"Es gibt einen Fokus auf österreichisches Deutsch"

Interview | Rosa Winkler-Hermaden
24. April 2012, 12:40
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  • Bericht zur Pilotstudie "Wandel der deutschen Sprache"

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Ruth Wodak über Fehler in Maturaarbeiten und die Abgrenzung von Deutschland

"Heute schreibt man Weblogs und E-Mails statt Tagebücher und Briefe", sagt die Sprachwissenschaftlerin Ruth Wodak. Sie hat eine Studie über den Wandel der deutschen Sprache erstellt und unter anderem Maturaarbeiten aus dem Jahr 1970 mit jenen von 2010 verglichen. Das Ergebnis: Die Sätze sind heute kürzer und die Verwendung von Anglizismen häufiger, es gibt mehr Fehler bei Satzzeichen und die Schülerinnen und Schüler haben Probleme, Redewendungen und feste Fügungen korrekt zu verwenden. Wodak sieht darin aber nicht nur Negatives: "Oft herrscht diese Angst vor, dass die Sprache untergeht. Das stimmt so nicht, sondern sie wird anders." Das bringe auch viele Vorteile, so Wodak.

Warum sie die seltenere Verwendung des Genitivs als "Abgrenzungsphänomen im Zuge der österreichischen Identitätsbildung" bezeichnet und was Journalistinnen und Journalisten heute anders machen als 1970, sagt sie im Interview mit derStandard.at.

derStandard.at: Um den Wandel der deutschen Sprache festzustellen, haben Sie Maturaarbeiten von 1970 mit jenen von 2010 verglichen. Was machen 18-Jährige heute anders?

Wodak: Die Sätze sind kürzer geworden, der Wortschatz ist weniger elaboriert. Es haben viele Anglizismen Eingang gefunden. Das ist gut erklärbar durch die technische Innovation. "E-Mail" wäre so ein typisches neues Wort, um ein Beispiel zu nennen.

derStandard.at: Die Verwendung der Anglizismen ist ein Zeichen der Zeit - übertreiben es die Schüler damit?

Wodak: Es kommt natürlich auch sehr auf den Themenbereich an. Manchmal werden neue Begriffe notwendig. Wichtig ist auch festzustellen, dass die Sätze der SchülerInnen zwar kürzer geworden sind, aber auch komplexer. Das messen wir an der Vielzahl der Relativsätze oder der untergeordneten Sätze. Allerdings ist es schwer zu interpretieren, warum das so ist.

derStandard.at: Die Schüler verwenden mehr Schachtelsätze?

Wodak: Ja, und das ist natürlich per se weder gut noch schlecht. Gleichzeitig gibt es eine Abnahme an festen Fügungen und Phraseologismen und ein Zurücktreten der Bildungssprache als stilistischem Orientierungspunkt.

derStandard.at: Stattdessen gibt es also mehr Umgangssprache?

Wodak: Ja, ganz deutlich manifestiert sich zum Beispiel der Genitivschwund. Das ist im österreichischen Deutsch ja im Prinzip auch okay. Zum Beispiel sagt man "Die Zunahme von den Problemen" statt wie früher auf Hochdeutsch "Die Zunahme der Probleme".

derStandard.at: Woran liegt das, dass die Genitivkonstruktionen unattraktiver werden?

Wodak: Das ist ein Element des österreichischen Deutsch. Es gibt hier einen Wandel, den wir seit 1945 beobachten, ein Abgrenzungsphänomen im Zuge der österreichischen Identitätsbildung: Es gibt eine Fokussierung auf das sogenannte österreichische Deutsch. Der Genitivschwund wird also als Norm akzeptiert. Das ist ein akzeptierter Wandel, begründet durch die Identitätsbildung ab 1945. Es ist interessant und wichtig, solche Bezüge herzustellen.

derStandard.at: In Ihrer Studie schreiben Sie, die Lehrer würden weniger streng korrigieren als 1970. Woran liegt das?

Wodak: Das hängt auch mit der Akzeptanz der österreichischen Norm zusammen. Aufgrund der neuen theoretischen Entwicklungen innerhalb der Sprachwissenschaft wird man mehr auf Textkompetenz geschult als nur wie früher auf das Feststellen von Rechtschreibfehlern. Man hat auch den richtigen Sprachgebrauch heute mehr im Auge als nur punktuelle Rechtschreibung. Natürlich bleibt die Rechtschreibung sehr wichtig, aber eine adäquate Textsortenkompetenz ist mindestens ebenso wichtig. Man muss wissen, wie man einen Brief richtig schreibt, wie man eine Rechnung stellt, wie man eine Schilderung im Gegensatz zu einer Bildbeschreibung im Gegensatz zu einer Erzählung usw. formuliert. Auf diese Sachen wird heute wesentlich mehr Wert gelegt.

derStandard.at: Gibt es eine fehlende Disziplin der Schülerinnen und Schüler - etwa beim Erlernen der Zeitenfolge?

