FC Bayern erwartet "die Hölle" in Madrid

24. April 2012, 17:10
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Das angestrebte Heim-Finale ist für die Münchner nur noch ein Spiel ent­fernt - Selbstbewusste Bayern setzen wie Gastgeber Real Madrid auf Offensive

Madrid - Tragödie oder Triumph: Der große Traum vom "Finale dahoam" ist für Bayern München nur noch einen Schritt entfernt - doch der ist riesengroß. "Wir brauchen eine bayerische Sternstunde, um unser großes Ziel zu erreichen", sagte Karl-Heinz Rummenigge vor dem Rückspiel im Halbfinale der Champions League am Mittwoch (20.45 Uhr/live auf derStandard.at, Sky und Sat.1) bei Real Madrid. Dort, sagte der Vorstandschef, erwarte den deutschen Rekordmeister "die Hölle".

Die Anspannung war entsprechend spürbar, als die Münchner am Dienstag mit Sonderflug LH 2570 in Richtung Madrid abhoben. Doch bange machen vor Cristiano Ronaldo, Mesut Özil und Co. gilt für die Bayern-Stars nicht, die Realisierung des ganz großen Traums vom Endspiel in der heimischen Arena am 19. Mai winkt. Nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" wollen die Bayern das mit 80.925 Fans gefüllte Estadio Santiago Bernabéu im Sturm erobern. Dabei sollen die versöhnten Streithähne Franck Ribéry und Arjen Robben neben Stürmer Mario Gomez (zwölf Tore im laufenden Wettbewerb) eine zentrale Rolle einnehmen.

"Kampf der Giganten"

Rummenigge nannte die vom Klub betriebene Aussprache von "Robbéry" wichtig, "beide spielen eine tragende Rolle und sind in der Lage, so ein Spiel alleine zu entscheiden". Zumal Trainer Jupp Heynckes seine Mannschaft offensiv agieren lassen will. "Madrid hat riesiges Offensivpotenzial, bei meiner Mannschaft ist das aber ähnlich. Es wird ein Kampf der Giganten. Wir werden auch im Bernabéu nach vorne und auf Sieg spielen", sagte er bei seiner Rückkehr nach Madrid - dabei würde den Bayern nach dem 2:1 im Hinspiel bereits ein Remis für den neunten Finaleinzug reichen. "Die Spanier werden alles reinlegen, wir aber auch", sagte Präsident Uli Hoeneß selbstbewusst.

Der sichtlich gut gelaunte Heynckes kündigte zudem einen "Leckerbissen in Sachen Taktik, Philosophie und Torraumszenen" an. "Man wird alle Zutaten zu sehen bekommen, die zu einem tollen Fußballspiel dazugehören." Seine Mannschaft erwarte gegen "die Crème de la Crème in Europa" Schwerstarbeit, "aber wir sind hier hergekommen, um ins Endspiel einzuziehen".

Großer Druck auf Seiten des FC Bayern

Doch der Respekt ist groß. "Real wird mit großer Wucht gegen uns antreten", prophezeite Rummenigge, "wir müssen hochkonzentriert sein, Nadelstiche setzen und ein Tor erzielen, sonst wird es schwierig." Kapitän Philipp Lahm brauche gegen Cristiano Ronaldo einen weiteren "Glanztag" in einer Begegnung, in der Rummenigge den größeren Druck beim FC Bayern sieht, "weil wir unbedingt ins Heim-Finale wollen". Dieses zu erreichen "wäre etwas Historisches, weil das selbst die größten Mannschaften wie Barcelona oder Real nicht geschafft haben". Barça hatte 1999, Madrid 2010 die einmalige Gelegenheit - im Endspiel standen aber jeweils die Bayern (gegen Manchester United und Inter Mailand).

Doch vor dem "Finale dahoam" steht der Gang durch den Hexenkessel Bernabéu. "Das wird keinen einschüchtern", behauptete Gomez, der bei 20 Grad in Madrid mit einem Lächeln aus dem Flieger stieg. Und Lahm versicherte: "Das schockt uns nicht mehr." Hoeneß hält das jedoch für das berühmte Pfeifen im Walde.

"Das sind schöne Schlaumeier", witzelte er, der Atmosphäre könne sich keiner entziehen. Auch wegen der fanatischen Fans fahre man "mit einem Schuss Demut nach Madrid", sagte Rummenigge. "Kaiser" Franz Beckenbauer glaubt gar, dass die Bayern sich "mit allen Glücksgöttern dieses Universums in Verbindung setzen" müssten, um bestehen zu können.

