Ägypten kündigt Erdgas-Liefervertrag mit Israel

Ben Segenreich aus Tel Aviv
23. April 2012, 18:00
  • Artikelbild
    grafik: standard

Keine unmittelbaren Auswirkungen

Offiziell ist es bloß ein "geschäftlicher Konflikt", doch in Israel sprach man besorgt von einem weiteren Rückschlag in den heiklen Beziehungen zu Ägypten. Aus Kairo war am Sonntag plötzlich die Nachricht gekommen, dass der Erdgas-Vertrag mit Israel gekündigt wird. Unmittelbare praktische Auswirkungen hatte der Schritt nicht, denn der Gasfluss aus Ägypten war ohnehin unterbrochen. Seit dem Beginn des Aufstands gegen das Regime von Hosni Mubarak vor mehr als einem Jahr hatte es 14 Angriffe und Sabotageakte gegen die Gasleitung auf der Sinai-Halbinsel gegeben. Zuletzt war am 9. April eine Explosion gemeldet worden.

Formal war die Gaslieferung kein Teil des Friedensvertrags, den Ägypten 1979 als erstes arabisches Land mit Israel schloss. "Die einseitige Kündigung des Gasliefervertrags ist kein gutes Zeichen, und wir hoffen, dass dieser Streit geregelt wird wie jeder Geschäftsstreit, ohne ihn auf die politische Schiene zu übertragen", sagte Israels Außenminister Avigdor Lieberman. "Israel ist interessiert, das Friedensabkommen zu bewahren, und wir glauben, das liegt auch im Interesse von Ägypten."

Der Vize-Generaldirektor der Israelischen Elektrizitätsgesellschaft gab an, über das Kalenderjahr 2011 hätten die Ägypter nur noch ein Viertel der Gasmenge geliefert, zu der sie vertraglich verpflichtet gewesen wären. Aus Ägypten wurde als Begründung für die Kündigung angegeben, die israelischen Abnehmer seien mit der Zahlung im Rückstand gewesen, was diese aber bestreiten. Israel will nun die ägyptische Gasgesellschaft Egas klagen. (Ben Segenreich aus Tel Aviv, DER STANDARD, 24.04.2012)

Share if you care
24 Postings
Die Eastern Mediterranean Gas (EMG) an welche die Gaslieferungen erfolgen - und die weiter an Isreal liefert - ist eine Firma mit Freunden in den "höchsten Ebenen". Hussein Salem, ein wohlhabender Ägypter dürfte der "Bag Man" f.Mubarak gewesen sein…

…Nach Ms Sturz flüchtete er aus Ägypten u.bekämpft per rechtlichem Zick-Zack alle Auslieferungsansuchen.

Sein Partner Yossi Meiman war mit Ariel Sharon liiert. Meiman verkaufte seine persönl.Anteile an der EMG 2008 an die US/Isr-Firma AMPAL,welche aber auch er kontrolliert. Der Philantropist Samuel Zell ist ein weiterer Partner.

Seit Mubaraks Fall haben sich die leisen Flüstertöne von möglicher Korruption in laute Rufe verwandelt, u.so ziemlich alle ägypt.Politiker haben sich nun diesem populistischen Thema verschworen.



Das ganze Theater in Isreals Regime (Mofaz sprach sogar fälschlicher Weise v."Bruch" des Camp David Acc.) läßt aber befürchten,daß es wieder einmal um den Sinai geht u.das Ganze bewußt instrumentiert wird.

"Die einseitige Kündigung des Gasliefervertrags ist kein gutes Zeichen, und wir hoffen, dass dieser Streit geregelt wird wie jeder Geschäftsstreit, ohne ihn auf die politische Schiene zu übertragen", sagte Israels Außenminister Avigdor Lieberman.

Wenn ein Außenminister soetwas sagt, ist es doch schon längst auf der politischen Ebene.