Wodak: Die Zeitenfolge hat sich überall, auch in anderen Sprachen, verflacht. Zeitenfolge, Konjunktivbildung - der richtige Gebrauch solcher grammatischer Elemente ist in vielen Bereichen zurückgegangen. Auch im Englischen oder im Französischen. Wir sind in unserem Sprachverhalten insgesamt "mündlicher" geworden. Es gibt natürlich noch sehr formale Situationen: Formbriefe, Prüfungen, Zertifikate, das ist klar. Insgesamt ist man aber heutzutage dialogischer und adressatenorientierter. Das ist daher wirklich spannend, wenn man Geschäftsbriefe oder Geschäftsberichte von früher mit den heutigen vergleicht. Heute werden Kundinnen und Kunden persönlich angesprochen. Früher war das ein trockener und sachlicher Bericht.

derStandard.at: Welchen Faktor spielt die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit?

Wodak: Natürlich ist das ein wichtiger Faktor. Sprache hat sich verändert, seit neue Genres wie E-Mail und Blogs etwa in die Kommunikation Einzug gehalten haben. Früher gab es Tagebücher und Liebesbriefe. Diese Genres werden jetzt seltener; es wird alles wesentlich stärker auf elektronische Kommunikation verlagert. Heute schreibt man Weblogs und E-Mails statt Tagebücher und Briefe.

derStandard.at: Das klingt alles oft sehr negativ. Hat diese schnelle Kommunikation nicht oft auch Vorteile?

Wodak: Genau. Das ist mir sehr wichtig, das auch so zu sehen. Es ist nicht nur der Fall, dass wesentliche kommunikative Faktoren wegfallen. Oft herrscht diese Angst vor, dass die "deutsche Sprache" untergeht. Das stimmt so nicht, sondern sie wird eben anders. Die wesentlichen Funktionen bleiben erfüllt, sie haben sich nur teilweise verändert.

derStandard.at: Neben der Zunahme von Anglizismen sind bei den Schülern auch Fehler bei den Satzzeichen häufiger geworden. Welche Rolle spielen die neuen Medien bei der Veränderung der Sprache?

Wodak: Natürlich haben die neuen Medien Einfluss. Aber es gibt verschiedene Erklärungsmodelle, warum Satzzeichen oft ein Problem darstellen. Aufgrund der letzten Rechtschreibreform kennt man sich manchmal einfach nicht mehr aus.

derStandard.at: Würden Maturanten von 2010 die Matura im Jahr 1970 bestehen?

Wodak: Manche ja, manche nein. Das kann man schwer kontextlos vergleichen. Heute gibt es einen ganz anderen Wissensstand. Vielleicht setzt man heute andere Prioritäten, aber insgesamt würden die meisten SchülerInnen sicher die Matura bestehen.

derStandard.at: Sie haben ja nicht nur Maturaarbeiten untersucht, sondern auch Zeitungen von 1970 mit jenen von 2010 verglichen. Bestätigt sich der Wandel der Sprache in den Medien?

Wodak: Die Deutsch-Maturaarbeiten waren nur ein kleiner Teil unserer Untersuchung. Mein Ausgangskonzept war, dass wir in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft verschiedene Textsorten untersuchen. Ich bin davon ausgegangen, dass sich die Sprache kontextbedingt jeweils unterschiedlich wandelt. Meine Hypothese war also, dass sich Sprachverhalten und Sprachgebrauch im Bildungsbereich anders gewandelt haben als im Medienbereich, und im Medienbereich wiederum jeweils unterschiedlich in den verschiedenen Ressorts. Es gibt stark themenbezogene und bereichsbezogene Unterschiede.

derStandard.at: Hat sich Ihre These bestätigt?

Wodak: Ja, man kann nicht allgemein von einem gleichförmigen und gleichzeitigen Wandel sprechen. Es ist tatsächlich so, dass der Wandel ganz unterschiedlich in den unterschiedlichen Textsorten zu bemerken war.

derStandard.at: Was machen Journalisten heute anders als 1970?

