicht gehen wollen, wie die Sprecherin meint.

Geldverschwendung

Dass das Unternehmen trotz der offenbar aussichtslosen Lage weiter plane, empört die Bürgerinitiative (BI) "Rettet die fließende Enns". Sie spricht von Geldverschwendung. Schon jetzt wurden mehrere hundertausend Euro in Vorarbeiten für einen Bau gesteckt, zu dem sich selbst die Ennskraftwerke bisher eher verhalten geäußert haben. Vorstandsdirektor Hans Balber etwa spricht in Bezug auf die Rentabilität des mit 23 Millionen Euro veranschlagten Kleinkraftwerks von "keinem berauschenden Projekt". Dafür das letzte freie Fließstück der Enns zu "opfern", dagegen wehrt sich die BI.

Für das Unternehmen ist der Gegenwind damit noch stärker geworden. Anfang des Jahres hatte beim Land ein Techniker ein Konkurrenzprojekt an der bereits vorhandenen Haindlmühl-Wehr angemeldet. "Es wird wohl zu einem Widerstreitverfahren kommen", erläutert Umweltlandesrat Rudi Anschober. Nach der Verkaufsabsage der Familie Hrad haben sich die Chancen für die Ennskraftwerke nicht verbessert.

Treibende Kraft für dessen Bau ist die Stadt Steyr. Gerald Hackl, Bürgermeister und Aufsichtsrat der Ennskratfwerke, will die Staustufe, um das historische Stadtbild von Steyr wiederherzustellen. Seit für den Hochwasserschutz die Enns tiefergelegt wurde, bilden sich bei Niedrigwasser größere Schotterbänke. Für Hackl ein "Schandfleck", der im Rückstau des Kraftwerks an der Rederbrücke verschwinden würde. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, 26.4.2012)

  • Die Planungen für das Kraftwerk an der Rederbrücke gehen weiter, auch wenn das Projekt auf der Kippe steht.
    montage: ennskraftwerke

    Die Planungen für das Kraftwerk an der Rederbrücke gehen weiter, auch wenn das Projekt auf der Kippe steht.

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