QR-Codes als Marktlaune und der App-Friedhof

26. April 2012, 12:32

Über die Etablierung mobiler Standards, schizophrene Geschäftsentscheidungen und digitale Werbeerziehung

Bei der DMX Austria am Mittwoch stellten der ehemalige Nokia-Mitarbeiter Alexander Oswald, "Monitor"-Chefredakteur Markus Klaus-Eder und IQ mobile Geschäftsführer Harald Winkelhofer Fallstudien zu mobilen Werbemaßnahmen vor. Neben aktuellen Trends sorgte vor allem das Thema QR-Codes für Diskussionen mit dem Publikum.

„Wir haben in Asien gesehen, dass es einen QR-Code gibt und jetzt gibt es ihn in Europa eben auch", analysierte Winkelhofer nüchtern die Erfolgsgeschichte des QR-Codes. Natürlich würde der Barcode mit denselben Funktionen belegt werden können, sagte der Mobile-Kenner, er habe sich aber schlichtweg nicht durchgesetzt. Generell sei es wichtig zu erkennen, dass "wir wesentlich weiter sind, als wir selbst glauben. Herr und Frau Österreicher sind mobil unterwegs im Internet", meinte Winkelhofer. Schätzungen zufolge wurden bisher 300.000 QR-Reader in Österreich heruntergeladen.

Schizophrene Autraggeber

"Bei den Auftraggebern herrscht eine gewisse Schizophrenie", schilderte Oswald seine Erfahrungen, "für mobiles Marketing werden nur kleine Budgets zur Verfügung gestellt, für Apps hingegen locker fünfstellige Beträge". Diese Einstellung ist zu hinterfragen, wenn man bedenkt, dass 26 Prozent aller Apps nach dem Download nie und 28 Prozent nur einmal geöffnet werden. Fazit: Mehr als die Hälfte aller Apps vegetieren auf einem stark wachsenden App-Friedhof vor sich hin - besonders betroffen: Marken-Applikationen.

Erziehungsmaßnahmen

"Mehr Mut für was Neues", forderten die Experten am Podium, da gerade Österreich für Feldversuche durch seine hohe Smartphone-Penetration ein ideales Testgebiet darstelle. Dabei sei es allerdings wichtig, seine Kunden in digitalen Dingen zu erziehen, berichtete Klaus-Eder von den QR-Codes Erfahrungen der Fachzeitschrift "Monitor". Dem stimmte auch Winkelhofer zu: "Man sollte zu jeder Anzeige, die einen QR-Code verwendet, immer dazuschreiben, wie man einen Reader runterlädt. Fünfzig Prozent der Anzeigen vergessen darauf."

"And the winner is ..."

Fazit der Veranstaltung: Die Branche steht noch immer am Anfang und bisher konnte sich noch kein durchgängiger Standard etablieren, was sich laut Winkelhofer auf  regionale Unterschiede in der Nutzung und viele konkurrierende Player zurückführen lässt: "Viele gute Dinge bleiben liegen, man kann nicht abschätzen, was sich zuletzt durchsetzen wird." (tara, derStandard.at, 26.4.2012)

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12 Postings
qr werden falsch interpretiert

in wahrheit sind das alles elfengesichter!
http://www.facebook.com/WorldOfSenoi

ich habe 'ne QR code reader seite

so online, via flash. http://miniqr.com/ und jetzt nach gut 3 jähriger beobachtung des QR codes markts.

1) qr codes erfüllen ein bedürfnis der firmen, sie erwarten sich a) mehr interaktion mit ihrer botschaft/werbung b) diese interaktion trackbar machen

2) qr codes erfüllen keinerlei bedürfnis der kunden/user

Punkt 2 stimmt meiner Meinung nach nicht: Das Scannen selbst hat einen spielerischen Aspekt und der Inhalt des QR-Codes muss ja nicht unbedingt ein Link sein, sondern könnte beispielsweise auch ein Text mit aha-Effekt sein, etc...

ad spielerischer effekt ... einer, der genau einmal interessant ist

ad ... aha ... effekt ... dafür hat man sein handy zucken müssen, seine handschuhe ausziehen, eine app starten und zielen müssen.

sorry, werber denken einfach nicht wie menschen

in der werbung hat der QR-Code meiner meinung nach nur sinn, wenn er entsprechend mit interessante inhalten mit zusatznutzen hinterlegt wird. ansonsten und somit meist er aber sinnlos.

ideal ist die verwendung bei zeitungsartikeln für weiterführende informationen und multimediainhalte.

Das Problem mit den QR Codes...

http://youtu.be/V2rVYvylvZc

Der Code war ja schon vor einigen Jahren kurz präsent (v.a. auf Werbeplakaten), jetzt dürfte es sich langsam rumsprechen/durchsetzen. Und es gibt durchaus sinnvolle Ideen die auch etwas bringen, bspw jene hier: http://qrfabrik.com/

Allerdings gibt es bei den Tausenden Code-Readern noch Unterschiede. Sobald Geräte standardmäßig mit einem funktionierendem Reader ausgestattet sind könnte es durchaus mehr werden, siehe auch hier:
http://www.zeit.de/digital/m... onlineshop

mittels qr code habe ich mal eine packung kaffee gewonnen...

...aber nie erhalten...
ich befürchte, so sehen die meisten österr. firmen mobile marketing.
man probiert´s halt aus, aber konzept und nachhaltigkeit sind nicht zu erkennen.

eine packung kaffee gewonnen... ...aber nie erhalten...

der meinl hatte zuletzt halt andere sorgen, als ihnen ihren kaffee zu schicken.
tsss.

QR-Codes - Beschäftigungstherapie für gelangweilte Smartphones

Leider landet man mit dem Code im besten Fall auf der Landingpage des Unternehmens, oft landet man aber einfach auf einem Online-Bild des Werbeplakates und nur in Ausnahmefällen verbirgt sich hinter dem QR-Code tatsächlich eine maßgeschneiderte Seite. Die Möglichkeiten die sich mit einem QR-Code ergeben wären ja vielfältig, leider scheint hierzulande die Fahnenstange der Kreativität erreicht zu sein, wenn man auf die Idee kommt einen QR-Code auf dem Werbeplakat hinzuzufügen.

Vollkommen richtig.

"Man sollte zu jeder Anzeige, die einen QR-Code verwendet, immer dazuschreiben, wie man einen Reader runterlädt."

Man könnte auch gleich den richtigen URL zur Anzeige dazuschreiben. Das ist sicher kürzer und einfacher als jede Erklärung über QR-Codes und wo man einen Reader herunterlädt (z.B., indem man im AppStore nach QR-Code sucht *d'oh*)

Stimme ihnen beiden vollkommen zu!

QR wurde in Österreich von Anfang an schlecht angegangen und ist deshalb ziemlich gescheitert, was scheitert verschwindet dann in einer Schublade oder wird halbherzig weitergeführt, aber verbessert wird da kaum mehr was - leider.

Grade der App-Wahnsinn ist in dem Bereich ein Fluch wie ich finde. Jede x-beliebige Firma lässt sich sündhaft teure Apps zusammenschustern die vom Leistungsumfang oft schlechter als die eigentliche Website sind, sowas lockt doch niemand ernsthaft vom Ofen hervor. Da versickert dann das Geld, dass man anderswo wirklich gut gebrauchen könnte.

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