Wodak: Die Sprache in manchen Zeitungen ist narrativer und weniger komplex geworden. Das gilt aber auch nicht für alle Bereiche. In den Kulturnachrichten ist sie zum Beispiel komplexer geworden. Hier werden mehr Fremdwörter verwendet als in Außen- und Innenpolitik. Natürlich stellt sich die Frage, warum das so ist. Ob die Intellektualität oder weitreichenderes Wissen vor allem im Kulturbereich zählt? Ob die Redakteure hier anders geschult werden? Da sind noch viele Fragen offen, wo wir mehr Forschung brauchen.

derStandard.at: Sie haben auch herausgefunden, dass es heute mehr Bindestrich-Komposita "im Stil der 'Kronen Zeitung'" gibt. Was genau kann man darunter verstehen?

Wodak: Es werden mehr Bindestrich-Komposita verwendet und dadurch auch neue Begriffe geschaffen. "Kinderporno-Verdacht" ist ein gutes Beispiel. Eigentlich meint man damit "Verdacht auf Kinderporno". Die Zuordnung ist bei diesen Bindestrich-Komposita oft nicht so ganz einfach. Es ist manchmal schwierig festzustellen, welche Präposition durch einen Bindestrich quasi ersetzt wurde: Verdacht für, auf, zu ...? Das ist eine Verkürzung, die man erst richtig entschlüsseln muss.

derStandard.at: Hier spielen wahrscheinlich auch Platzgründe eine Rolle.

Wodak: Das ist sicher nicht das ausschlaggebende Moment. Auch hier spielt die Vermündlichung unserer Sprache eine Rolle.

derStandard.at: In der "Kronen Zeitung" haben auch vulgäre Ausdrücke zugenommen.

Wodak: Ja, das ist auch ein Zeichen dafür, dass mehr Umgangssprache einfließt. Begriffe, die man früher nicht öffentlich verwendet hätte, finden plötzlich Eingang. Das weist auf eine gewisse Veränderung von Normen hin.

derStandard.at: Sie haben die "Presse" mit der "Krone" verglichen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sie sich annähern. Woraus wird das ersichtlich?

Wodak: Das narrative Element hat in der "Presse" mehr Eingang gefunden. Die "Krone" hat immer schon mehr Geschichten erzählt. Da gab es schon lange ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Geschichte und Bericht.

derStandard.at: Der narrative Journalismus ist hilfreich, um Sachverhalte leichter transportieren zu können.

Wodak: Natürlich, das ist adressatenorientierter und wirkt auch ein bisschen bunter. Man kann direkte Rede einflechten. Die Texte sind sicher lesergerechter als ein eher trockener, unpersönlicher, im Passiv geschriebener Bericht.

derStandard.at: Würden Sie manchen Journalisten einen Deutschkurs empfehlen?

Wodak: Ich würde eher empfehlen, mehr darauf zu achten, welches Hintergrundwissen Leserinnen und Leser haben. Journalisten sollten sich die Frage stellen, was man dem Leser oder der Leserin erklären muss. Wie macht man komplexe Sachverhalte möglichst verständlich? Zum Beispiel bei Nachrichten über die Finanzkrise. Die Vermittlung ist oft tatsächlich schwierig.

derStandard.at: Würden Sie Schülern raten, wieder mehr zu lesen, um zum Beispiel Phraseologismen oder Redewendungen besser zu beherrschen?

Wodak: Ja, es wäre wichtig, die Freude am Lesen zu unterstützen. Wobei Lesen im Internet auch als Lesen zu werten ist. Die Beschäftigung mit Literatur sollte einen wichtigen Platz im Leben einnehmen. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 24.4.2012)

Ruth Wodak (62) ist Professorin für Sprachwissenschaft an der Universität Wien und an der Lancaster University. Für die Studie "Wandel der Sprache: Verfall, Veränderung oder Wachstum" wurden 138 Maturaarbeiten untersucht.

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es gibt

Im Interview mit Frau Prof. Wodak kommt neunmal die Formulierung "es gibt" vor, sechsmal in ihren Antworten und dreimal in den Fragen.

Diese Unsitte ist seit einigen Jahren in Zeitungen, im ORF und natürlich auch in Diskussionen und ganz gewöhnlichen Gesprächen eingerissen - man muss nur bewusst darauf achten und wird es kaum glauben, wie oft es "mehr Fehler gibt", eine "Abnahme gibt", "mehr Umgangssprache gibt", "Tote gibt", "einen Stau gibt" etc.

