"Bodycount" der Zinshäuser

24. April 2012, 16:52
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2011 stieg der Umsatz mit Wiener Zinshäusern nach bisherigen Zahlen gegenüber 2010 um zehn Prozent. Die Käufer werden immer internationaler, die Objekte der Begierde laufend weniger

Im Jahr 2011 wurden Wiener Zinshäuser im Volumen von 780 Millionen Euro gehandelt. Laut dem neuesten einschlägigen Marktbericht von Otto Immobilien bedeutet dies ein Plus von knapp zehn Prozent gegenüber dem Jahr 2010.

Der Jahresvergleich ist freilich nicht ganz einfach zu bekommen: Noch im September 2011 meldete Otto Immobilien nämlich ein Transaktionsvolumen von "rund 800 Millionen Euro" für 2010 - damit hätte es 2011 ein Minus geben müssen. Jedoch: So manche Transaktion werde erst nach einiger Zeit bekannt bzw. entsprechend weit rückdatiert, so dass sich nicht nur die Umsatzzahl für 2011, sondern auch jene für 2010 noch laufend ändern werde, erklärt Studienautorin Stefanie Steinkellner auf Anfrage von derStandard.at.

Weiter starke Nachfrage

Um einen gültigen Vergleich zu bekommen, wird nun für die aktuelle Erhebung der Stand per Ende Februar des Folgejahrs herangenommen - und hier zeige sich eben ein Anstieg von 715 Millionen (2010) auf 780 Millionen Euro (2011). Somit ergibt sich das erwähnte Plus von knapp zehn Prozent; damit dieses auch über die "Nachfrist" hält, müssen freilich auch die 780 Millionen noch deutlich anwachsen. Derzeit liegt das von Otto Immobilien bzw. dem Partner WebservicesUnited immer noch laufend protokollierte Zinshaus-Transaktionsvolumen für das Jahr 2010 nämlich schon bei 814 Millionen Euro.

Die Nachfrage nach dem oft auch "Wiener Gold" genannten klassischen Wiener Zinshaus sei jedenfalls weiter sehr hoch, erklärte Firmenchef Eugen Otto bei der Präsentation des Marktberichts. Im 1. Bezirk, wo 2011 (bisher) 166 Millionen Euro umgesetzt wurden, gab es gar ein Plus von 75 Prozent. "Das beweist wieder einmal die Ausnahmestellung der Wiener Innenstadt", so Steinkellner und ihre Co-Studienautorin Lene Kern. 

Steigende Preise und fallende Renditen

Mit steigenden Preisen und sinkenden Renditen setze sich der Trend des vergangenen Herbstes fort, wenn auch - je nach Lage - unterschiedlich gewichtet, betonen die Researcher von Otto Immobilien. In der Region 10 (Bezirke 13, 18 und 19) ist unter 1.000 Euro je Quadratmeter nichts mehr zu bekommen, im 15. Bezirk schon: Hier liegt der geringste bisher erzielte Preis bei 610 Euro. Am höchsten sind die Renditen derzeit noch in der Region 6 (10. und 11. Bezirk) sowie in der Region 12 (21. und 22. Bezirk) mit Werten von bis zu 6,5 Prozent. 

Ausländische Investoren als neue Käufergruppe

Fast zwei Drittel der Verkäufer waren 2011 Privatpersonen, während auf Käuferseite fast die Hälfte der Geschäfte von Unternehmen getätigt wurden. Bezogen auf die Volumina waren Unternehmen sowohl bei den Käufern als auch den Verkäufern die dominierenden Marktteilnehmer.

Für ausländische Investoren wird das Wiener Zinshaus außerdem ebenfalls immer interessanter, berichtet Richard Buxbaum, Leiter der Abteilung für Wohnimmobilien und Zinshäuser. Käufer aus Deutschland und der Schweiz tun sich dabei besonders hervor.

Ohnehin wird dieses begehrte "Wiener Gold", das zwischen 1848 und 1918 erbaute Gründerzeithaus, immer seltener: Per 31. Dezember 2011 gab es laut Otto Immobilien nur noch rund 15.100; im Herbst 2009 waren es noch um 400 Häuser mehr. Zahlenmäßig stehen die meisten Gründerzeit-Zinshäuser in den Bezirken Ottakring, Rudolfsheim-Fünfhaus, Landstraße, Währing und Hernals. Diese fünf Bezirke decken mehr als ein Drittel des Bestands ab. (Martin Putschögl, derStandard.at, 24.4.2012)

  • Steigende Preise, sinkende Renditen - und immer geringer werdendes Angebot: Der Wiener Zinshausmarkt kennt viele Richtungen, ändern tun sich diese aber kaum.
    foto: putschögl

    Steigende Preise, sinkende Renditen - und immer geringer werdendes Angebot: Der Wiener Zinshausmarkt kennt viele Richtungen, ändern tun sich diese aber kaum.

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