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Aufgeregt wuseln die alten Damen in den Veranstaltungsraum. Es ist kurz vor neun, gleich beginnt das wöchentliche Gedächtnistraining. Die Damen lassen keine Zeit unnötig verstreichen. Noch bevor die Stunde begonnen hat, zücken sie ihre Hausaufgabe der vergangenen Woche.
"48?! Nein, so viele hab ich nicht gefunden." - "Ich such immer noch." Die Hausübung sorgt für Aufregung unter den Damen. In einem Text sollte die Silbe "ei" gezählt werden - mit offenbar unterschiedlichen Ergebnissen.
Doppelt so viele Demenzerkrankungen bis 2030
Das Gedächtnistraining im Seniorenheim Wohnpark Fortuna in Wien-Döbling ist in erster Linie Übung, aber auch Beschäftigung für die Bewohner. Catherina Stanek-Sittner leitet seit drei Jahren den Kurs. Sie möchte Freude am Denken vermitteln und erhalten. Die Schülerinnen sollen gefordert, aber nicht überfordert werden. Das Rätseln in der Gemeinschaft hilft ihnen, geistig fit zu bleiben. Wichtig ist die Gemeinschaft vor allem für die schwächeren Teilnehmerinnen.
Man müsse sich bewusst sein, dass kognitives Training - so der Fachausdruck - Demenz weder vorbeugen noch heilen kann, sagt Stanek-Sittner. Erst kürzlich veröffentlichte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Zahlen, wonach sich Demenzerkrankungen bis 2030 weltweit verdoppeln werden. Eine deutsche Studie aus dem Jahr 2011 ist zu dem Schluss gekommen, dass jeder dritte Mann und jede zweite Frau im Lauf des Lebens damit rechnen muss, an Demenz zu erkranken.
Es gibt verschiedene Formen und Verläufe der Erkrankung, Alzheimer ist eine davon. Es beeinträchtigt nicht nur die Merkfähigkeit der Menschen, auch einfache körperliche Tätigkeiten können eine schwierige Herausforderung sein, etwa sich eigenständig anzuziehen oder Stiegen zu steigen.
Osterhase, Osterei, Osterlamm
"Bei uns ist Einsagen erlaubt", sagt Stanek-Sittner. Die 15 adrett gekleideten und perfekt frisierten Damen sitzen schon auf ihren angestammten Plätzen und stürzen sich mit Eifer auf die Übungen. Im Programm von Stanek-Sittner geht es nicht nur darum, das Gehirn mit Merkübungen zu trainieren, auch Koordinationsübungen und Übungen zur Konzentration und Wortfindung gehören dazu, quasi zum Aufwärmen. Die Koordinationsübung - auf die Brust klopfen und gleichzeitig kreisförmig über den Bauch streichen - stellt den Beginn des Kurses dar. Nach einer Runde Klatschübungen geht es los.
Diese Woche beschäftigt sich die Runde noch mit Ostern. Zusammengesetze Hauptwörter zum Thema werden gesucht. Über Osterhase, Osterei und Osterlamm kommen die Pensionistinnen schnell hinaus. Das Wort "Osterparade" fällt. "Die gibt es doch nur in Amerika", protestiert eine alte Dame. "Wir sind ja alle fernsehgebildet", kontert eine andere.
Die Gemeinschaft und das gemeinsame Tüfteln sind den Damen viel wert. "Es macht mir so viel Spaß, weil es eine so nette Gruppe ist", sagt eine Bewohnerin. Die zierliche alte Dame besucht den Kurs schon seit drei Jahren. Regelmäßig, versteht sich. Die Hausübungszettel nimmt sie gleich zweimal, eine Kopie gibt sie ihrer Enkelin.
"Es geht um Erfolgserlebnisse"
Stanek-Sittner hat einen Abschluss in Psychologie. Seit fünf Jahren arbeitet sie auch als Gedächtnistrainerin, vor allem mit Senioren. Obwohl mit Gedächtnistraining Demenz nicht geheilt werden kann, gilt es als Demenztherapie. "Es geht um Erfolgserlebnisse", erklärt Stanek-Sittner. In Einzeltherapien und Kleingruppen hat sie auch andere Patienten mit der Diagnose Demenz. "Ich schaue, was sie können, nicht, was sie nicht können", erklärt die dreifache Mutter.
