Grüne und Piraten: Urheberrecht muss sich ändern

8. Mai 2012, 16:15
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Grünen-Sprecher Zinggl und Pirat Jorquera beziehen im Video-Interview Stellung

Die Debatte um Urheberrechte und die Verwertung medialer Inhalte spitzt sich zu. Rodrigo Jorquera, Bundesvorstand der Piratenpartei, und Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen diskutierten mit InSite über die Rechte von Künstlern, die Verwertung von Medien und die dazugehörigen Gesetzgebungen. Zwischen den Parteien herrscht große Einigkeit, nicht zuletzt darüber, dass das Urheberrecht entsprechend den Herausforderungen und Möglichkeiten des Digitalzeitalters grundlegend überarbeitet gehört. "Das analoge System wurde krampfhaft auf das digitale System umgelegt. Das passt da nicht hin", sagt Jorquera unter Zustimmung von Zinggl. "Die Machtteilung zwischen Verwerter und Urheber muss wieder auf ein logisches Maß reduziert werden. Derzeit ist es wie eine Beziehung zwischen Vasall und Lehnsherr."

Bezahlmodelle

Unterschiede gibt es bei den Lösungsvorstellungen zur Finanzierung von Kunst. Während Zinggl die Forderung der Grünen nach einer Kultur-Flatrate unterstreicht, pocht Jorquera auf das Bestimmungsrecht der Konsumenten. "Die Wertschöpfungskette muss wieder logisch sein. Das heißt, der Urheber bekommt am meisten vom Kuchen und nicht die Person, die (Medien, Anm.) vertreibt. Andererseits muss der User die Möglichkeit haben, zu bestimmen, wo das Geld eingesetzt wird", so Jorquera. "Sowohl die User als auch die großen IT-Konzerne müssen ihren Teil leisten. Ich glaube, dass im Unterschied zu (Individualzahlungen, Anm.) diese Pauschalabgaben besser eingesetzt und verteilt werden können", entgegnet Zinggl.

Chancen des Internets

Während bei der Urheberrechtsdebatte Filesharing ins Visier der Medienkonzerne gerät, räumt Jorquera den Künstlern auch neue Chancen durch das Netz ein. "Es gibt eine Studie der Gesellschaft für Konsumentenforschung, die besagt, dass Leute, die in Tauschbörsen aktiv sind, öfter ins Kino gehen. Auch in den Zeiten, als Bibliotheken eingeführt wurden, gab es Verwerter, die dagegen waren. Es hat dann aber den gegenteiligen Effekt gehabt. Die Leute haben sich angelesen und dann die Bücher gekauft, wenn sie ihnen gefallen haben."

Ein Problem ist laut Zinggl zudem, dass Medienanbieter die Schaffung legaler Alternativen zu Tauschbörsen verabsäumt haben. "Tatsächlich ist es so, dass durch diese Quasi-Monopole die großen Labels bestimmen konnten, wann wo was wie viel genutzt werden darf. Da haben sie dann vor lauter Ja-nicht-jemandem-zu-viel-Geben übersehen, dass es ganz bestimmte Nachfragen gibt, die unerbittlich sind. Und heute haben wir den Effekt, dass der illegale Markt manchmal größer ist als der legale."

Was müsste passieren?

Was müsste EU-weit, aber auch lokal geschehen, um die Situation für Künstler zu verbessern und Rechtssicherheit bei Urheberrechten im digitalen Zeitalter zu schaffen. "Leute, die sich technisch auskennen und das Internet nicht nur vom Hörensagen kennen", sollten sich mit Künstlern und Verwertern zusammensetzen "und sich überlegen, wie wir ein digitales System schaffen", sagt Jorquera.

"Als erster Schritt ist das Urhebervertragsrecht zu installieren", unterstreicht Zinggl lokale Bedürfnisse. "Das sichert den Urhebern und Urheberinnen Grundrechte zu, die ihnen abseits von irgendwelchen Verträgen etwa Anteile an Bestsellern garantieren." (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 8.5.2012)

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