Dabei "gibt es" in der deutschen Sprache so schöne Möglichkeiten: es werden mehr Fehler gemacht, irgendetwas nimmt ab (oder besser: die Anzahl von ... nimmt ab), die Umgangssprache wird mehr (oder häufiger) verwendet, ein Wandel ist zu bemerken, es waren Tote zu beklagen ein Stau trat auf ...

und Mitvergangenheit gibt es auch keine.

Es gibt in der österreichischen Umgangssprache de facto KEINE mitvergangenheit mehr.
fast alle sagen: ... "dann sind wir nach hause gegangen" statt "gingen wir nach hause" oder "ich hab gedacht" statt "ich dachte" etc

Daß das Perfekt außer für bestimmte Verben (etwa "sein") das Imperfekt in der gesprochenen Sprache ersetz, ist eh nur seit 500 Jahren so. Welche bedenkliche Entwicklung...

Richtigstellung

Frau Wodak hat sich im Interview versprochen oder wurde sinnwidrig zitiert. Ein Ergebnis ihrer Studie ist, dass NICHT die Sätze, vielmehr die Texte der Maturaarbeiten kürzer geworden sind. Die Sätze wurden deutlich länger und syntaktisch komplexer. Im Interview kommt es zur widersprüchlichen Feststellung, dass die Schüler mehr Schachtelsätze verwenden und zugleich kürzere Sätze bilden.

Auch das Beispiel für den Dativ als Ersatzform ist unglücklich formuliert. Präposition + Artikel = zuviel. Aber wenn es heißt: "die Zunahme von Problemen" oder "das Aussterben von Sprachen" dann schrillt wohl nicht bei allen und nicht gleich heftig der Fehleralarm. Stehen die Nomen im Plural, ist auch der Dativ "mehrheitsfähig".

"die Zunahme von Problemen" und "die Zunahme der Probleme" ist mMn nicht dasselbe...

Probleme können überhaupt nicht zunehmen ...

... es sei denn, sie essen zu viel oder betreiben zu wenig Sport.

Korrekt wäre, dass die Anzahl der Probleme zugenommen hat.

Natürlich ist auch dieser Fehler sehr häufig zu lesen, das macht die Sache aber nicht besser.

Zunehmen können sie zwar nicht, aber zum Beispiel eskalieren

Ja, gewiss! Die deutsche Sprache bietet so viele schöne Möglichkeiten, um sich auszudrücken ...

...die englische auch, wenn nicht noch mehr! Oder russisch, italienisch...

Englisch wird generell und auch durchaus hochmütig vom deutschsprachigen Bildungsbürger unterschätzt, was ich so gar nicht leiden kann.

Sprache oder Text sind, wie auch dem Artikel zu entnehmen ist, abhängig von "Epoche" und Verwender. Deutsch ist mit Sicherheit nicht die einzige Sprache, die einen besonders schönen oder variantenreichen Ausdruck erst ermöglicht.

Zwiebelfisch

ich denke nicht, dass es sich um ein österreichisches Phänomen handelt; siehe "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod"...

Breites Spektrum hier vertreten: von Sprachpuristen, die ungefähr so flexibel sind wie Betonschhilf bis zu Leuten mit viel Sprachwitz :)

Ach mein Gott. ich meine natürlich SCHILF !!

Sprachpuristen und Wortspieler verbindet die Liebe zur Sprache

Der eine beschützt die Dame, der andere begehrt und verführt sie lustvoll. Die große Menge der Kommentare belegt, wie wichtig für viele die Auseinandersetzung mit Sprache ist, dass es ihnen um mehr als um Effizienz der Kommunikation geht.

Karl Kraus befand schon, dass der größte Unterschied zwischen Deutschen und Österreichern die gemeinsame Sprache sei. Aber was nun jenseits von Äußerlichkeiten wie "Marmelade", "Topfen" oder der Vorliebe für die Verkleinerungsform, sozusagen die Seele des österreichischen Deutsch ist, kann zwar gespürt werden, ist aber so klar nicht, wie viele meinen.

Vielleicht zeigt sie sich in der (stärkeren) erotischen Beziehung zur Sprache, wie sie sich nicht zuletzt auch hier im Engagement der Leser erweist.

Auch wenn die Legende noch so oft kolportiert wird, Karl Kraus hat das nie "befunden". Wäre auch erstaunlich, denn schließlich war er wohl doch zu intelligent, um Staaten mit Sprachkategorien zu verwechseln.

