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Der Semmeringtunnel soll die 1854 eröffnete Ghega-Bahn, die den alten 20-Schilling-Schein zierte, entlasten.
vergrößern 600x477Auch wenn die Spitze der Bundesregierung mit ÖBB-Managern, steirischen und niederösterreichischen Landespolitikern heute, Mittwoch, frohgemut ins Erdreich buddelt, um mit einem "Spatenstich" zu signalisieren, das Jahrhundertprojekt "Semmeringtunnel" sei auf Schiene: Der Schein trügt.
Das Milliardenprojekt hat eine (mit Beschwerden beim Verwaltungsgerichtshof eingedeckte) Umweltverträglichkeitsprüfung absolviert und steht auch sonst ohne wichtige Genehmigungen da. Umweltschützer, allen voran die Landschaftsschutzorganisation "Alliance for Nature" (AFN), die maßgeblich dazu beigetragen hat, die Ghega-Bahn samt 8800 Hektar Umgebung unter Unesco-Weltkulturerbe-Schutz zu zu bringen, machen jetzt richtig Dampf. Denn in der Steiermark begann erst vor fünf Tagen das große Genehmigungsverfahren. Die Kundmachung erfolgte - versteckt via Homepage der Landesregierung - und hat es in sich, geht es doch um Genehmigungen gemäß Wasserrecht, Abfallrecht, Denkmalschutz und Luftrecht (wegen der Errichtung einer 110-KV-Leitung).
Bis 1. Juni können in Graz Einwendungen in deponiert werden. In Niederösterreich sind noch naturschutzrechtliche Einsprüche anhängig. AFN-Generalsekretär Christian Schuhböck: "Dieser Spatenstich ist eine politische Show, um zu suggerieren, dass das Tunnelprojekt fixiert ist, es ist ein Staatsstreich, das steirische Großverfahren ist ja noch offen."
Entscheidende Frage
Abseits dieser von offizieller Seite ignorierten Probleme blieb auch die entscheidende Frage bis heute ausgespart: Was bringt es Österreich, wenn Container in Danzig auf dem Zug durch Österreich gekarrt und im slowenischen Koper auf ein Schiff verfrachtet werden?
Tausende Arbeitsplätze und Milliarden an Wertschöpfung, trommeln Bundesregierung, ÖBB, Bauindustrie und Landespolitiker. Die sogenannte "Baltisch-Adriatische Achse" von Polen bis zum Mittelmeer sei von immenser Bedeutung, weil diese transeuropäische Eisenbahnverbindung - Kritiker sprechen mangels Verkehrsaufkommen, Bedarf und Investitionen in Polen und Tschechien von einem Phantom - Wirtschaftskraft bringe und daher Österreich nicht umfahren dürfe.
So überzeugt sind freilich nur der Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler (dessen Vorgänger Jörg Haider sich das ebenso umstrittene Semmering-Schwester-Projekt Koralmtunnel von Schwarz-Blau herausgepresst hatte) und Konsorten. In der EU-Kommission ist die baltisch-adriatische Achse keineswegs unumstritten, insbesondere was deren finanzielle Dotierung mit Förderungen betrifft. Ihr gelten Semmering- und Koralmtunnel eher als innerösterreichische Prestigeprojekte, die mit anderen Nord-Süd-Korridoren konkurrieren, allen voran Brenner- und Ungarn-Achse - denen bereits in der Monarchie der Vorzug gegeben wurde. Es war der legendäre steirische Erzherzog Johann, der in den 1820er Jahren die Semmeringbahn gegen Wien durchsetzte - für Erz- und Kohletransporte.
Nun entzweit der Semmering erneut. Die EU-Kommission budgetiert für 2014 bis 2020 rund 30 Milliarden für Verkehrsinfrastruktur. Definiert sie Semmering- und Koralm nicht wie erhofft als "Flaschenhals", sieht es schlecht aus mit Förderungen von 20 bis 30 Prozent für die beiden Projekte, warnte EU-Parlamentarier Hubert Pirker (VP) vor der Sitzung des Verkehrs- und Industrieausschusses im EU-Parlament am Dienstag.