Alltagsorientierung und Biografiearbeit stehen dann auf dem Programm. Den geistigen Abbau könne man verlangsamen, aber nicht aufhalten, sagt die Trainerin. Einer ihrer Patienten war Lehrer, er ist gut im Kopfrechnen - wenn sie mit ihm Rechnen übt, motiviert ihn das und verschafft ihm das notwendige Erfolgserlebnis.
Bei der nächsten Übung sind Alliterationen gefragt. "Anton und Anna suchen ihr Osternest hinter dem Apfelbaum" - "Berta und Bianca suchen ihr Osternest unter dem Bett", steigt die Sitznachbarin ein, und so geht es im Kreis weiter. Selbst bei Q, X und Y fallen der Runde Namen ein.
Eingeschränktes Kurzzeitgedächtnis
Dass im Alter das Kurzzeitgedächtnis nachlassen kann, ist kein Geheimnis. In der Familie fällt Demenz meist zuallererst durch gesteigerte Vergesslichkeit auf. Dann folgen Schwierigkeiten bei alltäglichen Handlungen, auch Persönlichkeitsveränderungen gehören zum Krankheitsbild.
Die ehemalige britische Premierministerin Magaret Thatcher und der deutsche Fußballmanager Rudi Assauer sind prominente Beispiele von Demenzerkrankungen. Assauer hat sogar ein Buch über seine Alzheimer-Erkrankung geschrieben. Bei Demenzkranken ist die Fähigkeit, sich etwas zu merken, stark eingeschränkt, das Kurzzeitgedächtnis ist beeinträchtigt. Das Gedächtnis aufzubauen oder zu verbessern ist so gut wie unmöglich. Man könne auch den Krankheitsverlauf nicht aufhalten, aber eben hinauszögern und verschiedene Symptome durch Stärkung des Gedächtnisses kompensieren, sagt Stanek-Sittner.
"Nie-Ohne-Seife-Waschen"
Die Kursleiterin freut sich, wenn über die Stunde hinaus an Aufgaben getüftelt wird. Es ist eine kleine Gemeinschaft, fast so wie in der Schule. Die Damen helfen sich gegenseitig, manchmal schreiben sie voneinander ab - und sie kommen gerne.
Kognitives Training funktioniert mit verschiedenen Methoden. Fühlübungen, Übungen zur Wahrnehmung, zur Merkfähigkeit, zur Wortfindung und zur Konzentration stellen die Grundpfeiler dar und sind an der Struktur des menschlichen Gehirns ausgerichtet, das nach dem Drei-Speicher-Modell arbeitet. Es gibt den sensorischen Speicher, das Kurzzeitgedächtnis, das als Arbeitsspeicher fungiert, und das Langzeitgedächtnis. Im Kurzzeitgedächtnis können wir sieben Begriffe parken. Gedächtnistraining zielt aber darauf ab, dass wir uns 15 Begriffe oder mehr merken. Assoziationen sollen dabei helfen, einen Begriff "merkwürdig" zu machen, auch wenn die Verknüpfung abstrus ist. "'Mit Nie-Ohne-Seife-Waschen hat wahrscheinlich jeder die Himmelsrichtungen gelernt", sagt die Psychologin lachend. Das Gehirn kann Bilder besser verarbeiten und länger behalten.
Für ihre Seniorengruppe kommt diese Technik nicht in Frage. Alte Leute wollen Rätsel und Spiele, nur die wenigsten wollen neue Merkmethoden kennenlernen. Für sie bastelt die Gedächtnistrainerin dann Karten mit Anagrammen und denkt sich Hausübungen aus, bei denen Einsagen ausdrücklich erlaubt ist. (Marie-Theres Egyed, derStandard.at, 26.4.2012)
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"http://www.arno-geiger.de/der-alte-... inem-exil/
"Hier hast du deinen Hut."
"Das ist recht und gut, aber wo ist mein Gehirn?"
"Dein Gehirn ist unter dem Hut", sagte ich aus der Küche aus.
Der Vater nahm den Hut ab, schaute hinein und erwiderte:
"Das wäre aber ein Wunder."
dass bestimmte Tätigkeiten (zB musizieren) sehr wohl mit einer geringeren Demenzrate korrelieren.
Wie immer weiss man natürlich nicht ob musizieren die Demenzerkrankung verhindert oder ob die Korrelation nicht anders verursacht wird (es könnten ja Gehirne, die zu Demenz neigen weniger oft Freude am Musizieren haben oder es könnte eine weitere unbekannte gemeinsame Ursache für beides geben).
