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Der US-australische Unternehmer Rupert Murdoch spielte seinen Einfluss auf die britische Politik herunter. "Ich habe nie einen Premierminister um irgendetwas gebeten", sagte der Chairman und CEO der Medien-Holding News Corporation am Mittwoch vor der unabhängigen Medienkommission in London. Aussagen seines Sohnes James hatten Dienstagabend zu Rücktrittsforderungen gegen Medienminister Jeremy Hunt geführt. Premier David Cameron nahm diesen in Schutz, räumte aber ein: "Wir haben uns parteiübergreifend zu sehr bei Murdoch eingeschmeichelt."
Verhältnis zwischen Medien, Politik und Polizei
Der Ausschuss unter Leitung von Lordrichter Brian Leveson geht seit Monaten dem Verhältnis zwischen Medien, Politik und Polizei auf den Grund. Er wurde im Sommer 2011 eingesetzt, nachdem bei Zeitungen der britischen NewsCorp-Tochter News International (NI) weitverbreitetes kriminelles Verhalten festgestellt worden war. Murdoch stellte deshalb die News of the World (NoW) ein. Scotland Yard nahm drei Dutzend NI-Mitarbeiter wegen Justizbehinderung, fraglicher Geldflüsse an Amtspersonen und Datenschutzverletzungen fest, demnächst sollen Anklagen folgen. TV-Aufseher Ofcom geht Vorwürfen nach, der von Murdoch kontrollierte Bezahlsender Sky habe sich illegal Zugriff auf E-Mails verschafft, um einen Konkurrenten schädigen.
Das hochlukrative Satellitenunternehmen (jüngster Jahresumsatz: 1 Mrd. Pfund) gehört zu 39 Prozent News Corp. 2010 versuchte der Murdoch-Konzern, die Firma ganz zu übernehmen, was eine Genehmigung der Regierung voraussetzte. Im Vorfeld stand Medienminister Hunt in engem Kontakt mit dem James Murdoch, damals Sky-Chairman, und dessen Beratern. Allzu eng, glaubt Labour. Hunt zwang seinen Berater zum Rücktritt, beteuerte aber die eigene Unschuld. Rupert Murdoch bestritt am Mittwoch einen Zusammenhang zwischen Sky und seiner Unterstützung der konservativen Partei.
In Gesprächen mit Politikern habe er nie kommerzielle Interessen verfolgt. Der 81-Jährige räumte politischen Einfluss auf die Boulevard-Blätter NoW und The Sun ein. Diese hatten in den Siebzigern Labour unterstützt, dann die Tory-Premiers Margaret Thatcher und John Major, bis Tony Blairs Reformen die Arbeiterpartei wieder attraktiv machten. Jahrzehntelang unternahmen britische Politiker alles, um den Pressezaren zu beeindrucken.
Umschmeichelter Medienzar
Labour-Premier Tony Blair (1997-2007) flog um die halbe Welt, um vor Spitzenmanagern von NewsCorp zu sprechen. Nachfolger Gordon Brown (2007-2010) warb verzweifelt um die Gunst des Verlegers; die Premiersgattin Sarah lud NI-Geschäftsführerin Rebekah Brooks zu Pyjama-Parties auf den Landsitz von Chequers ein. Der konservative amtierende Premier Cameron ging mit Brooks reiten; bis Sommer 2011 war Murdoch oft Gast in der Downing Street - allerdings durch die Hintertür, wie der Verleger vor der Leveson-Kommission berichtete. Seine Befragung geht heute, Donnerstag, weiter. (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, 26.4.2012)
Kommentar
Rupert Murdoch vor U-Ausschuss
Grund sind Uneinigkeiten zwischen Regierung und Zeitungsverlagen
Konzept beruht zum Teil auf Vorschlägen eines richterlichen Ausschusses - Erste Details
Erstmals auch Journalisten der Mirror-Zeitungsgruppe ins Visier der Ermittler - Drei Festnahmen
Lordrichter Brian Leveson untersuchte die britischen Medienskandale - und fordert einen neuen Presserat, der auch strafen kann - Großbritanniens Parteien streiten, wie dieses Kontrollorgan künftig aussehen soll - Premier David Cameron ziert sich vorerst
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