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vergrößern 500x333Zwei SS-Leute machen Pause von der Arbeit im Konzentrationslager Mauthausen (Datum unbekannt). Ein irritierendes Zeugnis des KZ-"Alltags".
Die Augen geschlossen, mit völlig entspannten Gesichtszügen, weit zurückgelehnt in ihren Stühlen, sitzen zwei junge Männer an einer Hauswand und genießen die Mittagssonne. Eine fast beschauliche Szenerie, würde sie sich nicht vor dem Hintergrund entsetzlicher Verbrechen abspielen. Es handelt sich um zwei SS-Leute, die offensichtlich eine Pause machen - von ihrem Dienst im KZ Mauthausen. Das Foto wirkt wie ein Trugbild angesichts der bekannten Bilder von schuftenden, ausgemergelten und getöteten Häftlingen.
"Das Bild ist deswegen so beunruhigend, weil es das Exotische vom KZ-Personal nimmt", sagt Bertrand Perz, Zeithistoriker an der Universität Wien. "Es zeigt: Auch im KZ herrschte so etwas wie Normalität." Wie sich der "Arbeitsalltag" im Konzentrationslager Mauthausen gestaltete, wie sich das Personal zusammensetzte und wie das Lager organisiert war, will eine Forschungsgruppe rund um Perz in einem vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützen Projekt zur "Lager-SS Mauthausen" zutage bringen.
Dabei gehen die Historiker neue Wege in der Täterforschung: Diese befasste sich lange Zeit vor allem mit der Rekonstruktion einzelner Biografien. Zahlreiche TV-Dokus rückten in den letzten Jahren eine emotionalisierte, ins Voyeuristische abdriftende Perspektive auf das Privatleben der Täter in den Vordergrund. "Es gibt kaum Studien, die sich im Detail mit dem gesamten Personal im KZ und dem komplexen Beziehungsgeflecht innerhalb und nach außen auseinandersetzen", sagt Perz. Letztlich geht es darum, "das Leben vor Ort vor dem Hintergrund der enormen Gewalt zu betrachten - das für das SS-Personal nicht so viel anders war als im Rest der Gesellschaft." Eine Erkenntnis, die einen weiteren Puzzlestein für die Erklärung der kaum fassbaren Verbrechen liefern könnte. Von den 200.000 Menschen, die zwischen der Errichtung im August 1938 und der Befreiung am 5. Mai 1945 nach Mauthausen deportiert wurden, überlebte nur die Hälfte.
Keine Randexistenzen
Seit Anfang 2011 durchforsten Perz und seine Mitarbeiter Christian Rabl, Stefan Hördler und Magdalena Frühmann zigtausende Aktenseiten, um die Strukturen dieser Zweigstelle in einem Konzern der Ausbeutung und Vernichtung nachzuzeichnen. Enge Kontakte wurden sowohl mit der Zentrale in Oranienburg als auch mit örtlichen Behörden gepflegt. Als Quelle dienen die Bestände der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, SS-Personalakten aus dem Bundesarchiv Berlin und internationale Archive. Eine ergiebige Fundgrube stellen Gerichtsakten aus Nachkriegsprozessen dar, persönliche Dokumente und Erinnerungen des KZ-Personals sind eher dürftig.
"Man kann davon ausgehen, dass die Lager-SS aus der Mitte der Gesellschaft kam und nicht - wie oft angenommen - aus Randexistenzen bestand", sagt Perz. "Das KZ-Personal war sehr heterogen: Arbeiter, Mittelschicht, Gewerbe, Akademiker - alles war vertreten."
Im Frühjahr 1945 erreichte die ständige Expansion einen Höhepunkt: 10. 000 Bewacher waren im Mauthausen-Komplex samt Nebenlagern beschäftigt - fast doppelt so viele wie in Auschwitz. Während sich der Kommandaturstab durchgängig aus der SS rekrutierte, wurden die Wachmannschaften anfangs von den sogenannten SS-Totenkopfverbänden gestellt und ab 1942 durch junge Männer aus deutschsprachigen Volksgruppen in Rumänien, Ungarn und Jugoslawien verstärkt. Ab 1944 wurden Wehrmachtssoldaten eingesetzt.