Ich glaube, dass Kreuzworträtseln usw. gar nix hilft.
Sport, vor allem auch Muskeltraining, ist auch fürs Hirn gut. Sport macht vor allem Lust auf Hirnarbeit.
http://www.videoportal.sf.tv/video?id=... 461340bcb1
Es sind vier Säulen, die das Dach vor dem Einstürzen bewahren:
Geistige und körperliche Regsamkeit, soziales Netz, Ernährung.
Am besten in einer Gruppe mit Sportarten / Hobbys, wo das Denken und die Bewegung nicht zu kurz kommen.
Über die Auswirkungen der Ernährung auf ein gesundes Altern ist noch nicht allzuviel bekannt, man kann aber von ihrer Wichtigkeit ausgehen.
www.funwin.com
dort sind kostenlose singleplayer spiele mit karten, quiz, geschicklichkeit und co... probiert mal funtowers oder terrakotta. -echtes "train-your-brain"! ;o)
für die Damen des Wohnparks Fortuna (wo sind eigentlich die Männer?).
In diesem Zusammenhang ist der Vergleich des Gehirn mit einem Muskel tatsächlich erlaubt, rückwärts zählen wie erwähnt ist eine gute Sache - wenns mit der Zeit auch a bissi fad wird.
Noch wichtiger aber: ein gutes soziales Netzwerk, je mehr und intensiver, desto besser. Was unsere Senioren brauchen ist Ansprache, Unterhaltung, auch Herausforderungen. Dazu sind aber Seniorenheime am allerwenigsten geeignet, wenn auch die wöchentlichen Denkübungen natürlich besser als nix sind.
Was wir überhaupt nicht wissen: Ist ein mögliches späteres Auftreten von Demenz eher durch Denkübungen bedingt, oder eher durch die Tatsache, dass sich die Teilnehmer sozial austauschen können?
es ist sinnvoll das auch sprachlich zu beschreiben.
Ich bin für respektvollen Umgang mit Dementen - aber eine streng auf politische Korrektheit und 100%ig richtigen Sprachgebrauch ausgerichtete Haltung Dementen gegenüber halte ich für zu verkrampft um erfolgreich, menschlich und verstehend sein zu können.
...lt. Studien sind die Übungen "diametral" auszurichten (Fachzeitschrift: Gehirn & Geist).
Beispiel: zählt man von 1 hoch wird bei jeder weiteren Zahl von 100 herabgezählt. Also 1 - 100,
2- 98, 3 - 97, 4 - 96. 5 - 95 ...
bei Bildern: stellt man sich ein "Meer mit blauem Wasser" vor, dann wäre "ornages Wolkenmeer" OK.
Immer etwas entgegengestztes gegenüberstellen ;-)
...angeblich sollen Musiker, die wirklich ihr Leben lang musiziert haben, statistisch gesehen weniger an Demenz erkranken wie normale Menschen.
Grund dafür sind die Querverbindungen im Hirn, dadurch bildet sich ein gewisser Strang besser aus.....oder so ähnlich.
Kann das mal wer bestätigen oder eben nicht?
da ist was dran. Ältere Menschen halten sich mit Musizieren (Klavier, Singen nach Noten etc.) geistig und auch emotional fit. Offenbar ist die gedankliche Leistung, abstrakte Punkte (Noten) in konkrete Bewegung (Tastendruck, Singen von zugeordneten Tönen, bestimmte Griffe auf Saiten etc.) umzusetzen, ein gutes Hirntraining. Das ist allerdings kein wissenschaftlicher Befund, sondern Ergebnis praktischer Beobachtung.
Neurologisch gesehn ist JEDE geistig anspruchsvolle Tätigkeit geeignet Demenz zu verzögern oder sogar zu verhindern.
Neurogenese (Die Neubildung von Nervenzellen) findet nicht, wie man lange glaubte, nur im Kindesalter statt, sondern setzt sich (verlangsamt) das ganze Leben über fort...sofern man dem Gehirn dafür einen Grund gibt.
Ergo, auch wenns biologisch nicht ganz korrekt ist...der Spruch "Das Gehirn ist wie ein Muskel..." hat zumindest Teilweise etwas wahres. Geistig rege zu bleiben wirkt der Verkümmerung des Hirns wirkungsvoll entgegen...damit kann ein geistig anspruchsvoller Beruf gemeint sein, Lernen, Lesen oder eben auch Musizieren.
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