"Selbstverbrennung ist die letzte Maßnahme - aus Verzweiflung"

Interview | Julia Raabe, 25. April 2012, 06:15
  • Tsewang Nyima: Wollen keine Trennung von China, sondern Autonomie.
    foto: standard/matthias cremer

    Tsewang Nyima: Wollen keine Trennung von China, sondern Autonomie.

Der Gelehrte Tsewang Nyima über Selbstverbrennungen von Mönchen und den Status quo

Das geistige Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, wird Mitte Mai Österreich besuchen. Der Gelehrte Tsewang Nyima berichtet im Gespräch mit Julia Raabe von Pekings Polizisten und der Angst vor einem Untergang der tibetischen Kultur.

STANDARD: Seit März 2011 hat es über 30 Selbstverbrennungen von tibetischen Mönchen und Nonnen gegeben. Warum?

Nyima: Sie sind verzweifelt, weil die tibetische Kultur zugrunde geht (schluchzt). Selbstverbrennungen sind die letzte Maßnahme, um Aufmerksamkeit auf Tibet zu lenken. Die Lage hat sich seit 2008 dort sehr verschlechtert. Massendemonstrationen werden im Keim erstickt. Selbstverbrennungen können die Chinesen dagegen kaum kontrollieren.

STANDARD: 2008 gab es teilweise gewaltsame Proteste von Tibetern gegen die chinesische Herrschaft ...

Nyima: ... und die Olympischen Spiele in China. Seitdem sind in den Städten und in der Umgebung der Klöster in Tibet viele Soldaten und zivile Polizisten stationiert, die eine scharfe Kontrolle ausüben. Wer nur einen Hauch Negatives über China sagt, muss fürchten, festgenommen zu werden.

STANDARD: Haben die Selbstverbrennungen etwas bewirkt?

Nyima: Für die Verbreitung der politischen Situation war es sehr hilfreich, weil man jetzt darüber spricht und viele Menschen sich fragen, was in Tibet geschieht. Aber nun ist es wichtig, dass die Regierungen darauf reagieren und Tibet politisch mehr unterstützen - auch gegenüber China.

STANDARD: Wie vollzieht sich der Untergang der tibetischen Kultur?

Nyima: Zum Beispiel über die Sprache. Tibetisch wird in Privatschulen von der ersten bis zur sechsten Klasse angeboten, an weiterführenden Schulen kaum. Wer die höheren Universitäten besuchen will, muss sich auf Chinesisch konzentrieren. Kinder, die zuerst Tibetisch lernen, sind da im Nachteil. In der Alltagssprache sind viele Begriffe durch chinesische verdrängt worden. Und die Mönche in den Klöstern haben politische Unterweisungen und werden dazu gezwungen, sich gegen den Dalai Lama zu stellen.

STANDARD: Glauben Sie, dass eine gemeinsame Lösung des Konflikts mit den Chinesen möglich ist?

Nyima: Wir wollen keine Trennung von Chinesen und Tibetern, das ist auch nicht mehr möglich. Aber wir wollen eine Autonomie, sodass Tibet von den Tibetern regiert wird, ohne dass Chinas Führung von Peking aus mitredet. Aber wegen der chinesischen Unterwanderung drängt die Zeit.

STANDARD: Was erwarten Sie von der neuen chinesischen Führung, die im Herbst antritt?

Nyima: Der Wechsel könnte etwas verbessern, weil die neue Führung mehr westliche Kontakte hat und vielleicht weltoffener ist. (Julia Raabe, DER STANDARD, 25.4.2012)

Tsewang Nyima (74) ist ein hochrangiger Gelehrter des tibetischen Buddhismus. Er wurde in der tibetischen Hauptstadt Lhasa geboren und floh im Zuge des Tibetaufstands 1959 ins Exil. Seine Ausbildung zum geistigen Lehrer begann er mit neun Jahren. 1980 wurde ihm der höchste Titel des "Geshe Lharampa" verliehen. Er lehrt u. a. im Thosamling-Kloster nahe Dharamsala in Indien.

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jössas

schon wieder ein grinsemönch. das aktiviert bei allerlei lesern natürlich sofort ihren kulturrassistischen exotismus. jaja, als diese grinseasiaten noch unterm dalai lama in einem feudalistischen system lebten, mit hände abschlagen und allem was dazu gehört, war ja alles noch total supidupi und auch so faszinierend fremd. böse chinesen!

Wo habt Ihr sie bloss alle versteckt?

Seltsam, in Tibet müsste es doch anhand ihrer Behauptungen ziemlich viele Einarmige oder Einbeinige Leute geben - wo sind sie denn nur alle?

Während meiner Anreise nach Tibet über China zeigte ein angebliches Opfer seinen Armstumpf und erzählte eine rührende Geschichte. Nach 6 Jahren wurde wieder genau der gleiche Mann als Opfer präsentiert.