Gegen Kriegsende war das Spektrum groß: 150 "Trawnikis" - in Kriegsgefangenenlager angeworbene Ukrainer, die in Vernichtungslagern in Ostpolen am Judenmord beteiligt waren - waren genauso wie Theaterschauspieler und Feuerwehrleute zur Bewachung der Häftlinge abgestellt. Zivilisten und Hilfskräfte arbeiteten ständig in der KZ-Verwaltung, in der SS-Firma "Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH", die die Steinbrüche betrieb, und für Rüstungsfirmen wie Steyr-Daimler-Puch. Ab Herbst 1944 gab es Aufseherinnen für die Frauenlager.
"In der Täterforschung spielt der situative Moment eine große Rolle. In einer bestimmten Gruppe und Umgebung lassen sich Menschen relativ leicht zu Gewaltbereitschaft bewegen", erklärt Perz eine These. "Wenn es dann auch einen Referenzrahmen gibt, in dem Gewaltausübung und Töten in Arbeit transformiert wird und so zur Normalität wird, entlastet das die Täter."
Die Häftlinge bei der Arbeit anzutreiben, zu kontrollieren, sie zu quälen, zu drangsalieren und zu töten war Teil eines Systems, in dem Gewalt der Normalfall war und das auch durch privilegierte Funktionshäftlinge getragen werden musste. Außerhalb dieser Gewalttätigkeit gestaltete sich der Alltag ähnlich wie in einer Kaserne. Die KZ-Belegschaft lebte je nach Rang mit ihren Familien in SS-Siedlungen, in Untermiete auf Bauernhöfen oder in Baracken, heiratete in die lokale Bevölkerung ein, schickte ihre Kinder in die Dorfschule, pflegte Liebesbeziehungen und war eingebunden in die örtliche Gemeinschaft.
Vernetzung nach außen
"Die Lager-SS nahm an Skimeisterschaften in Hinterstoder teil und spielte in der Regionalliga Fußball", berichtet Perz über die Vernetzung nach außen. "In St. Georgen an der Gusen gingen die Leute aus dem Dorf zum SS-Zahnarzt des Lagers." Besonders gut sind Konflikte dokumentiert: Sie reichen von harmloseren Fällen wie Wirtshausschlägereien und Vaterschaftsklagen bis hin zu einzelnen Gewaltausbrüchen von SS-Offizieren. Die Historiker analysieren auch die ökonomische Situation in der Lagerhierarchie. "Der Schwarzmarkt spielte eine große Rolle", sagt Perz.
Im Fokus der Forscher steht außerdem die Zeit nach der Befreiung: "Vom Kommandanturstab wurden viele vor Gericht gestellt. Die Reintegration der unteren Ränge verlief im Großen und Ganzen sang- und klanglos", sagt Bertrand Perz. "Die Masse an Wachleuten kehrte wieder in ihre Berufe zurück." Rund 300 Mauthausener Täter waren bei den Dachauer Prozessen angeklagt worden, viele lebenslänglich Verurteilte wurden spätestens 1955 entlassen. Darüber, wie groß die Bereitschaft der Gesellschaft war, die Nazi-Verbrecher wieder aufzunehmen, geben Gnadengesuche für Angeklagte Auskunft: Nicht nur Verwandte, sondern auch Pfarrer, Bürgermeister und Lehrer, selbst Funktionshäftlinge standen für die Verlässlichkeit und den guten Charakter der KZ-Schergen ein.
"Es gab ein Netz, das die Leute auffing", erklärt Perz. "All das zeigt, dass das Bild der Psychopathen auf die meisten SS-Angehörigen nicht zutrifft, auch wenn es schwerfällt, die permanente exzessive Gewaltanwendung nachzuvollziehen." Um annähernd zu verstehen, wie der " Arbeitsplatz" Mauthausen funktionierte, versuchen die Historiker KZ-Verwaltung, Personal- und Sozialstrukturen möglichst dicht zu beschreiben. Rund 5000 Personen wurden bisher in einer Datenbank erfasst, mit umfassenden Angaben zu Herkunft, Religion, Ausbildung und Lebenslauf.
Die Ergebnisse des Projekts sollen in die Neugestaltung der Gedenkstätte Mauthausen einfließen, die 2013 eröffnet. Auch in diesem Mai finden Befreiungsfeiern im Gedenken an die Opfer des KZs Mauthausen statt. (Karin Krichmayr, DER STANDARD, 25.4.2012)
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... werden im beschaulichen Frieden anonymer Amtsstuben begangen, vor den Blicken der Allgemeinheit verborgen. Sie sind nicht das Werk kranker Verbrecher oder Ideologen sondern von gewöhnlichen Leuten, von ganz normalen Bürgern,
von entsetzlich normalen Bürgern ..."