Beim Semmering wären dann eine Milliarde Euro perdu, bei der Koralm 1,7 Milliarden. Überzeugungsarbeit ist gefragt. Ohne Mehrheit keine Aufnahme in die TEN-Prioritätenliste. Das wird nicht einfach, Polen und die Baltischen Staaten priorisieren eine Anbindung an die Ostsee. Im Verkehrsministerium schwärmt man dennoch: Jeder investierte Euro bringe fünf Euro Wachstum und sichere pro Jahr 10.000 Jobs. (Walter Müller, Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 25.4.2012)
Volkswirtschaftliche Vorteile machen laut Infrasturkturministerin hohe Kosten für Semmering-Basistunnel wett
Großkoalitionäre Eintracht von Franz Voves und Erwin Pröll. Opposition wettert gegen "Kuhhandel"
Der einstige Projektgegner meint, die Experten hätten ihre Arbeit gemacht. Die da wäre: Klare Trassenführung und Umweltschutz
wenn man in wien in den zug steigt und zwei stunden später in graz aussteigt, statt, wie bisher erst nach zweieinhalb?
wenn die fahrzeit zwischen der größten und der zweitgrößten stadt des landes schrittweise auf 90 minuten (verglichen zu 180 min auf der A2) gesenkt wird?
vermutlich einen anstieg der passagierzahlen auf der südbahnstrecke mit allen positiven nebeneffekten.
"Es war der legendäre steirische Erzherzog Johann, der in den 1820er Jahren die Semmeringbahn gegen Wien durchsetzte - für Erz- und Kohletransporte."
Es war um 1840. In den 1820er Jahren war die Eisenbahn in Oesterreich nicht existent (erste Bahnlinie wurde 1837 eroeffnet). Die Bahn wurde ueber den Semmering gebaut, da das Militaer darauf bestand, das ungarische Flachland zu vermeiden (es gab ja schon damals Spannungen mit Ungarn - nicht erst 1866) ...
http://derstandard.at/133479612... huldenloch
und, und, und....
Da wird mit 30-JAHRE alten Kostenschätzungen verglichen, die sich auf ein ANDERES PROJEKT bezogen. Auch die Kosten für die Sanierung der BESTANDSTRECKE werden angeführt.
Tatsächlich gibt es bei den aktuellen ÖBB-Tunnel-Projekten (Wienerwald- und Lainzer-Tunnel) keine wesentlichen Kostenüberschreitungen.
Die Baltisch-Adriatische Achse ist ein Zusatzargument für das Projekt. Der Semmering-Tunell wäre selbst dann wichtig und richtig, wenn es keine Baltisch-Adriatische Achse gäbe. Er lässt sich schon alleine durch das innerösterreichische Verkehrspotential rechtfertigen.
Die entscheidende Frage ist: Will man eine zweite Eisenbahn-Hauptachse wie die (ausgebaute) Westbahn, die den Straßenverkehr tatsächlich etwas entgegenhalten kann? Oder ist man damit zufrieden, dass die Eisenbahnverbindung Wien-Graz auch in Zukunft bloß eine zweitrangige Verkehrsachse bleibt?
Hat schon jemals jemand gefragt, was es der Westbahn bringe, wenn Container von München nach Budapest verfrachtet werden? Bei der Südbahn wird diese Frage aber gestellt. Was soll denn das? Es geht doch in erster Linie darum, dass auch die südlichen Bundesländer an das Hochleistungsbahnsystem angeschlossen werden und nicht nur die nördlichen.
pro investiertem euro 10.000 jobs pro jahr gesichert - das nenn ich rendite!!!
daher: bittschön noch viel mehr tunnels bauen! etwa salzburg-villach, wien klosterneuburg (unterm leopoldsberg), die tunneltransversale wien-stockerau (bisamberg)...
Ich hab das Gefühl, dass "Umweltschützer" ein Bahn-Projekt stürzen wollen um sich dann wieder aufregen zu können, dass jeder mit dem Auto fährt.
Ähnliche Bespiele gibts bei Wind- und Wasserkraftprojekten, die oft nicht realisiert werden können, weil "Umweltschützer" null Eingriffe in die Natur erlauben und dann lieber mit Öl und Kohle weiterheitzen...
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