Paradoxien im Bilderkrieg

24. April 2012, 17:33
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Der deutsche Ästhetikprofessor Bazon Brock gastiert in Salzburg

In der Vortragsreihe Kunstzerstörung werden Verlaufslinien von Akten der Destruktion sowie die ihnen zugrundeliegenden Kunstauffassungen erörtert. Heute geht es um die historische wie aktuelle Dimension der "Bilderstürme", eine Darstellung der Grundpositionen im Bilderstreit, wie sie vor allem seit der byzantinischen Kultur des achten Jahrhunderts bekannt sind.

Darüber doziert ein Kapazunder der Kunstphilosophie, der in seiner "Denkerei" (gemeinsam mit Peter Sloterdijk und Peter Weibel) über "unlösbare Probleme" sinniert. Die Rede ist vom deutschen Ästhetikprofessor Bazon Brock, der als bedeutender "Künstler ohne Werk" gilt und im Lauf von fünf Jahrzehnten mit einer Fülle von Attributen bedacht worden ist: "Superdenker", "Popprophet", "Lehrer der Nation" oder auch "Kotzbrock".

Seit 1965 hat er etwa 2500 Veranstaltungen gemacht, anfangs vor allem Happenings und Aktionen, darunter Kollaborationen mit Joseph Beuys, Wolf Vostell oder Friedensreich Hundertwasser. Bei Jürgen Johannes Hermann Brock - Bazon, das heißt: "Schwätzer", nannte ihn sein Lateinlehrer - stand (wie bei Beuys) nicht das markttaugliche Werk im Vordergrund, sondern "action teaching".

Mit dem Problem des Ikonoklasmus, also der Zerstörung von Bildern, setzte er sich schon früh auseinander. Brocks Vortrag "Die wahren Bilderfreunde sind die Bilderfeinde: Anerkennung als Zerstörung" orientiert sich an seinem Beitrag zu Martin Warnkes Standardwerk Bildersturm (1973). Neben Bilderfreunden und Bilderfeinden gibt es dort Bilddialektiker, die mit der Nichtidentität von Abbild und Abgebildetem operieren, im Streit um das Realismus-Problem identifizierte Brock einen "neuen" Bilderkrieg. (dog, DER STANDARD, 25.4.2012)

Salzburg, Unipark Nonntal, 0662/80 44-4531, 18.30

  • Superdenker, Popprophet und Mitbegründer der Denkerei: Bazon Brock.
    foto: heribert corn

    Superdenker, Popprophet und Mitbegründer der Denkerei: Bazon Brock.

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