Die "Lange Nacht der Forschung" lockt

23. April 2012, 20:51
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An rund 1.380 Stationen wird am 27. April die Vielfalt der Forschungsgebiete erlebbar gemacht

Wien - In acht Bundesländern und an mehr als 80 Standorten kann man kommenden Freitag (27. April) bei der mittlerweile fünften "Langen Nacht der Forschung" den Wissenschaftern wieder über die Schulter blicken. Universitäten, Fachhochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen öffnen bei freiem Eintritt ihre Tore für das breite Publikum. Tirol folgt einen Tag später mit der "Tiroler Nacht der Forschung, Bildung & Innovation".

Mit rund 1.380 und damit im Vergleich mit 2009 mehr als doppelt so vielen Stationen steht im Bereich Forschung die "weitaus größte Veranstaltung, die jemals in Österreich stattgefunden hat" bevor, erklärte Walter Schneider von dem mit der überregionalen Koordination befassten Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) im Gespräch. Entsprechend bunt gemischt ist die Auswahlmöglichkeit für die Besucher, von Biotechnologie über Philosophie bis zur Verfahrenstechnik reichen die Forschungsgebiete, die man aus nächster Nähe begutachten kann.

Auf der Webseite http://www.lnf2012.at sind sämtliche Stationen im Detail beschrieben und lassen sich nach Bundesländern, Regionen, Stationen oder Wissensgebieten unterteilen. Vielerorts gibt es kostenlose Shuttlebusse oder die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel, um zu den Stationen zu gelangen, ist gratis.

Tirol tanzt aus der Reihe

Beinahe hätte es geklappt, erstmals alle neun Bundesländer an einem Tag für die Lange Nacht an Bord zu holen. Doch in Tirol stand laut Uwe Steger, Pressesprecher der Universität Innsbruck, die Familienkomponente im Vordergrund. "Die Erfahrung zeigt, dass eher der Samstag ein Familienabend ist", begründete Steger, der die Tiroler Nacht der Forschung mitbetreut, auf Anfrage die Entscheidung des Bundeslandes für den 28. April. Am Samstag gibt es über 150 Stationen in Innsbruck und Umgebung, Kufstein und Lienz zu besichtigen.

Neu ist diesmal die Aufgabenverteilung: Organisiert wurde der Event jeweils von den teilnehmenden Bundesländern; die Koordination, Erstellung von Design und Website erfolgte auf Bundesebene. Die finanziellen Zuwendungen seitens des Bundes, vertreten durch Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium, sind im Vergleich zu 2009 zurückgegangen, was "durch eigenes Engagement wettgemacht wurde. Das stark gestiegene Interesse, an der Langen Nacht mitzuwirken, kommt aus der Community selbst", so Schneider.

Zweijahresrhythmus

2013 wird die Lange Nacht der Forschung eine Pause einlegen. Der Zweijahresrhythmus macht für Schneider organisatorisch und inhaltlich mehr Sinn als eine jährliche Veranstaltung. Anders sei das nicht schaffen, "man müsste praktisch gleich nach der Langen Nacht schon wieder mit der Arbeit für die nächste Lange Nacht beginnen." Auch für die Themen der Forschungsstationen tue eine kleine Pause ganz gut, sonst könnten einige in Bedrängnis kommen und es könnte heißen: "Was sollen wir denn schon wieder herzeigen?"

Zukünftige Forschungsnächte könnten internationaler werden und sich beispielsweise auf Südtirol oder Süddeutschland ausdehnen, wenn auch vorerst nur als Vision angedacht. "Eine Forschungsnacht in einem zentraleuropäischen Kontext zu initiieren - dazu sind wir jetzt in einer Ideenfindungsphase", sagte Schneider.

Stationsbeispiele

  • Im Technologiezentrum Güssing im Burgenland wird die Funktionsweise des "Sunsorber" veranschaulicht, einer Kältemaschine, die mit Wärme statt Strom angetrieben wird.
  • Am Wiener Krankenhaus Hietzing können Besucher eine Herzoperation per Liveübertragung aus dem Operationssaal miterleben.
  • In der Aula der Wissenschaften in Wien-Innere Stadt präsentieren Jungforscher bei einem "Science Slam" Wissenschaft sehr unterhaltsam. "Science Slams" werden aber auch in Krems, Tulln, Wiener Neustadt, Wieselburg und St. Pölten veranstaltet. Ausschnitte werden am 5. Mai in der ORF-Sendung "Newton" gezeigt.
  • Im Kunsthistorischen Museum (KHM) spricht u.a. die "Wissenschafterin des Jahres", Sabine Ladstätter, über Archäologie.
  • Im SolarCampus Eberstalzell in Oberösterreich öffnet das größte österreichische Photovoltaik-Forschungskraftwerk seine Pforten.
  • In der Steiermark kann man beispielsweise sein Smartphone bei der Evolaris next level GmbH zur Universalfernbedienung umwandeln oder sich in Unterpremstätten von austriamicrosystems in die Nanowelt entführen lassen.
  • An der Fachhochschule Vorarlberg treten die Beiträge Vorarlberger Mechatronik-Studenten zur heurigen internationalen RobotChallenge gegen Roboter anderer Konstrukteure an.
  • In Klagenfurt wird ORF-Moderator Armin Wolf in einem Vortrag seine Erfahrungen mit der "Vernetzten Neuen Welt" teilen.
  • Wer sich fragt, was japanisches Bogenschießen mit Musik zu tun haben kann, der sollte bei der Universität Mozarteum in Salzburg vorbeischauen.
  • Ins "Labor der Sinne" kann man sich am Campus Wieselburg der Fachhochschule Wr. Neustadt entführen lassen und erleben, dass eine Zitrone plötzlich nicht mehr sauer schmeckt.
  • An der IMC Fachhochschule Krems lässt sich der Frage nachgehen, welche Keime man auf Handys und am Bankomat findet.
  • Drei Beispiele an der TU Graz: Auf "Shopping"-Begeisterte wartet eine virtuelle Umkleidekabine, wo man - ganz ohne Geld auszugeben - Kleidung in 3D anprobieren kann. Auch einen "Hörtest" für alle gibt es: Wer hört und fühlt den Unterschied zwischen zwei Lautsprechern? Das Thema "Wie kann man ohne Kehlkopf sprechen?" überrascht schließlich an der Schnittstelle zwischen Technik und Medizin.
  • Dass auch Geisteswissenschaften publikumswirksam in Szene gesetzt werden können, wollen mehrere Stationen im Atrium der Uni Innsbruck am 28. April zeigen, wo man antike Schuhe bewundern, täuschend echte Gipsstatuen und steinzeitliche Werkzeuge herstellen und sein Lateinwissen testen kann.

(APA/red, derStandard.at, 23.4.2012)

  • Am Freitag lockt die fünfte "Lange Nacht der 
Forschung" mit einem spannenden Angebot an rund 1.380 Stationen in ganz Österreich - Tirol zieht am Samstag nach.
    foto: austrian research centers gmbh

    Am Freitag lockt die fünfte "Lange Nacht der Forschung" mit einem spannenden Angebot an rund 1.380 Stationen in ganz Österreich - Tirol zieht am Samstag nach.

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