Die Zustände in Tibet in 1950 unterschieden sich kaum von jenen in den umliegenden Ländern. Die Frage, welches Land zeitgleich die grausamsten Strafen hatte, dürfte China fraglos für sich entscheiden.

Die chin. Parteikader haben jede Grausamkeit, die sich in der Historie Tibets in mehreren Jahrhunderten finden ließ - ob phantasiert oder real - zu einem "so war Tibet vor 1950" hochstilisiert.

Seltsam, in Tibet müsste es doch anhand ihrer Behauptungen ziemlich viele Einarmige oder Einbeinige Leute geben - wo sind sie denn nur alle?

die gibts nimmer, weil die tibetaner zum glückschon vor jahrzehnten durch china befreit wurden.

Die "Befreier" verursachten Millionen Opfer

Zunächst einmal ist ein Tibetaner ein Teppich. Sollten Sie die Menschen im tibetischen Hochland meinen - die werden Tibeter genannt.

Es gibt in chin. Museen zahlreiche Fotos und Gegenstände. Die meisten Wissenschaftler ordnen allerdings die traditionelle Kleidung auf den Fotos einer anderen Epoche zu. Die chin. Parteikader weigern sich selbstverständlich, die Fotos oder "Reliquien" hinsichtlich ihres Alters untersuchen zu lassen.

Die Kulturrevolution mit Millionen Opfern als "Befreiung" darzustellen, ist an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten.

Tibet - the story of a tragedy
http://www.youtube.com/watch?v=0VRneGYpaXc

naja, Befreiung von Gütern und Leben, das ists.

Nachdem die Chinesen die Bevölkerung in Tibet vor diesen grausamen Mönchen befreit hat, wird es nicht mehr viele Leute geben, die davon betroffen sind.

vollkommen richtig. aber das interessiert die kulturrassistischen exotismus-freaks doch nicht!

"weißt, die sind halt anders, gell!"

Wer befreit die Tibeter von den chin. Schergen?

Nach 60 Jahren gibt es angeblich keine lebenden Opfer mehr? Das wird in Israel sicher ganz anders gesehen.

Aber gut, gehen wir in die überaus zahlreichen Details der Propaganda: im Potala-Palast wird dem geneigten Zuhörer die Räubergeschichte aufgetischt, die Mönche hätten Tibeter in einen Keller voller Skorpione gesperrt, welche den armen Opfern qualvoll das Blut ausgesaugt hätten. Es weiß ja jeder, dass genau das ein typisches Verhalten von Skorpionen ist, nicht wahr?

Preisfrage 1: und wer befreit nun die Tibeter von der grausamen Folter der Militärschergen?

Preisfrage 2: wann wurde das letzte Todesurteil in Tibet dokumentiert? Wann wurde (offiziell) das letzte Todesurteil in China durch Linghi (Tod der tausend Schnitte) vollstreckt?

zu Frage 2:
Aus religiösen Gründen gab es im alten Tibel keine Todesurteile. Man hat die Leute nur soweit verstümmelt, dass sie fast tot waren. Wenn die dann später daran gestorben sind war es einfach das schlechte Karma. Also selber schuld. Eine der grausamsten Dinge die so eine Religion hervorbringen kann.

Dass die Chinesen damit Schluss gemacht haben dürfen wir ruhig als Befreiung sehen.

"Befreiung" durch Folterknechte?

Das kam im alten Tibet leider vor, ja. Nach meinen Recherchen ist das zum letzten Mal 1908 passiert. Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt wurde (offiziell) das letzte Todesurteil durch das barbarische Lingchi vollstreckt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lingchi

Aber richten wir doch den Fokus auf das "hier und jetzt". Es ist seit vielen Jahren üblich, dass von chin. Militärschergen gefolterte Tibeter ihren Angehörigen übergeben werden, wenn es absehbar ist, dass sie an ihren Verletzungen sterben werden. Ein Eintrag "im Gefängnis verstorben" macht sich eben in der "Statistik" nicht so gut.

Noch einmal meine Frage: wer befreit nun die Tibeter von den Grausamkeiten der chin. Folter-Schergen? Die Tibeter sind ja vom Regen in die Traufe gekommen.

Wenn wir noch bedenken, unter welchen unmenschlichen schlechten Bedingungen die Tibeter gelebt haben, häufig in einem Stall zusammen mit Tieren in Fäkalien, werden die meisten Tibeter recht froh sein, heute modernere Wohnungen zu haben.
Probleme haben da vermutlich nur die aus jener kleinen Kaste, die früher nichts arbeiten brauchten und sich erhalten haben lassen.

Es gibt da niemanden zu befreien.

Tibet ist heute das Paradies auf Erden?

Menschen, die stets genau zu wissen glauben, was sich ein ganzes Volk angeblich wünscht, welches schon seit 60 Jahren nicht mehr gefragt wurde, sind bestenfalls suspekt. Sie sind doch selbst auch nur so ein notorischer "Befreier".