Fragezeichen hinter Schweinsteiger

Ob Bastian Schweinsteiger von Beginn an helfen darf, will Heynckes erst nach einem Gespräch mit dem Vize-Kapitän am Mittwochfrüh entscheiden. Schweinsteiger selbst, der nach überstandener Verletzung auf Formsuche ist, fühlt sich wieder "frischer. In so einem Spiel kann man alles ausblenden. Ich will der Mannschaft helfen, ins Finale zu kommen. Die Mentalität ist extrem wichtig", sagte er.

Sieben Bayern vorbelastet

Würde Österreichs Beitrag, David Alaba, in Madrid verwarnt, wäre er für das Endspiel gesperrt. Weil Alaba ist, wie er ist, würde er aber im Estadio Santiago Bernabeu das eigene Wohl zugunsten der Mannschaft außer Acht lassen. "Wenn ich mich mit einer gelben Karte opfern muss, damit wir ins Finale kommen, werde ich es tun." Genauso denken wohl auch die Kollegen Holger Badstuber, Jerome Boateng, Luiz Gustavo, Toni Kroos, Philipp Lahm und Thomas Müller, die ebenfalls vorbelastet ins Spiel gehen. Lahm hofft, dass Schiedsrichter Viktor Kassai (HUN) "weiß, wer vorbelastet ist und einer schon ein grobes Foul machen muss, um eine Gelbe Karte zu erhalten". 

Mourinho erwartet offensive Gäste

Jose Mourinho rechnet nicht damit, dass die Bayern mit einer Defensivtaktik agieren werden. Der Trainer des spanischen Rekordmeisters betonte am Dienstag in Madrid: "Die Bayern wissen, dass sie praktisch ausgeschieden sind, wenn sie kein Tor erzielen. Der FC Bayern kennt unser offensives Potenzial", sagte Mourinho, der vor allem die hervorragende Einstellung des Teams von Trainer Jupp Heynckes hervorhebt: "Was mir bei den Bayern am meisten Sorgen macht, ist der erbitterte Kampfgeist."

Die Münchner hätten ein sehr gutes Team und einen sehr guten Trainer. "Die Stärke einer Mannschaft ist wichtiger als die Qualität einzelner Spieler, und der FC Bayern hat diese Stärke." Mourinho war bemüht, die Euphorie bei den Madrilenen nach ihrem 2:1-Sieg am Samstag im "Clasico" gegen den FC Barcelona zu dämpfen. "Das waren nur drei Punkte in einem Marathon, der mit dem Tempo eines 1.500-Meter-Laufs zurückgelegt wird."

Bei den Königlichen sind Sergio Ramos, Xabi Alonso, Gonzalo Higuaín und Fábio Coentrão vorbelastet. Real baut, wie könnte es anders sein, in erster Linie aber auf Ronaldo. Der wandte sich per Videobotschaft direkt an die Fans. "Ich brenne darauf, dieses Spiel zu bestreiten. Und ich bin sicher, dass wir gewinnen werden", sagte der Portugiese. Der FC Bayern kann kommen. (sid, red, 24.4.2012)

Mögliche Aufstellungen:

Real Madrid: Casillas - Arbeloa, Pepe, Ramos, Coentrão - Khedira, Xabi Alonso - di María (Granero), Özil, Ronaldo - Benzema. - Trainer: Mourinho

FC Bayern: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba - Luiz Gustavo, Schweinsteiger - Robben, Kroos, Ribéry - Gomez. - Trainer: Heynckes

Schiedsrichter: Viktor Kassai (Ungarn)

  • Mourinho: "Was mir bei den Bayern am meisten Sorgen macht, ist der erbitterte Kampfgeist."
    foto: epa/emilio naranjo

    Mourinho: "Was mir bei den Bayern am meisten Sorgen macht, ist der erbitterte Kampfgeist."

  • Ribery (li) und Robben vertragen sich (sichtlich) wieder.
    foto: reuter/sergio perez

    Ribery (li) und Robben vertragen sich (sichtlich) wieder.

  • Neuer (li) ist im Bayern-Tor gesetzt, Schweinsteiger (re) hofft auf einen Einsatz.
    foto: reuter/sergio perez

    Neuer (li) ist im Bayern-Tor gesetzt, Schweinsteiger (re) hofft auf einen Einsatz.

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    Alaba: "Wenn ich mich mit einer gelben Karte opfern muss, damit wir ins Finale kommen, werde ich es tun."

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