Sperrgitter gegen den Salzburger Sommerstau

23. April 2012, 18:28
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Verkehrsstadtrat Johann Padutsch verlangt für die staugeplagte Stadt Salzburg im Sommer ein Fahrverbot für Autos in der Innenstadt. Die Kaufleute protestieren, Bürgermeister Heinz Schaden ist skeptisch, die Sperre wird nicht kommen.

Salzburg - Es ist jeden Sommer dasselbe: Bei Regen strömen die Touristen aus den Urlaubsgebieten rund um die Stadt Salzburg zu Tausenden in die Landeshauptstadt. Alle mit dem eigenen Auto. Die ohnehin angespannte Verkehrssituation kippt, und die Stadt steht oft stundenlang still. Auch für die Busse gibt es dann kein Vorwärtskommen mehr.

Ebenfalls seit Jahren mühen sich Verkehrsplaner und Exekutive ab, den programmierten Kollaps in den Griff zu bekommen. Vergeblich, denn auch die fallweise verhängte Schlechtwettersperre für Touristenautos und die Ableitung auf Parkplätze am Stadtrand brachten nicht den gewünschten Erfolg.

Mit ein Grund dafür: Die Salzburger selbst torpedieren in schöner Regelmäßigkeit die Schlechtwettersperre. So hat beispielsweise ausgerechnet der von der Stadt hochsubventionierte Altstadtverband auf seiner Homepage Umgehungsrouten und Schleichwege publiziert.

Jetzt unternimmt Verkehrsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) einen neuen Anlauf. Eine zentrale Verkehrsachse durch die Innenstadt - vom Hanuschplatz zum Neutor - soll an Werktagen zwischen 10 und 14 Uhr für den Autoverkehr abgeriegelt werden. Dauer der Maßnahme: Von 17. Juli bis 18. August - also ein Monat in der Hauptsaison.

Der Vorteil im Vergleich zur nur fallweise verhängten Schlechtwettersperre aus Sicht von Padutsch ist, dass sich die Urlauber schon von vornherein auf das Fahrverbot einstellen können und gar nicht erst probieren, motorisiert bis in die Innenstadt vorzudringen. Für Anrainer, Beschäftigte, Taxis und andere Gruppen mehr soll es großzügige Ausnahmeregelungen geben. Am Hanuschplatz rechnen die Verkehrsplaner durch die Sperre mit einem Rückgang von 2500 auf 300 Pkw pro Stunde.

Und obwohl Padutsch schon im Vorhinein eine kleinere Variante - ursprünglich war auch die Sperre der beiden Salzachkais vorgesehen - ins Spiel bringt, gibt es auch gegen diese bereits Widerstände.

Bürgermeister Heinz Schaden (SP) reagierte im Standard-Gespräch skeptisch. Er möchte unbedingt die Zustimmung des Altstadtverbandes und einen breiten politischen Konsens.

Diesen wird es aber wohl kaum geben. Die VP stemmt sich von jeher vehement gegen jede Beschränkung für den Individualverkehr. Und vom Sprecher des Altstadtverbandes, Werner Salmen, kommt auch ein kategorisches Nein. Man dürfe nicht das Signal aussenden, dass Salzburg im Sommer einen Monat lang zugesperrt sei, argumentiert Salmen. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 24.4.2012)

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    quelle: stadt salzburg; foto: wild; grafik: der standard
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