(dem Film 'tödlicher Kompromiss' entnommen)
Sehr zu empfehlen zu diesem Thema ist das Buch: Ernst Klee, Willi Dreßen, Volker Rieß (Hrsg): 'Schöne Zeiten'. Judenmorrd aus der Sicht der Täter und Gaffer.
Dabei handelt es sich um Bilder aus dem Fotoalbum von Kurt Franz, dem letzten Kommandanten vom Vernichtungslager in Treblinka.
ist ein schwein. und ich möchte nicht wissen, wieviele gutmensche oder auch kritiker in dieser diskussion in grenzsituationen genauso wie die ss-schweine handeln würden. ich jedenfalls hätte damals nicht leben dürfen, nach dem krieg hätte ich bei der entnazifizierung mehr arbeit gehabt, als wie im zweiten weltkrieg. da bin ich mir sicher!!!!!
Sie wirken wie jemand, der zu allem fähig ist, sobald nur die Rechtfertigung stimmt.
Was ja nichts Ungewöhnliches ist. Damit demonstrieren Sie auf dämonische Art und Weise "wunderschön", wie einfach es ist, Menschen gegen Menschen aufzuhetzen.
Was gerne übersehen wird: Die Nationalsozialisten dachten, sie würden das "Richtige" tun - zum Wohle und vor allem SCHUTZE Ihrer "Rasse" (=Familie). Und sie taten alles, um alle anderen davon überzeugen, wer die "Bösen" sind. Jahre- und jahrzehntelang.
Sie hatten eine Rechtfertigung, um die "Täter" zu bestrafen - zum Schutze Ihrer Gesellschaft.
Genau wie Sie. Sobald die Rechtfertigung passt, "darf man"...
all dass was sie schreiben würde auf mich zutreffen.
nur!ich bin mit asiatin verheiratet ,bin nicht dem rasseideal(zu geringe körpergrösse--hahhaha)entsprechend.
der unterschied ist das ich sehr resistent und überlebenswillig wie die jüdische "rasse" bin.welche ich zu 90% sehr verehre.gut dass vieles dieses potential nicht tod zu kriegen bzw erhalten wurde.
alleine die medizin und die musik wo juden sehr stark vertreten waren sind in der heutigen gesellschaft nicht weg zu denken.es war ein brudermord, was die nazis aufgeführt haben und es wird gottseidank niemals wieder so eine schweinerei geben.
was lernen wir daraus?nie mit der masse schwimmen.immer individum bleiben.ich liebe eli wallach, der ist schon fast 98 und lebt immer noch!
Leider haben Sie das große Ganze noch nicht begriffen. Ingroup/Outgroup-Denken beschränkt sich keineswegs nur auf den Rechtsextremismus.
Auch die Linke ist nicht vor dieser Denkweise gefeit, im Gegenteil. Wer sich intellektuell über die anderen erhebt, hat eine riesige Auswahl unter denen, die es "falsch" machen, und vor denen wir beschützt gehören...
Sobald Sie von Gruppierungen reden, sind Sie gefährdet, dieselben Fehler in Sachen Gruppendynamik zu begehen, wie wir sie schon aus 1000en Beispielen kennen.
Améry widerspricht btw Hannah Arendt in deren Darstellung der "Normalität des Bösen" sehr eindringlich;
wer die Folterknechte persönlich erlebt habe, findet diese nicht mehr normal, sondern abartig;
gerade wenn das Mitmachen am Schrecklichen als "normal" empfunden wird, braucht es eine gewisse Abartigkeit, quasi den Tod des Mitgefühls, was vielleicht auch systemisch vervielfacht wird, um das Mitwirken am Foltern und Töten als "alltäglichen Job" zu empfinden ...
Die Dienstzeiten dieser schwer Arbeitenden sind von den Österreichischen Pensions- Sozialversicherungen anstandslos anerkannt worden.
Auch Wehrmachts und SS Dienstzeiten sind anerkannt worden. Die Haftzeiten jener die diese Hölle überlebt haben sind aber nicht anerkannt worden. Oftmals sind von den Beamten Entlassungspapiere, Aufenthaltsbestätigungen verlangt worden .....