Zu blöd!

Sie haben recht! Habe mich kundig gemacht, der Satz stammt von Karl Farkas! Er hat ihn aus der Emigration mitgebracht und eingedeutscht. Der geistige Urheber ist G. B. Shaw, der in Ihren Augen wohl nicht besonders intelligent war, denn er "befand":

"England and America are two countries divided by a common language."

Abgesehen davon, dass England und Amerika nicht durch eine willkürlich die Sprachgeographie durchschneidende Staatsgrenze , sondern durch einen Ozean getrennt sind, kann Shaw keinesfalls die kritische und unbestechliche Intelligenz eines Karl Kraus für sich in Anspruch nehmen.

Shaw lief (von der Züchtung des Übermenschen schwärmend) eugenischen Moden genauso unkritisch und blind hinterher, wie er schwärmerisch die "paradiesischen Zustände" in der stalinistischen Sowjetunion gepriesen hat.

Da war sein Freund und geistiger Opponent G.K.Chesterton schon ein anderes Kaliber!

Dieses Thema ist an und für sich nicht so wichtig, wie es teilweise dargestellt wird.

Eine Nation, die existiert (österr. Staatsbürger, Gesetze, Ämter, Pässe, Staatsgrenzen, internationale Vertretungen etc). muss sich weder abgrenzen noch speziell über eine andere Nation (i.d.F. Deutschland) definieren. Alle andere Definitionen der Nation, die nicht im Zusammenhang mit einem Staat stehen, sind rückständig und unseriös geworden. Seine Identität als Österreicher darüber zu definieren, dass man ein bestimmtes Wort verwendet, das andere Deutschsprachige nicht verwenden, ist das Lächerlichste überhaupt. Sich einfach damit zufrieden zu geben, seine Identität über die Nation und den Staat, dem man angehört, zu definieren, wie diese alle anderen Menschen auf der Welt tun, genügt in Österreich offenbar nicht.

Nun ja, einerseits kann ich Ihrem Ansatz schon einiges abgewinnen. Aber es geht dann doch auch um die Definition dieser Liebe.

Um bei Ihrer Metapher zu bleiben: vielleicht würde es die beschützte Dame durchaus beleben hin und wieder ein paar "Fehltritte" machen zu können, die sich in weiterer Folge als Gewinn an Frische und Vitalität entpuppen könnten ? Alles ist vergänglich und Erhaltung ohne ständigen Wandel und ständige Erneuerung kann nur zu Versteinerung führen.

Mein Lieblingsspruch in dem Zusammenhang ist: "Tradition ist nicht die Anbetung der Asche sondern die Weitergabe der Flamme"

Sehe und fühle ich auch so.

Jedes Kind liebt Sprachspiele, Lautmalereien ebenso wie Mehrdeutigkeiten, Vorgeformtes wie eigene Erfindungen. Nur wir Erwachsenen verbiestern.

Es lebe der lebendige Umgang mit unserer lebenden Sprache!

Wieso geht der Genetiv im Zuge der "österreichischen

Identitätsbildung" unter? Was hat der vermehrte Gebrauch des Dativs mit österreichischer Identität zu tun? Ich fühle mich sehr österreichisch und nicht sonderlich deutsch und bevorzuge den guten "alten" (?) Genetiv, dort wo dieser halt hingehört, oder hingehören täte... "Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod", hab das Buch zwar nicht gelesen, aber da ist klar sichtbar, wie botschert der Dativ klingt, wenn er nicht passt.

Ich finde es amüsant

dass Sie den Genitiv verwenden, aber nicht wissen, dass er eben Genitiv und nicht Genetiv heißt....

Das freut mich, dass ich zu ihrem Amüsement

beitragen durfte!!! ;-))) Ich hab mich auch gewundert, warum mein Rechtschreibprogramm das Wort rot unterlegt. Ich benutze den Genitiv ja nie schriftlich, sondern bloß in gesprochener Form :-)))

Er heißt beides.

Danke, liebe/r Chien de Pique!

War schon etwas verwirrt, denn in der Schule lernten wir den Genetiv und nicht den Genitiv....

Wobei der genannte Buchtitel tatsächlich "Genitiv" hat, nur in dem Punkt war die Korrektur nicht daneben. Ich bin selber auch die Form mit e gewohnt. Jetzt könnten wir noch eine gewöhnt/gewohnt-Diskussion nachschießen....

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