Timoschenko im Hungerstreik

Protest gegen Behandlung durch Haftpersonal und Ärzte

Kiew - Aus Protest gegen ihre Haftbedingungen ist die ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko in einen Hungerstreik getreten. Timoschenko habe erklärt, dass sie seit Freitag keine Nahrung mehr zu sich nehme, sagte der Anwalt Sergej Wlassenko am Dienstag nach einem Besuch in der ukrainischen Haftanstalt Charkiw. Die 51-jährige Ex-Regierungschefin leidet unter schweren Gesundheitsproblemen.

Timoschenko sei seit Freitag in einem "unbegrenzten Hungerstreik", sagte Wlassenko. Sie protestiere damit gegen ihre Behandlung durch das Personal der Haftanstalt und durch Ärzte. Zudem fordere sie ein Ende der "politischen Repressionen" in der Ukraine.

Ihr Anwalt sagte zu Reportern auch, Wachleute hätten sie am Freitag geschlagen, um sie zu zwingen, ihre Zelle zu verlassen und sich ins Krankenhaus bringen zu lassen. An ihren Armen und am Bauch habe sie Blutergüsse.

Gewalt gegen Timoschenko

Die Staatsanwaltschaft bestritt, dass Timoschenko geschlagen wurde, räumte aber die Anwendung von physischer Gewalt ein. Sie habe sich aufs Bett gelegt und sich geweigert mitzukommen, zitierte die Agentur Interfax den Staatsanwalt Henadi Tjurin. "Das Gesetz (...) erlaubt es den Wachleuten, physische Gewalt anzuwenden", sagte er: "Sie haben sie angehoben, zum Auto gebracht und in die Klinik gefahren."

Am Freitag war die Politikerin aus dem Gefängnis in ein Krankenhaus in Charkiw gebracht worden, um dort wegen ihrer starken Rückenschmerzen behandelt zu werden. Weil sie eine Untersuchung im Krankenhaus durch ukrainische Ärzte ablehnte, wurde sie am Sonntag zurück in die Haftanstalt gebracht. Timoschenko war Mitte April von ausländischen Ärzten in der Haft untersucht worden.

Timoschenko war im vergangenen Oktober wegen Amtsmissbrauchs in ihrer Zeit als Ministerpräsidentin zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Grund war ein 2009 mit Russland geschlossenes Gasgeschäft mit Russland, das der Ukraine einen Schaden in Millionenhöhe beschert haben soll. Die Europäische Union hatte die Inhaftierung Timoschenkos, die bei der Präsidentschaftswahl 2010 gegen ihren Erzrivalen Viktor Janukowitsch unterlag, als politisch motiviert kritisiert.

Vergangene Woche hatte ein weiteres Verfahren gegen Timoschenko wegen Veruntreuung und Steuerhinterziehung in ihrer Zeit als Chefin eines staatlichen Energiekonzerns mit Voranhörungen begonnen. Wegen ihres schlechten Gesundheitszustands nahm die 51-Jährige nicht daran teil. (APA, 24.04.2012)

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