Die Umgebung des Tumors stören

24. April 2012, 17:48
posten

Fionnuala Margreiter organisiert von Innsbruck aus das EU-Krebsprojekt Optatio

Wenn man in Tirol Fionnuala heißt, ist man ziemlich sicher nicht von dort, auch wenn der Nachname Margreiter ist. Tatsächlich stammt Fionnuala Margreiter aus Irland. Nach Tirol verschlug es sie vor sieben Jahren, wo sie seitdem internationale Projekte am Cemit (Center of Excellence in Medicine and IT) Innsbruck leitet.

Sprachlich anpassungsfähig musste die 1971 geborene Irin immer schon sein: Bei ihr zu Hause wurde fast nur Irisch bzw. Gälisch gesprochen, erst mit dem Schuleintritt lernte sie Englisch. Deutsch lernte sie später auch ein wenig, was ihr aber bei der Übersiedlung in die österreichischen Berge laut eigener Aussage nicht viel genützt hat. "Am Anfang war das ein bisschen schwierig", erinnert sie sich, "aber in den EU-Projekten ging es gut, weil da ohnehin alles auf Englisch ist." Mittlerweile spricht sie auch die Landessprache fließend.

Ihr Studium der Biologie an der University of Ulster (Nordirland) schloss sie mit einer Dissertation über die Ökologie von Austern ab, wobei sie während deren Endphase bereits als Biologielehrerin arbeitete. In der Folge war sie in verschiedenen Funktionen tätig, darunter als Fischerei- oder als Regionalentwicklungsbeauftragte, ehe sie bei einem Skiurlaub in Tirol ihren jetzigen Mann kennenlernte und nach Österreich übersiedelte. Die Vielseitigkeit und grenzübergreifende Natur ihrer Tätigkeit auf Basis eines naturwissenschaftlichen Studiums trug wesentlich dazu bei, dass sie von Femtech, einer Initiative des Verkehrsministeriums, zur Expertin des Monats gewählt wurde.

Seit 2005 managt sie EU- und internationale Biowissenschaftsprojekte am Innsbrucker Cemit. Das Unternehmen organisiert Forschung und Innovation, übernimmt also, wie Margreiter es formuliert, "alles, was nicht reine Forschung ist und die richtigen Leute zusammenbringt" - dabei spannt sich der Bogen von der Antragstellung über die Projektkommunikation, Recht, Finanzen, Personal und Infrastruktur bis zur Öffentlichkeitsarbeit. Seit Jänner betreut Margreiter das EU-Projekt Optatio (Optimizing Targets and Therapeutics in High Risk and Refractory Multiple Myeloma), dessen Ziel es ist, neue Strategien gegen das Multiple Myelom, eine Krebserkrankung des Knochenmarks, zu finden.

Konkret geht es bei Optatio darum, eine Therapie zu entwickeln, die erstmals nicht nur auf die Krebszellen selbst abzielt, sondern auf die unmittelbare Umgebung von Tumoren: Diese bilden oft eine Art "geschützte Nische", in denen sich der Krebs unbehelligt vermehren kann.

Dieses Zusammenspiel zwischen den Krebszellen und ihrer Umgebung soll im Laufe des Projekts, das wissenschaftlich an der Medizinischen Universität Innsbruck (Koordinator Wolfgang Willenbacher) angesiedelt ist, gestört werden. Als Mutter zweier Kleinkinder arbeitet Margreiter derzeit zwei Tage im Büro (plus Home-Office) - eine Möglichkeit, die sie in Irland, wo es nur sechs Monate Karenzzeit gibt, nicht hätte.

Das ist, wie sie sagt, sehr angenehm, aber eine zu ausgedehnte Pause will sie auch nicht einlegen. "Zwei Jahre Auszeit sind zu lang", ist sie überzeugt, "das hilft der eigenen Karriere nicht." Denn: "Es ist wichtig, dass Frauen die Möglichkeit haben, nach der Familiengründung ihre Karriere fortzusetzen, aber sie sollten sich selbst dafür einsetzen." (Susanne Strnadl, DER STANDARD, 25.4.2012)

  • Fionnuala Margreiter ist Expertin des Monats April.
    foto: cemit

    Fionnuala Margreiter ist Expertin des Monats April.

Share if you care.