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Washington/Jena - Menschen verlieren beim Erwerb von Dingen oder Dienstleistungen lieber Geld als ihr positives Selbstbild. Das führt entweder dazu, dass sie selbst für Produkte zahlen, die sie eigentlich gratis haben könnten, oder dass sie die Produkte lieber gar nicht kaufen als zu billig. Dies berichtet ein internationales Forscherteam in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS).
"Zahle, was du willst" - mit diesem Verfahren machte im Jahr 2007 die Band Radiohead auf sich aufmerksam. Sie bot ihr neues Album im Internet zum Herunterladen an und überließ den Fans, wie viel Geld sie - wenn überhaupt - dafür bezahlten. Erstaunlicherweise zahlten die Fans, und zwar nicht wenig.
Warum aber zahlt jemand für ein Produkt, das er eigentlich umsonst haben kann? Mit dieser Frage setzten sich die Forscher um Ayelet Gneezy von der Universität von Kalifornien (La Jolla) in ihrer Untersuchung auseinander. An der Studie war auch der Wissenschaftler Gerhard Riener von der Universität Jena beteiligt.
Preis und Kauf-Häufigkeit
Die Experten führten mehrere Experimente durch. In einem boten die Wissenschaftler Menschen in einem Vergnügungspark Fotos von deren Achterbahnfahrt an - und zwar zu einem selbst gewählten Preis. Einigen Menschen sagten die Forscher, dass die Hälfte ihres Geldes einer Stiftung für schwer kranke Kinder zu Gute kommt. Das Ergebnis: Die Menschen zahlten rund fünf Mal mehr, wenn sie wussten, dass sie damit etwas Gutes bewirken können. Viel überraschender aber war, dass in diesem Fall deutlich weniger Menschen überhaupt ein Bild kauften.
Die Forscher vermuten, dass Menschen, die grundsätzlich nur wenig Geld ausgeben wollen, lieber gar nichts kaufen, als ein gutes Produkt - also ein Bild plus eine Spende für kranke Kinder - für einen zu geringen Preis zu erwerben. Sie bewahren demnach ihre Selbstachtung.
Mit der Preis-Auswahl verzichteten viele
In einem zweiten Experiment boten die Forscher Ausflüglern ein auf einer Bootstour aufgenommenes Foto an, mit der Auskunft, es koste normalerweise 15 US-Dollar. Einige Ausflügler konnten die Aufnahme von sich selbst nun zum Sonderangebot von 5 US-Dollar kaufen, andere zu einem Preis, den sie selbst bestimmen durften. Wiederum verzichteten nun viele Menschen auf ein Bild, wenn sie den Preis selbst wählen konnten.
Wenn das Unternehmen den Preis herabsetzt, haben die Kunden den Forschern zufolge kein Problem damit, das Angebot anzunehmen. Selbst womöglich zu wenig zu zahlen, bringe die Käufer aber in Bedrängnis, weil sie nicht schlecht dastehen wollen.
Die Aufrechterhaltung eines positiven Selbstbildes erkläre, warum sich Käufer marktwirtschaftlich nicht völlig egoistisch verhalten, schreiben die Forscher. Wenn Menschen ein Unternehmen mögen, zahlen sie vermutlich selbst unter "Zahl, was du willst"-Bedingungen eher einen angemessenen Preis als einfach so wenig wie möglich. Unternehmen, die bei ihrer Preisgestaltung solche Mechanismen berücksichtigen, könnten ihren Profit womöglich sogar vergrößern. (APA, 23.4.2012)
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Jeder ist prinzipiell daran interessiert, dass diese Waage ausgeglichen ist.
Ungerechtfertigt zuwenig gezahlt zu haben, hängt sich länger an, als ungerechtfertigt zuviel gezahlt zu haben.
Zudem ist der Preis auch ein Qualitätsindikator. Was nichts kostet, ist nichts wert und wird bald weggeworfen, falls man es nicht anders aufwerten kann.
Das gängig behauptete Gegenteil stammt aus dem normstrategischen Ansatz der Neokons, der sich direkt und alleinig von Clausewitz "Vom Kriege", Breslau 1831 herleitet, und Wirtschaften nicht als soziale Interaktion des Leistungsaustausches versteht, sondern als Krieg, wo sogar [höchst unökonomisch, da mit erhöhtem Energieaufwand] jeder jeden über den Tisch zieht bis er schließlich selber ins Gras beisst.
Wir leben in einer modernen, mehr oder weniger subtilen Sklaverei. Der "Vorteil" von Sklaven, ist dass sie keine Verantwortung für ihre Taten übernehmen müssen. Natürlich würde heute kaum jemand auf die Idee kommen ein Sklave zu sein.. aber Consumer sind wir doch alle, oder?
Diese beiden Dinge scheinen Grundvoraussetzung zu sein, um PWYW Systeme funktionieren zu lassen.
Anonymität nimmt Scham oder die Furcht vor sozialer Verlegenheit. Genauere Informationen über das zu bezahlende Gut, wie zB Kosten der Herstellung, Händlermargen, lässt einen dann erst entscheiden, wieviel einem die Ware wert ist.
