Osteuropäer arbeiten um zwei Drittel günstiger als die Österreicher

  • Österreich liegt bei den jüngsten Zahlen zu den Arbeitskosten im gehobenen Mittelfeld.
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    Österreich liegt bei den jüngsten Zahlen zu den Arbeitskosten im gehobenen Mittelfeld.

Die Unterschiede bei den Arbeits- und Lohnnebenkosten innerhalb der EU sind enorm, gerade im kriselnden Italien sind die Kosten relativ hoch

Wien - Österreich liegt bei den Arbeits- und Lohnnebenkosten unter den 27 Ländern der Europäischen Union im gehobenen Mittelfeld. Die heimischen Arbeitgeber in der Privatwirtschaft zahlten 2011 für eine geleistete Arbeitsstunde durchschnittlich 29,20 Euro je Stunde. Österreichische Arbeitgeber zahlten somit um 28 Prozent mehr als im EU-Schnitt (22,80 Euro) und 5,4 Prozent mehr als im Eurozonen-Schnitt (27,70 Euro), geht aus einer Presseaussendung des deutschen Statistischen Bundesamts vom Dienstag hervor.

Das heimische Arbeitskostenniveau lag damit deutlich unter jenem von Belgien (39,30 Euro), Schweden (39,10 Euro) und auch Deutschland (30,10 Euro). Arbeitgeber im vom Bankrott bedrohten Griechenland zahlten vergleichsweise für eine Arbeitsstunde geschätzte 16,40 Euro.

Osteuropa mit niedrigem Lohnniveau

Die Bandbreite der Arbeitskosten innerhalb der EU ist enorm: Im Land mit den geringsten Arbeitskosten, Bulgarien, lagen sie bei 3,50 Euro je Stunde, das sind um 90 Prozent weniger als beim Rangersten Belgien. Auch in Rumänien, Litauen, Lettland, Polen, Ungarn, Estland und der Slowakei lagen sie unter zehn Euro.

Im verarbeitenden Gewerbe, das laut Statistikamt besonders im internationalen Wettbewerb steht, kostete eine Arbeitsstunde in Österreich 31 Euro. Eine Stunde in der heimischen Industrie war somit um 34 Prozent teurer als im EU-Schnitt (23,20 Euro) und um sechs Prozent teurer als im Schnitt der Euroländer, aber um zehn Prozent günstiger als in Deutschland. Am billigsten war auch hier Bulgarien mit 2,80 Euro pro Stunde.

Lohnnebenkosten erleichtern Vergleich

Bei den Lohnnebenkosten lag Österreich mit 37 Euro je 100 Euro Bruttoverdienst über dem EU-Schnitt von 32 Euro bzw. dem Eurozonenschnitt von 36 Euro. Spitzenreiter ist hier Schweden mit 52 Euro, gefolgt von Frankreich (50 Euro) und Belgien mit 47 Euro. In Deutschland machen die Lohnnebenkosten 28 Euro aus, in Italien liegen sie mit 41 Euro höher als in Österreich. Am geringsten sind sie in Malta, wo auf 100 Euro nur zehn Euro Nebenkosten anfallen. In Dänemark und Luxemburg sind es jeweils 15 Euro, in Griechenland geschätzte 29 Euro.

Über einen längeren Zeitraum betrachtet nimmt Deutschland bei der Entwicklung der Arbeitskosten in der Privatwirtschaft eine Sonderstellung ein: Zwischen 2001 und 2011 hatte Deutschland mit einer Zunahme von 19,4 Prozent den mit Abstand geringsten Anstieg der Arbeitskosten aller Mitgliedsstaaten der EU. Zum Vergleich: In Frankreich sind die Arbeitskosten in diesem Zeitraum mit 39,2 Prozent mehr als doppelt so stark gestiegen. Vergleichbare Zahlen für Österreich standen nicht zur Verfügung. (APA/red, derStandard.at, 24.4.2012)

Wissen

Arbeitskosten setzen sich aus den Bruttoverdiensten und den Lohnnebenkosten zusammen. Hauptbestandteil Letzterer sind die Sozialbeiträge der Arbeitgeber, also vor allem die gesetzlichen Arbeitgeberbeiträge zu den Sozialversicherungen, die Aufwendungen für die betriebliche Altersvorsorge sowie die Aufwendungen für die Lohn- und Gehaltsfortzahlungen im Krankheitsfall.

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