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Wien - Seit auch gering verschuldete Staaten wie Spanien und Irland von der Finanzkrise kalt erwischt wurden, achtet die EU-Kommission auf das Gleichgewicht der gesamten Volkswirtschaft und nicht nur isoliert auf die Staatsfinanzen. Faktoren wie Außenhandelsbilanz, Privatverschuldung, Arbeitslosigkeit und Immobilienpreise wird dabei größeres Augenmerk verliehen. Österreich schneidet in dieser Bewertung sehr gut bis mittelmäßig ab - je nach Berechnungsart.
Die Ökonomen der US-Großbank Citi Group haben anhand der Kriterien ein Ranking erstellt: Dabei wurde erhoben, in wie vielen Kategorien der fixierte kritische Wert überschritten wurde. Auf Basis der Daten für 2010 kam Österreich mit drei Verfehlungen ex aequo auf Platz fünf. Zieht man einen Zehnjahreszeitraum heran, liegt das Land mit durchschnittlich 2,1 "nicht genügend" sogar auf Platz eins vor Deutschland und Slowenien (beide 2,5).
Probleme beim Export
Zuletzt hatte Österreich Probleme bei der Exportentwicklung und Staatsverschuldung. Der Marktanteil bei den Ausfuhren hat sich reduziert, allerdings befindet sich das Land in guter Gesellschaft, hält doch kaum ein Euro-Staat mit dem Exportboom der Schwellenländer mit. Hinter Österreich folgen die Niederlande, Finnland, Italien und Frankreich. Die größten makroökonomischen Ungleichgewichte weist Spanien (5,7) auf, gefolgt von Griechenland und Estland und Malta.
Die Citi-Ökonomen haben noch eine Berechnung parat, bei der es nicht darum geht, ob ein Staat die Kriterien verfehlt, sondern wie gut er im Vergleich mit den Partnern der Währungsunion abschneidet. Da fällt Österreich auf Platz acht zurück, während die Niederlande an die Spitze vorrücken. Schlusslicht ist Portugal, das hinter Zypern und Griechenland rangiert. Österreich rangiert nur bei der Arbeitslosigkeit unter den besten, bei Kriterien wie Außenhandelsbilanz, Außenverschuldung, Produktivität, Export-Marktanteil, Immobilienpreise, und Staatsverschuldung liegt das Land zwischen den Plätzen sieben und 13.
Sorgen um Spanien
Sorgen machen sich die Studienautoren um Spanien, das 2010 sechs der zehn Kriterien verfehlte. Allerdings wird darauf verwiesen, dass das Land damit besser abschnitt als 2009. Madrid gilt insgesamt als gutes Beispiel dafür, wie groß die Risiken von Verwerfungen abseits der Staatshaushalte sind. Mit dem Platzen der Immobilienblase kamen die Problem bei den Banken, die auf die Realwirtschaft ausstrahlen und letztlich den öffentlichen Sektor in die Bedrouille brachten.
Im Juni will die EU die ersten Empfehlungen im Verfahrens gegen Ungleichgewichte aussprechen. Bei Nicht-Einhaltung drohen Geldbußen von bis zu 0,1 Prozent der Wirtschaftsleistung. Citi meint, dass Spanien und Zypern an den Pranger gestellt werden dürften. (as, DER STANDARD, 24.4.2012)
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