QR-Codes als Marktlaune und der App-Friedhof

Über die Etablierung mobiler Standards, schizophrene Geschäftsentscheidungen und digitale Werbeerziehung

Bei der DMX Austria am Mittwoch stellten der ehemalige Nokia-Mitarbeiter Alexander Oswald, "Monitor"-Chefredakteur Markus Klaus-Eder und IQ mobile Geschäftsführer Harald Winkelhofer Fallstudien zu mobilen Werbemaßnahmen vor. Neben aktuellen Trends sorgte vor allem das Thema QR-Codes für Diskussionen mit dem Publikum.

„Wir haben in Asien gesehen, dass es einen QR-Code gibt und jetzt gibt es ihn in Europa eben auch", analysierte Winkelhofer nüchtern die Erfolgsgeschichte des QR-Codes. Natürlich würde der Barcode mit denselben Funktionen belegt werden können, sagte der Mobile-Kenner, er habe sich aber schlichtweg nicht durchgesetzt. Generell sei es wichtig zu erkennen, dass "wir wesentlich weiter sind, als wir selbst glauben. Herr und Frau Österreicher sind mobil unterwegs im Internet", meinte Winkelhofer. Schätzungen zufolge wurden bisher 300.000 QR-Reader in Österreich heruntergeladen.

Schizophrene Autraggeber

"Bei den Auftraggebern herrscht eine gewisse Schizophrenie", schilderte Oswald seine Erfahrungen, "für mobiles Marketing werden nur kleine Budgets zur Verfügung gestellt, für Apps hingegen locker fünfstellige Beträge". Diese Einstellung ist zu hinterfragen, wenn man bedenkt, dass 26 Prozent aller Apps nach dem Download nie und 28 Prozent nur einmal geöffnet werden. Fazit: Mehr als die Hälfte aller Apps vegetieren auf einem stark wachsenden App-Friedhof vor sich hin - besonders betroffen: Marken-Applikationen.

Erziehungsmaßnahmen

"Mehr Mut für was Neues", forderten die Experten am Podium, da gerade Österreich für Feldversuche durch seine hohe Smartphone-Penetration ein ideales Testgebiet darstelle. Dabei sei es allerdings wichtig, seine Kunden in digitalen Dingen zu erziehen, berichtete Klaus-Eder von den QR-Codes Erfahrungen der Fachzeitschrift "Monitor". Dem stimmte auch Winkelhofer zu: "Man sollte zu jeder Anzeige, die einen QR-Code verwendet, immer dazuschreiben, wie man einen Reader runterlädt. Fünfzig Prozent der Anzeigen vergessen darauf."

"And the winner is ..."

Fazit der Veranstaltung: Die Branche steht noch immer am Anfang und bisher konnte sich noch kein durchgängiger Standard etablieren, was sich laut Winkelhofer auf  regionale Unterschiede in der Nutzung und viele konkurrierende Player zurückführen lässt: "Viele gute Dinge bleiben liegen, man kann nicht abschätzen, was sich zuletzt durchsetzen wird." (tara, derStandard.at, 26.4.2012)

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