Was faselt der Lieberman hier? Das Ägypten am Frieden nicht interessiert ist nur weil ein VERTRAG gekündigt wurde?

Das macht Russland mit der Ukraine auch ohne das es zum Krieg kommt.

Mein Vorschlag an Lieberman - neuer Vertrag mit erhöhten Gebühren. Will er das nicht nur weil er dann mehr zu zahlen hätte?

Wieso der Verrückte von Krieg faselt ist unverständlich. Als ob ein Gasvertrag irgend etwas mit einem anderen Vertrag zu tun hat. Diese Suggestion zeigt das Lieberman gerne provoziert.

Sind die Bedingungen für die wirtschaftliche Zusammenarbeit in dem russisch-ukrainischen-Friedensvertrag geregelt? Oder" faselst" du wieder von den Dingen, welche dir nur zur Hälfte bekannt sind?

Mal was anderes: wär es sehr aufwändig Ägypten im Standard.at aus Afrika in den Nahen Osten zu transferieren? So wies im heutigen, allgemeinen Sprachgebrauch üblich ist?

(jaja, ich kenne die Hintergründe, aber trotzdem: hier gehts nicht um Weltanschauung, sondern um Verständlichkeit!!!).

Krieg und Strategie

Wenn sich die Regierung eines Staates mit all seinen Nachbarn aus religieusen Gründen und wieder alle Vernunft und Moral in den Krieg begibt, darf Sie sich nicht wundern, daß die Gegner strategische Entscheidungen treffen, die diesen Einzelkämpfer empfindlich treffen.

Es ist halt ganz einfach: Ohne Energie Nachschub gehts dem Volk, dem Militär und zu guter Letzt ganz schnell der Regierung an den Kragen.

die sachen werden fuer israel teurer aber das wars dann aber auch schon.
sie denken halt genauso, wie araber denken. wir brauchen mehr solche leute wie sie in oesterreich. mein ich wirklich so. vielleicht hoert dann irgendwann mal diese politische korrektheitsscheisse auf.

Mehr solche "Leute wie..." was?

Die Ironie, die Sie versuchen, aufzubringen, versteh ich wohl- was das "Leute wie Sie" betrifft, so versteh ichs tatsächlich nicht. Aber Sie können es mir sicherlich leicht erklären, hoffe ich.

zur Abbildung links:
wär das nicht was für eine gaszuleitung zur nabucco-pipeline?

Die israelische Version der Seegrenze (Karte)

ist aber ziemlich schräg

Wie kommt's?

Öl. Aber das ist irrelevant, die Seegrenzen sind klar normiert ausgehend von der Landmasse eines Staates. Also der Küste folgend.

Die Behauptung, daß "Isreal" sich irgendwo irgendwelche Grenzen gesetzt hätte, ist eher ein unbestätigtes Gerücht…

…Die Offenheit Isreals ist quasi "grenzenlos".

Lustig ist das nicht, aber auch einmal spricht man von gegenseitigen 'Interessen'.

ganz was anderes:
wie schaut's mit Wasser aus, an dem Palästinenser interessiert sind?

nachdem bis 2004 gas in israel praktisch keine rolle gespielt hat kann der gasvertrag auch nicht viel mit dem friedensvertrag 1979 zu tun haben.
http://en.wikipedia.org/wiki/Econ... atural_gas
seit 2007 ist die pipeline nach israel im betrieb. egypten exportiert 2.7% seines erdgases nach israel. wird man in israel halt auf teurere fluessiggas importe umsteigen muessen.

Das Verhalten Ägyptens verstößt zumindest gegen Artikel III, Absatz 3 und auch gegen den Anhang III, Artikel 2. Und das sehr eindeutig.
Dort sind die Bedingungen für die wirtschaftlichen Beziehungen geregelt.

http://www.mfa.gov.il/MFA/Peace... e%20Treaty
das aufloesen des vertrags verstosst wahrscheinlich gegen die im anhang iii,2 geschriebenen diskriminierungsverbote und gegen artikel iii,3 vielleicht, aber eher nicht.

