Klingende Balkan-Bilder

24. April 2012, 20:25
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Das Wiener Balkan-Fever-Festival wagt einen Neustart: mit Stars wie Theodosii Spassov und Milcho Leviev, aber auch mit Neuentdeckungen

Wien - Die schöpferische Festival-Pause des Jahres 2011 hätte gut ins Bild des abflauenden Balkanmusik-Booms gepasst. Schließlich sind bald 20 Jahre ins Land gezogen, seit in Westeuropa die ersten Roma-Kapellen mit ihrer Hochgeschwindigkeitsblasmusik dem Publikum die Gehörgänge durchpusteten und Balkan-Soul-Diven wohlige Weltschmerzgesänge anstimmten. Mittlerweile scheint sich der Musikmarkt hier doch langsam der Stufe der Sättigung zu nähern.

Doch die Geschichte von Balkan Fever geht weiter, und das ist gut so: 2012 erlebt das 2004 gegründete, von Richard Schuberth und Joro Dermendjiev organisierte Festival, das seinen Teil dazu beigetragen hat, dass das Wörtchen "Balkan" in Wien heute mit Stolz in den Mund genommen wird, einen Neustart.

Und das mit einem Programm, das viele bekannte Namen beinhaltet, das aber auch zarte Ansätze erkennen lässt, die auf Volksmusik und Folk-Jazz ausgerichteten Erwartungshaltungen unterlaufen zu wollen, etwa in Gestalt der exzentrischen serbischen Formation Pero Defformero aus Novi Sad, die elegische Vokallinien mit rauem Rock unterfüttert (4. 5., Replugged). Oder des Soul-Motion-Projekts von Sängerin Natasa Mirkovic und Bassist Nenad Vasilic, die in Österreich nicht unbedingt als Augenbrauenheber geltenden Jugo-Pop-Hits aus den 1980ern ein spritziges Remake verpassen (27. 4., Porgy & Bess).

Freunde traditioneller Kost werden u. a. beim Gastspiel der rumänischen Fanfare Shukar (28. 4., Ost Klub) und des Folk Quintets des bulgarischen Kaval-Virtuosen Theodosii Spassov auf ihre Rechnung kommen (5. 5., Ost Klub), Jazzfans bei Bulgariens Pianistenlegende Milcho Leviev, der mit Saxofonist Chico Freeman anreist (13. 5., Porgy & Bess). Die Eröffnung bestreitet donnerstags der Sänger und Oud-Meister Haig Yazdjian in der Sargfabrik. (Andreas Felber, DER STANDARD, 24.4.2012)

26. 4. - 13. 5., diverse Orte

  • Unterfüttert elegische Vokallinien mit rauem Schwermetaller-Rock: die 
exzentrische Formation Pero Defformero aus Novi Sad.
    foto: pero defformero

    Unterfüttert elegische Vokallinien mit rauem Schwermetaller-Rock: die exzentrische Formation Pero Defformero aus Novi Sad.

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