Frauen erstmals auf Tribüne gesichtet

Saudi-Arabien überlegt einige Frauen in Olympia-Team aufzunehmen um einem Ausschluss vorzubeugen

Riad/Dammam - Fußballstadien gehörten in Saudi-Arabien bisher zu den Orten, zu denen Frauen keinen Zutritt hatten. Deshalb war das Erstaunen im Publikum groß, als am Dienstagabend vor einer Begegnung im Prinz-Mohammed-bin-Fahd-Stadion in der östlichen Stadt Dammam ein Vater mit seinen drei Töchtern auf der Tribüne Platz nahm.

Die saudische Zeitung "Al-Sharq" berichtete am Mittwoch, ein Techniker habe sich der Familie, die frühzeitig zu dem Spiel zwischen der lokalen Mannschaft Al-Ittifak und der kuwaitischen Mannschaft Al-Kuwait erschienen war, in den Weg gestellt. Doch dann habe sich der Sicherheitschef des Stadions eingeschaltet. Dieser ließ die Familie passieren. Noch vor Beginn der Partie, die mit einem 2:2 endete, ließen sich der Vater und seine Töchter für eine Lokalzeitung fotografieren. Zwei der Töchter trugen die für Frauen in Saudi-Arabien vorgeschriebenen schwarzen Gewänder und Kopftücher. Die dritte Tochter war im Sommerkleid erschienen.

Sport ist in Saudi-Arabien Männersache. Außerdem ist in dem islamischen Königreich die Trennung zwischen Männern und Frauen gesetzlich vorgeschrieben. Die einzigen Frauen, die bisher in einem saudischen Fußballstadion gesichtet wurden, waren Ausländerinnen, die mit einer ausländischen Mannschaft ins Land gekommen waren.

Noch nicht beendet ist die Diskussion um die Teilnahme von Saudi-Arabien an den Olympischen Spielen in London in diesem Sommer. Das Internationale Olympische Komitee hat den Saudis mit einem Ausschluss von den Spielen gedroht, falls sie mit einem rein männlichen Team anreisen sollten. Inzwischen wird in Riad überlegt, ob man einige saudische Frauen, die im Ausland studieren, ins Team aufnehmen soll.

In der saudischen Hafenstadt Dschidda wird derzeit das erste Fußballstadion mit speziellen, abgeriegelten Plätzen für "Familien" gebaut. Es soll 2014 fertig sein. Das Stadion soll auch einen getrennten Bereich für Journalistinnen haben. (APA, 25.4.2012)

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