Ägypten kann als "böses" Beispiel dienen:

Wen hat man vom Westen unterstützt?
Einen Radikalen. Unter einem radikalen Herrscher gedeiht Selbiges, nur wedeln deren Herren mit anderen Fahnen ( religiös, politsch,...).

Es ist logisch, dass ich als Individuum nach dauernder Unterdückung irgendwann bereit bin selbst radikal zu handeln, um aus der Situation ausbrechen zu können, oder aber, ich bin dadurch verblendet.

Mir scheinen die Islamisten, also Radikale, sehr viel Einfluss dort zu haben, was allerdings, eine logische Folge der vorherigen Handlungen ist, die vom Westen mitgetragen wurden.

Man darf sich also nicht wundern. Mal schauen, wie es in ein paar Jahren in Saudi Arabien zugeht und ausschaut, ..., und wie das alles auf den Westen, also auf uns zurückschlagen wird...

Haben sie die Lieferung an Jordanien auch eingestellt?
Immerhin gehen diese Lieferungen über die selbe Pipeline.

Die Ägypter sind sehr mutig mit dieser Entscheidung, Gerüchten zufolge reichen ihre Devisen nur noch max. ein halbes Jahr um Nahrungsmittel wie Weizen zu kaufen.

Grundsätzlich finde ich es beängstigend wieviel Einfluss die Islamisten bereits haben, immerhin war es eine ihrer Hauptforderungen Israel das Gas abzudrehen.

wenn die heldehaften widerstaendler die pipeline in der wueste sprengen geht kein gas nach jordanien, aber die jordanien pipeline geht nicht ueber israel.
http://en.wikipedia.org/wiki/Arab... s_Pipeline
und mutig: too big to fail. wir werden die schon nicht verhungern lassen ...

To big to fail trifft hier nicht unbedingt zu, Ägypten ist ein Land und keine Bank.
Das einzig wirklich größere strategische Interesse das der Westen in Ägypten hat ist die benützbarkeit des Suezkanal.
Kurzfirstig wird es vielleicht Lebensmittelhilfe geben, langfristig können wir uns das auch nicht leisten. Auf die arab. Staaten als hilfe darf man auch nicht wirklich hoffen. Ein Staat kann nur dann souverän sein wenn er wirtschaftlih auf eigenen Beinen steht und sein Volk ernähren kann, da sehe ich im Moment dunkel für Ägypten.
Leider.

Schaut gut aus, für Israel.

Das FS3 berichtete vor über 3 Jahren über diesen Fund vor Palästinas Küsten, und wie er energie-und regionalpolitisch zu interpretieren ist…

…Dabei sind die nun kolportierten Vorkommen noch weitaus größer, als das FS3 in einer vorsichtigen Schätzung damals berichtete - "It's a Gaz(a)":
http://derstandard.at/plink/123... 0/11710088

Sogar Russlands Energieriese klopfte erst vor kurzem an und überreichte ein KOOPERATIONS-Angebot:
http://derstandard.at/plink/133... 8/25121198

Und hier gehts zum gerade verschwundenen - weil nicht mehr aktuellem - alten Artikel-Thread:
http://derstandard.at/plink/133... 7/25790455

Früher Kphle, heute Öl und zunehmend Gas: Energieversrogung aus Georessourcen macht in höchstem Ausmaß abhängig und erpreßbar!

Unabhängigkeit und damit auch Frieden ist nur mit Energieautonomie erreichbar.

Das gilt nicht nur für Energie, wie man am Streit um die Seltenen Erden gesehen hat. Globalisierung und freier Welthandel ist eben ein Konzept, das sehr leicht politisch hintertrieben werden kann. Dementsprechend hart sollte man auch mit diesen Ländern ins Gericht gehen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.