Erwin Pröll verteidigt den Semmering-Tunnel

25. April 2012, 09:02
94 Postings

Der einstige Projektgegner meint, die Experten hätten ihre Arbeit gemacht. Die da wäre: Klare Trassenführung und Umweltschutz

Der Bahntunnel im Semmering-Massiv wird nun nach 30 Jahren Verzögerung doch gebaut. Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP), der einst den Bau des Basistunnels blockierte, ist nun doch dafür. Die Gründe: Es gebe mehr Rücksicht auf das Grundwasser, zwei Röhren statt nur einer, und die alte Trasse des Weltkulturerbes Ghega-Bahn bleibe, wie Pröll im Ö1-"Morgenjournal" sagte.

Pröll: Politik braucht Klarheit

Dass er nicht schon früher an einer Lösung gearbeitet hat, erklärt Pröll im ORF-Radio damit, dass er "nicht der Experte" sei, es habe schließlich "13 oder 15 unterschiedliche Varianten" gegeben. "Wenn Sie mir zumuten, dass ich das überblicken hätte sollen, das ist ungefähr so, als wenn ich Ihnen zumuten würde, dass Sie über die Raumfahrt Bescheid wissen", erklärte der langjährige Landeshauptmann. Die Politik habe zu entscheiden, die Experten hätten sie darauf vorzubereiten. Wenn "die dazu nicht imstande wären, dann müsste man fragen, wozu werden die bezahlt", so Pröll.

Kein Prestigeprojekt

Verwehren will sich Pröll auch gegen den Vorwurf, Niederösterreich bastle mit dem Basistunnel an einem Großprojekt mit hohem Marketingwert. Von niederösterreichischer Seite sei der Semmering-Tunnel nie als Prestigeprojekt gesehen worden. Darum auch die genaue Prüfung: "Die Verfahren haben ihre eigene Sprache gesprochen."

Dass Verkehrswissenschaftler schon seit Jahren monieren, dass die langsame Zugsverbindung über die Ghega-Bahn der Region schadet, lässt Pröll nicht gelten: "Eine noch so hoch geschätzte Expertenmeinung hilft dann nichts, wenn die nächsten Generationen darunter unglaublich leiden." Anhaltende Proteste von Naturschützern wie der Alliance for Nature (AFN) lehnt Pröll dennoch ab: "Die Ergebnisse der Verfahren sind entscheidend und nicht, dass sich irgendjemand in der Öffentlichkeit auf Kosten eines Projekts profilieren will."

Spatenstich am Mittwoch

Die Spitze der Bundesregierung wird am Mittwoch in Gloggnitz mit ÖBB-Managern, steirischen und niederösterreichischen Landespolitikern den "Spatenstich" vornehmen. Damit alles auf Schiene zu sehen wäre aber voreilig. Das Jahrhundertprojekt Semmeringtunnel wartet noch auf das rechtliche Ja aus der Steiermark. Dass es dennoch schon zum öffentlichkeitswirksamen Baustart kommt, stellt für die AFN einen "Staatsstreich" dar (hier geht es zu einem detaillierten Bericht). (red, derStandard.at, 25.4.2012)

  • Artikelbild
    foto: standard/cremer
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.