Bei Musikkauf im Internet zum Beispiel ist beides gegeben, man kann sich relativer Anonymität sicher sein und weiß relativ genau, was Alben oder auch einzelne Songs so kosten.
tendenziell mehr bezahlt wird als man für eine vergleichbare leistung mit fixpreis bezahlen würde, ist vielleicht ganz banal: sozialer druck. keiner steht in der öffentlichkeit gerne als knauserer dar.
Klingt nachvollziehbar. Wenn man nicht gerade etwas unbeobachtet in eine Box werfen kann, eine sozial (Gefahr unangenehmer Reaktionen) und mental (zu lästigen Kalkulationen in einem fachfremden Bereich gedrängt) Stress erzeugende Situation, wo man meist genötigt sein wird, zuviel zu geben.
Das eine sind die "Ankerpunkte".
Haben wir vorher oft die Zahl 1000 gesehen, zahlen wir für eine Kaffee ohne Müssen 5. Haben wir oft die Zahl 1 gesehen keine 3.
Wenn wir etwas umsonst angeboten bekommen, vermuten wir sofort ein hinterhältiges "Kleingedrucktes".
Sollen wir gar selbst entscheiden kommt alles zusammen - vor allem die Angst es hinterher zu "bereuen".
Dazu ein Literaturtip:
http://www.amazon.com/gp/produc... B002C949KE
ein Produkt, das ich will, das ich wertschätze, will ich bezahlen, da das das angemessene Gegengeschäft ist,
nun ist aber kein Geldeswert angesetzt, der mir Hinweise gibt, was es wert ist, ich muss es also selbst in Geldeswert bewerten,
das kann ich aber nicht, bin unsicher, will nicht zuviel aber auch nicht zuwenig geben,
eine Entscheidung, die mich zufrieden stellt, ist nicht möglich,
daher in der Folge Konfliktvermeidung, das Produkt wird nicht mehr nachgefragt
so irgendwie läuft das ab.
Ist das Produkt zu teuer, kaufe ich es nicht, da es nicht meinem Lebensstandard entspricht, ist es zu billig, dann viceversa
auch eine Entscheidung, die nicht angenehm ist, daher: Vermeidung
Bei guten Produkten, mit denen ich zufrieden bin und die ich wieder kaufen würde, will ich die Arbeit belohnen. Praktisch meine Stimme abgeben.
Die sind mir dann unter Umständen auch mehr Geld wert.
Mir ist dabei wichtig das ich das Produkt uneingeschränkt testen kann.
Ein Foto aus einem Vergnügungspark ist maximal eine nette Erinnerung. Bessere Beispiele wären Hochtseitsfotos, Essen in Restaurants oder auch mal ein Kinofilm bei dem man nach dem Film bezahlt.
ich denke, es ging darum, das Experiment in brauchbaren Rahmenbedingungen - wo vor allem auch die Ergebnisse unterschiedlichen Vorgehens vergleichbar sind - zu machen.
Freilich: in einer relativ belanglosen Situation - aber das kann das Verhaltensexperiment gut deutbar machen.
Und sicher: ginge es nicht um Erinnerungsfotos, sondern um ein Mittagsmenü, ein Hotelzimmer, ein Smartphone, einen Musiktitel - könnte sein, muß aber nicht, dass dann das Ergebnis des Experiments anders aussieht.
Die Interpretation bzgl. Wahrung des Selbstbildes erscheint mir jedenfalls schlüssig.
amerikaner stehen auf solche erinnerungen und fast überall -sei es in amusement-parks oder halt auf so ausflugsbooten- gibt es einen fotographen, der schnappschüsse macht und diese dann zum verkauf anbietet.
in österreich kenn ich nur beim donauturm einen und ich glaub mal, dass das gseschäft dort eher mau ist.
in österreich hat so ein foto aber kaum mehrwert. deswegen würde wohl so eine testanordnung in österreich wohl ein absolut anderes ergebnis bringen.
Wenn es nämlich ein Kontinuum ist, dass ist es pefekt für oben angeführtes Experiment - dann könnten Sie nämlich jede Abstufung von 0 bis "sehr viel" austesten.
Wenn Nützlichkeit hingegen ein Kasten mit genau 2 Schubladen ist, kann ich Ihnen auch nicht helfen.
Ein fixierter niedriger Preis bringt mehr Käufer als eine freie Preis-Wahl....
Natürlich stiegen die Verkäufe, wenn das Sonderangebot ausgerufen wurde; und erwartet hatte man auch, dass PWYW-Käufer mehr investieren, wenn sie einen guten Zweck miterwerben. Aber dann kam die Überraschung: Wenn Käufer den regulären Preis und das Sonderangebot kannten und dann zum PWYW eingeladen wurden, griffen sie seltener zu , selbst mit dem Sonderangebot identischen fünf Dollar erschien ihnen dann zu wenig(Science,329, S325) Gneezy interpretierte das als Stabilisierung des Selbstbildes - allzu gierig und unfair will man auch nicht sein....
so steht´s in der Presse
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