... sollte uns im Klaren sein, dass die Lageraufseher ebenso Opfer wie Täter waren, bzw. einfach nur Menschen, die Fehler begingen, wenn auch grausame, aber sie zu entmenschlichen, wie es zum Teil in den Bericht dargestellt wird, nur um es dann gleich wieder anders auszudrücken halte ich nicht für richtig.
Menschen sind eine sehr grausame Spezies, leider, aber stets nur auf diese Zeit mit den erhobenen Finger zu zeigen macht es nicht besser.
Ein Wesentliches scheint mir aber dennoch diese Normalität zu sein, mit dem sich das Grauen ja auch industrialisieren ließ und die erst jetzt mit einem gewissen Abstand klarer sichtbar wird.
Eine Entmenschlichung der Täter käme hier einem Verdrängen der Geschehnisse gleich. Das waren keine anderen Menschen wie wir. Umso so wichtiger ist die Fragestellung, wie sich das Grauen in die Normalität integriert, um frühzeitig einem Abgleiten in diese Mechanismes entgegenzuwirken.
Um selbst nicht Täter zu werden, kann man die Wirkung der Täter nur auf der individuellen Ebene in der Bewahrung seiner eigenen Gegennormalität außer Kraft setzen. Ödon von Horvath gibt da sehr eindrückliche Beispiele.
A.H. war anfangs ja auch nur ein Postkartenmaler
Es ist die Nominalisierung ein großes Problem. "Täter" und "Opfer"... die Menschen haben zwar dazu zu stehen, was sie tun, das macht aber nicht zwangsläufig zu dem, was sie tun. Nur weil ich frühstücke, bin ich noch lange kein Frühstücker...
Wenn man mich aber zu tausenden als Frühstücker bezeichnet, dann wird aus mir auch ein Frühstücker. Jetzt und in alle Ewigkeit.
Verurteile die Tat, nicht den Menschen.
So schwer es auch fällt.
Und auch denen, denen Unrecht getan wurde, hilft es wenig, sie auf alle Ewigkeiten zum Opfer zu machen. Israel hat daraus wieder eigene Rechtfertigungen erschaffen, um "tätig werden zu dürfen"...
Nominalisierungen halten vieles am Laufen.
Grundsätzlich Temporäres wird verewigt.
Die neben den Greueltaten, eben auch noch normale Menschen waren, die sich vergnügten ... Das macht es ja so unvorstellbar, wie kann ein Mensch andere Menschen ermorden, quälen, und den Menschen nicht als Menschen begreifen - sondern als "Sache," als "Tier," als "Stück Holz," und das tun? Es wäre nicht schrecklicher, wenn es keine "normalen" oder sogar sehr intelligenten Menschen wären, die das getan hätten, sondern einfach verrückte, dann könnte man wenigstens nicht daran glauben, dass so etwas auch heute passieren könnte. Ein normaler Mensch wird das wohl nie verstehen, wie so etwas passieren kann, nie.
Auch das nicht - http://www.youtube.com/watch?v=Y... re=related Achtung, starker Tobak ... Für mich der gleiche Wahnsinn ...
Studieren Sie bei einschlägigen Themen mal das Krone-Forum (wobei da das Ärgste eh schon wegzensuriert ist) oder gar die der Pendants zur Alpen-Dodl Seite, damit Sie die Menschen wie Du und Ich besser kennenlernen. Dann wissen Sie, dass unter geeigneten Umständen das alles jederzeit und überall wieder passieren kann.
es mag das Milgram Experiment geben, Sie mögen auch der Auffassung sein, das der Mensch dem Menschen grundsätzlich ein Wolf ist.
Wie dem auch sei, das erklärt noch lange nicht die gigantische Terrormaschinerie die damals aufgezogen wurde.
Diese bedurfte eines Konzepts, einer Ideologie und vor allem Träger dieser Ideologie.
Fangen wir endlich an, den Faschismus politisch zu begreifen, wenn wir dann auch noch wissen, wozu Menschen fähig sind, wissen wir, was zu tun ist.
Und da haben wir im Land der Kellernazis wahrlich genug zu tun.
und auch anhand der Postings hier, erkenne ich leider, dass so etwas wie damals zu jeder Zeit und an jedem Ort wieder möglich sein wird, weil die Mehrheit aller Menschen einfach nicht lernt und lieber ihr eigenes Gewissen und andere sterben lässt, anstatt für ihr Gewissen und für andere zu sterben!
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