Protest bei Mayr-Melnhof-Aktionärstreffen in Wien

  • Internationale Gewerkschaften machen gegen den Kartonhersteller Mayr-Melnhof mobil.
    foto: apa/herbert neubauer

    Internationale Gewerkschaften machen gegen den Kartonhersteller Mayr-Melnhof mobil.

Angebliche Aussperrungen und unrechtmäßige Entlassungen bei Werk-Schließung in Liverpool - Unternehmen weist Vorwürfe zurück

Wien - Wegen der Schließung eines Werks in Großbritannien haben Gewerkschafter aus dem In- und Ausland am Mittwoch vor der Hauptversammlung der börsenotierten Mayr-Melnhof Karton in der Wiener Innenstadt demonstriert. Ihre Kritik richtet sich gegen angebliche "Ungereimtheiten bei Abfertigungszahlungen", die "Missachtung gesetzlicher Konsultationsbestimmungen" sowie einige Fälle "ungerechtfertigter Entlassungen". Vorwürfe, man habe ungerechtfertigte oder gar illegale Maßnahmen ergriffen, wies ein Mayr-Melnhof-Sprecher zurück. Zuletzt hatte das Faltschachtel-Werk in Liverpool 109 Mitarbeiter beschäftigt, Ende März wurde - nach mehreren Restrukturierungsversuchen - das "Aus" verkündet.

Die Gewerkschaften GPA-djp und PRO-GE verurteilten am Mittwoch "die völlig überzogenen Reaktionen des Managements" und erklärten ihre Unterstützung für die Proteste der Gewerkschaften in Großbritannien sowie des bestehenden Europäischen Betriebsrats, dessen Mitwirkungsrechte bei der Werkssperrung ebenfalls nicht eingehalten worden seien. In Österreich habe man Mayr-Melnhof als Unternehmen kennengelernt, das sich hier "stets als korrekter Arbeitgeber mit Handschlagsqualität" erwiesen habe, umso irritierter sei man über das unsensible Vorgehen im Ausland. Die Demo fand unweit der Staatsoper beim Grand Hotel am Kärntner Ring statt, wo ab 10 Uhr die Mayr-Melnhof-HV abgehalten wurde.

Zahlung angeboten

Zu den Abfertigungs-Vorwürfen rund um die Schließung des Werks Liverpool hält Mayr-Melnhof fest, dass man den Mitarbeitern immer Zahlungen angeboten habe, die über dem gesetzlichen Minimum liegen. Zu der 90-tägigen Konsultationsfrist nach britischem Recht wird betont, dass sich derartige Gespräche erübrigt hätten, da die Schließung festgestanden sei; das hätte die Beschäftigten nur in falscher Hoffnung gewiegt. Und zu den insgesamt vier Entlassungen erklärt man, dass es hier schon davor unerfreuliche Vorkommnisse gegeben habe; Entlassungen setzten ja immer bestimmte Gründe voraus.

Die aufgrund der wirtschaftlichen Situation und der Marktentwicklung nötige Werksschließung habe sich schon länger abgezeichnet und sei nicht aus heiterem Himmel gekommen, wird seitens des Unternehmens betont. In mehreren Restrukturierungsschritten - 2008, 2010 und zur Jahreswende 2011/12 - habe man versucht, den Standort wettbewerbsfähiger zu machen. Letztlich sei es aber unvermeidlich gewesen, die Produktion in Liverpool zuzusperren. (APA, 25.4.2012)

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