Es gibt also heute kein Unrecht mehr in Tibet? Sie möchten ernsthaft leugnen, dass dort Folter immer noch weit verbreitete Praxis ist?

http://www.dailynet.de/Internati... /33126.php
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/TCH... _26.6.html

Es ist schon erstaunlich, wie weit die üblichen Diktatoren-Versteher mit ihrer Propaganda bereit sind, zu gehen.

Die meisten Tibeter wünschen sich sehnlichst ihren "Sklaventreiber" zurück. Das mag Ihnen nicht gefallen, ist aber Realität in Tibet.

Dass ein ganzes Volk etwas will ist ohnehin recht grob ausgelegt. Von vielen Menschen will vermutlich jeder was anderes. Ich denke aber nicht, dass die Tibeter die rückständigen Verhältnisse aus der Macht der Lamas wieder haben wollen.
Ich nehme an, dass die schlaueren Tibeter die neuen Freiheiten nutzen und nach Wohlstand streben, wie der Rest der Welt auch.

Folter und Repression war machtlos ...

Ihre Annahmen aus ihrem westlichen Blickwinkel heraus beziehen sich auf "die meisten Tibeter" - also die Mehrheit des tibetischen Volkes?

Als nach 1959 die erste Delegation Exiltibeter einreisen durften, hatten die chin. Kader große Angst, die Leute würden die Besucher sofort lynchen aufgrund der jahrelangen, massiven Hetzkampagnen. Heerscharen Tibeter sind angereist. Viele weinten einfach nur vor Freude.

Die Parteikader haben das absolut nicht verstanden, so wie es auch Ihnen nicht zugänglich sein wird. Jahrzehnte Folter und Repression konnte den tiefen Glauben vieler Tibeter nicht erschüttern.

Der Dalai Lama hat 1.000 Mal bewiesen, dass in seinem Verantwortungsbereich keine rückständigen Verhältnisse zu erwarten sind - so what?

Wo bitte sehen Sie wen grinsen?

auf den gedanken, dass ich den weitverbreiteten kulturrassismus karikiere, sind Sie offensichtlich nicht gekommen.

Danke an den Standard für dieses Interview und alle Berichte über Tibet!

Atheisten wirken oft fanatischer als Kleriker

Viele "Atheisten" wirken um ein Vielfaches fanatischer und engstirniger, als jene Kleriker, welche sie nach eigenem Bekunden so sehr hassen.

die chinesische regierung will seit 20 jahren eigentlich ueberall nur ihre ruhe haben. erst die instrumentalisierung des lamaismus und des islam zu politischen zwecken macht diese religionen, die sonst stabilisatoren waeren, zu gegnern.
was aber viel interessanter ist, ist die aufteilung der sympathie der massenmedien fuer bestimmte unabhaengigkeitsbestrebungen. und das massenmedien weltweit seit obama sozusagen gleichgeschaltet sind.

Ich finde diese Haltung der budhistischen Mönche einfach unverschämt und unbuddhistisch.

Echte Mönche und Nonnen im Buddhismus tun alles, um sich von den Illusionen der Materie zu LÖSEN und ein Leben in Meditation zu verbringen. In diesen Lehren hat Politik nicht das Geringste zu suchen!

Man muss davon ausgehen, dass der Dalai Lama von diesen Aktionen weiß, sie billigt und nicht untersagt. Womit er sich selbst als alles, nur kein buddhistisch religöser Mensch, entlarvt. Es geht hier rein um politische Macht, sonst nichts.

Als Buddhist sollte er auch an die Wiedergeburt glauben, und daher sind die Völker, in die man abwechselnd (!) inkarniert, komplett unbedeutend!

Zudem gehörte Tibet als Vasallenstaat seit Jahrhunderten zu China (!), ausgenommen zur kommunistischen Zeit. Heute sind 2/3 der Bevölkerung da Chinesen.

"unverschämt und unbuddhistisch" Ist das ironisch gemeint?
"Als Buddhist sollte er auch an die Wiedergeburt glauben" Als Buddhist soll man an gar nichts glauben, nicht einmal die Worte Buddhas, man soll alles nachprüfen.

Geh bitte! Die wollen doch nur Aufmerksamkeit!

Genau, wenn er mit dem Verbrennen fertig ist, aufstehen und nachhause gehen. Wichtig ist doch nur, dass man sieht, dass er sich verbrannt hat.
Wie dämlich kann man sein??

Ich finds auch ziemlich dämlich. Ich würde an deren Stelle einen anderen Weg wählen, meine Meinung kund zu tun. Ein Tatoo vielleicht. Das kann man sich übrigens auch einbrennen lassen!

Oder mit weißem Garn

auf ein weißes T-Shirt sticken: "Fuck you, China"!

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