"Federkrone des Montezuma": Verleihung denkbar

25. April 2012, 13:21
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Möglichkeit eines Kulturabkommens zwischen Österreich und Mexiko ohne Diskussion der Eigentumsverhältnisse

Wien - Ein neues Kulturabkommen zwischen Österreich und Mexiko könnte den langjährigen Streit um die im Österreichischen Museum für Völkerkunde befindliche sogenannte "Federkrone des Montezuma" entschärfen und den Weg für eine eventuelle Verleihung außer Landes ebnen. Das neue Abkommen (das alte stammte laut Angaben eines Sprechers des Kulturministeriums aus dem Jahr 1974) passierte am Dienstag den Ministerrat, ist aber von mexikanischer Seite noch nicht unterzeichnet. Es sieht als Kernpunkt den Abschluss von gegenseitigen, auf völkerrechtlicher Ebene international einklagbaren Leihverträgen vor. "Eigentumsverhältnisse stehen dabei in keiner Weise zur Diskussion", so der Sprecher.

Im Text des Abkommens wird die Federkrone zwar nicht explizit erwähnt. Dennoch wird den Versuchen, einen guten Weg aus der heiklen Frage zu finden, auch international große Aufmerksamkeit zuteil - schließlich sind speziell europäische Museen voller Objekten, die einst unter teils fragwürdigen Umständen in ihren Besitz gelangt sind. International einklagbare Leihverträge könnten nun die Lösung des Streits bedeuten - wobei noch unklar ist, ob jeder einzelne Vertrag von den jeweiligen Parlamenten zu ratifizieren sein wird oder Rahmenverträge geschlossen werden.

In jedem Fall sind noch einige Schritte bis zu der tatsächlichen Leihgabe der Federkopfschmucks notwendig. Neben den ausstehenden exakten rechtlichen Rahmenbedingungen ist auch die Prüfung der Transportfähigkeit noch nicht abgeschlossen: Erst wenn Gutachter dem Objekt unbedenkliche Reiseerlaubnis erteilen, könne es Grünes Licht für eine Leihgabe geben, heißt es aus dem Ministerium.

Das Objekt

Ob die "Federkrone des Montezuma" tatsächlich dem 1520 getöteten letzten Azteken-Herrscher  - eigentlich Moctezuma II. - gehört hat, ist umstritten. Der mit den grünen Federn des Quetzal-Vogels und Goldplättchen geschmückte "penacho" sei keine Herrscherkrone gewesen, sondern von aztekischen Priestern bei Ritualen getragen worden, heißt es seitens von Experten. Wie die Federkrone nach Europa gelangte, ist ungeklärt. Ein gutes Dutzend dieser Stücke soll im 16. Jahrhundert auf verschiedenen Wegen verschifft worden sein.

Der Wiener Federkopfschmuck scheint 1575 erstmals im Inventar der Kunstkammer des Grafen Ulrich von Montfort auf und ist 1590 durch Kauf in den Besitz von Erzherzog Ferdinand von Tirol übergegangen. 1880 ist der Kopfschmuck durch Tausch aus habsburgischem Familienbesitz an das Naturhistorische Museum gelangt, aus dessen anthropologisch-ethnographischer Abteilung 1928 das heutige Museum für Völkerkunde in Wien entstand.

Unbestritten ist dagegen, dass die Federkrone für Mexiko von großer Bedeutung ist und sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Interessengruppen und Politiker für eine Rückgabe eingesetzt haben. Zuletzt hatte sich die Diskussion auf eine Leihgabe des Objekts konzentriert. Man verstehe "den Wunsch Mexikos, die Krone dort zu zeigen", sagte KHM-Generaldirektorin Sabine Haag im Vorjahr. An eine Rückgabe an Mexiko, aber auch an eine Dauerleihgabe sei jedoch nicht gedacht. (APA/red, derStandard.at, 25.4.2012)

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