Ägypten kündigt Erdgas-Liefervertrag mit Israel

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Keine unmittelbaren Auswirkungen

Offiziell ist es bloß ein "geschäftlicher Konflikt", doch in Israel sprach man besorgt von einem weiteren Rückschlag in den heiklen Beziehungen zu Ägypten. Aus Kairo war am Sonntag plötzlich die Nachricht gekommen, dass der Erdgas-Vertrag mit Israel gekündigt wird. Unmittelbare praktische Auswirkungen hatte der Schritt nicht, denn der Gasfluss aus Ägypten war ohnehin unterbrochen. Seit dem Beginn des Aufstands gegen das Regime von Hosni Mubarak vor mehr als einem Jahr hatte es 14 Angriffe und Sabotageakte gegen die Gasleitung auf der Sinai-Halbinsel gegeben. Zuletzt war am 9. April eine Explosion gemeldet worden.

Formal war die Gaslieferung kein Teil des Friedensvertrags, den Ägypten 1979 als erstes arabisches Land mit Israel schloss. "Die einseitige Kündigung des Gasliefervertrags ist kein gutes Zeichen, und wir hoffen, dass dieser Streit geregelt wird wie jeder Geschäftsstreit, ohne ihn auf die politische Schiene zu übertragen", sagte Israels Außenminister Avigdor Lieberman. "Israel ist interessiert, das Friedensabkommen zu bewahren, und wir glauben, das liegt auch im Interesse von Ägypten."

Der Vize-Generaldirektor der Israelischen Elektrizitätsgesellschaft gab an, über das Kalenderjahr 2011 hätten die Ägypter nur noch ein Viertel der Gasmenge geliefert, zu der sie vertraglich verpflichtet gewesen wären. Aus Ägypten wurde als Begründung für die Kündigung angegeben, die israelischen Abnehmer seien mit der Zahlung im Rückstand gewesen, was diese aber bestreiten. Israel will nun die ägyptische Gasgesellschaft Egas klagen. (Ben Segenreich aus Tel Aviv, DER STANDARD, 24.04.2012)

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